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Theater Schloss Maßbach
Für 30 Minuten wieder jung
Theater Maßbach
Ole Galili (Alexander Baab) hat Adina die 30-Minuten-Pille gegeben, diese hat sich in Adi Bar (Anna Katharina Fleck) verwandelt. // Sebastian Worch
Maßbach – Theater Schloss Maßbach zeigt aktuell das Stück "Jugend auf Rezept (Die Pille)". Und: Das Publikum hat viel zu lachen.

Haben Sie, liebe Leserin, lieber Leser, sich schon einmal gewünscht, plötzlich wieder jünger zu sein, in eine Zeit zurückzukehren, die man in der Verklärung der Erinnerung für seine besten Jahre hält oder hielt. Ganz bestimmt haben sie das. Und wie alt oder jung wollten Sie dabei werden? Der Mythos vom Jungbrunnen ist vermutlich fast so alt wie die Menschheit: Man klettert als alter Knacker oder alte Knackerin in die wundersamen Fluten und springt als knackiger Junge oder knackiges Mädchen wieder heraus.

Natürlich wissen wir alle, dass das nicht funktionieren kann. Und sollte es doch einmal funktionieren, dann stehen wir einem Berg von Fragen gegenüber: Läuft das neue Leben genauso ab wie das alte? Klopft dann Meister Zipperlein mit wuchtigen Schlägen wieder an die Tür? Kann man dann wieder in den Brunnen springen? Wäre vielleicht nicht schlecht, denn die Jahre zwischen 40 und 60 gelten allgemein als die besten: Seien wir froh, dass es nicht funktioniert, denn dann hätten wir zwar ein langes Leben im Kreise von lieben Menschen. Aber man würde auch 500 Jahre immer wieder denselben Kotzbrocken begegnen.

Uraufführung in Tel Aviv

Aber – zur allgemeinen Überraschung – hat in Maßbach die Alternsforschung einen bahnbrechenden Durchbruch erzielt: „Jugend auf Rezept (Haglula = Die Pille)“ heißt das neue Stück, mit dem die Maßbacher bis Anfang September auf der Freilichtbühne darüber berichten. Allerdings nicht streng wissenschaftlich. Der israelische Autor und Regisseur Roni Sinai hat sich über diesen Durchbruch ziemlich lustig gemacht und ihn zu einer veritablen Komödie verarbeitet. 2019 fand die Uraufführung in Tel Aviv statt. 

Worum geht’s? Die gefühlt 80-jährige Adina Berman kommt zu dem Chemiestudenten Ole Galili, einem etwas durchgeknallten Typen, dem sie einen Raum für private Versuche vermietet hat, um ihm eine Mieterhöhung mitzuteilen. Der fällt aus allen Wolken und sieht seine einzige Chance in einer Wette: Er hat eine Pille entwickelt, die einen Menschen für eine halbe Stunde verjüngt – wobei „eine Pille“ wörtlich gemeint ist, denn es gibt noch keine zweite, sondern nur noch jeweils eine für zehn, fünf und zwei Minuten. Für mehr fehlt Ole das Lithium (seien wir froh!).

Aus Alt wird Jung

Die 30-Minuten-Pille bietet er Adina an, und die geht darauf ein – sie hat in ihrem Leben schon jede Menge Pillen überlebt. Wenn’s nicht klappt, von dem sie ausgeht, dann fliegt Ole raus. Wenn’s aber klappt, dann ist die Mieterhöhung vom Tisch.

Natürlich klappt’s. Aus der betagten Adina Berman wird die strahlende junge Frau Adi Bar. Und dann muss ausgerechnet in dem Moment Oles Freund Daniel Gordon vorbeikommen, der Adi sofort und nicht erfolglos anbaggert. Wäre ja nicht so schlimm. Aber Daniel ist eigentlich der Bräutigam in spe von Rahel Berman, und die ist ausgerechnet die Enkelin von Adina. Man braucht nicht allzu viel Fantasie, um zu erkennen, dass in dieser Ausgangssituation enorm viel dramatisches, aber auch komisches Potenzial steckt. Und mehr muss hier auch nicht verraten werden.

