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Hüttenwirte aus Leidenschaft
Wie die Gemündener Hütte zum Kult wurde
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Die Hüttenwirtsfamilie Verena Göpfert und Marc Trum mit ihren Töchtern Mathilda (links) und Greta. // Markus Büttner
Signet des Fränkischen Tags von Michael Nöth
Kreuzberg
Kreuzberg – Die Anfänge waren klein, ihr Mut groß. Wie zwei junge Rhöner in eine verschlafene Hütte am Kreuzberg richtig Leben gebracht haben. Eine Familiengeschichte.

Die Zukunft scheint gesichert. „Hüttenwirtin - das schreiben Greta und Mathilda gerne als Berufswunsch in die Freundschaftsbücher ihrer Klassenkameradinnen und -kameraden. Verena Göpfert lacht. Dieses herzliche Lachen kennen alle Gäste der Gemündener Hütte. Sie sitzt mit ihrem Mann Marc Trum im Garten in Haselbach. Ihre Töchter Greta (10) und Mathilda (7) spielen. Es ist Freitag. Die Hüttengastronomie hat wie jedes Wochenende geschlossen, die Übernachtungsgäste am Berg sind eingezogen, alle sind entspannt.

Welchen Beruf geben Verena und Marc als den ihren an? „Hüttenwirt, ganz klar.“ Die Antwort der beiden Haselbacher kommt prompt und unisono. Das aber ist nur ein Teil ihrer Arbeit. Die 45-Jährige betreibt ein Reisebüro mit zwei Vollzeit-Mitarbeiterinnen.

Ihr Mann Marc ist Luftfahrtunternehmer mit einem Heißluftballon. Und beide vermieten neben den zwei Selbstversorger-Häusern an der Gemündener Hütte noch die Haflinger Alm und ein Chalet in der Osterburgsiedlung. Zudem sind sie Eltern. Multitasking. Wie kann das klappen?

Der erste Umsatz: 25 Euro

„Das hat sich so gefügt in all den Jahren“, sagt Marc. Der 50-Jährige ist in einem Gastronomiebetrieb aufgewachsen. Seine Eltern hatten das Haus des Gastes samt Hallenbad in Haselbach bewirtschaftet und später ihre eigene Pension Luisenhof am Rande des Bischofsheimer Ortsteils erbaut.

Vor 30 Jahren hatten sie zusätzlich die Vermietung der Hütte vom ESV Gemünden übernommen. Verena, die ihrer Mutter häufig beim Bedienen half, absolvierte zu dieser Zeit eine Ausbildung als Reisekauffrau und war ein Jahr als Reiseleiterin auf Mallorca. „Als ich zurückkam, war mir das Büro zu klein.

Ich wollte mehr mit Menschen arbeiten“, erinnert sie sich. 2003 hatte sie in der Gemündener Hütte mit der Gastronomie angefangen. „Mal gucken, ob‘s sich rentiert. Am ersten Sonntag, es war Anfang September, waren zehn Gäste da, Umsatz 25 Euro“, lacht sie.

Das Areal der Gemündener Hütte am Kreuzberg ist in den vergangenen Jahren gewachsen. Es bietet für die Gästeschar genügend Platz.
Das Areal der Gemündener Hütte am Kreuzberg ist in den vergangenen Jahren gewachsen. Es bietet für die Gästeschar genügend Platz. // Markus