Es ist Adinas Mann Viktor, ein ehemaliger Detektiv, der die Aufklärung ins Rollen bringt: Auf einem Foto, das er geschossen hat, entdeckt er Adi Bar – nicht weil er sie kennt, sondern weil sie das Kostüm seiner Frau trägt: Was hat die inzwischen an? Wo ist sie überhaupt? Und am Ende …

Ben Retetzki hat in seiner Inszenierung alle Möglichkeiten genutzt, die ihm der Text mit seinen geistreichen, komischen, überraschenden Dialogen und seinem Verzicht auf Nebensächlichkeiten bot. Mit seinem Team Annagerlinde Dodenhoff (Adina Berman), Marc Marchand (Viktor Berman), Alexander Baab (Ole Galili), Daniel Gordon (Bennet Neumann), Adi Bar (Anna Katharina Fleck) und Miriam Fernández Molina (Rahel Berman) hat er ein hohes Tempo entwickelt, das trotzdem dem Wortwitz, der Romantik und der Situationskomik genügend Platz lässt.

Er hat starke Charakterisierungen entwickelt, die auch auffallend gut den Wechsel der Adina Berman in zwei Altersgruppen vertragen. Er hat durchaus karikierende Aspekte entwickelt, ohne sie allerdings ins Unglaubwürdige zu übertreiben.

Reales und Surreales

Die Begegnung und Konfrontation von Realem und Surrealem in dieser Form wird trotz aller Unmöglichkeit zu einer stimmigen Konstruktion, an die man sich gewöhnen kann. Zumal sich die Handlung sehr gut in das drehbare zweiräumige Bühnenbild von Robert Pflanz einpassen ließ.

Und Ruben Landrichters Kostüme, die die Charaktere unterstrichen, Modernität und Normalität in einer chaotischen Welt signalisierten. Natürlich war man gespannt, wie sich Adinas Verjüngung auf offener Bühne vollziehen würde. Und da alle mit einer Intensität spielten, als sei der Teufel hinter ihnen her, wurde das Stück trotz aller Unwahrscheinlichkeiten zu einer höchst spannenden Angelegenheit.

Klare Sache: Wir sind alle in den gut zwei Stunden der Aufführung nicht jünger geworden. Nur haben wir es nicht bemerkt, denn es gab ständig etwas zu lachen. Und die Alternswissenschaft hat uns ja gelehrt: Wer viel lacht, bleibt zumindest gesünder.

  • Aufführungen Das Stück „Jugend auf Rezept (die Pille)“ wird an folgenden Tagen im August auf der Freilichtbühne gezeigt: Donnerstag, 6., 19 Uhr; Freitag, 7., und  Samstag, 8., um 20 Uhr, Sonntag 9., 19 Uhr, Donnerstag, 13.,19 Uhr, Freitag, 14., 20 Uhr, Samstag 15., 15 Uhr und 20 Uhr, Sonntag, 16.,19 Uhr, Donnerstag, 20., 19 Uhr, Freitag, 21., und Samstag, 22.,  20 Uhr, Sonntag, 23., 15 und 19 Uhr, Donnerstag, 27.,  19 Uhr, Freitag, 28. und Samstag, 29., 20 Uhr, Sonntag, 30., 19 Uhr. Am Freitag, 4., und Samstag, 5. September, ist   um 20 Uhr   Vorstellung.
  • Kartentelefon 09735/235, bis 31. August jeweils montags und freitags    von 9 bis 16 Uhr, dienstags und donnerstags von  9 bis 13  und von  17 bis 20 Uhr, mittwochs und samstags von 9 bis 13 Uhr. Das Kartentelefon ist  zusätzlich ab zwei Stunden vor der Vorstellung besetzt und bis eine Stunde vor Vorstellungsbeginn erreichbar;  Kartenverkauf auch online.
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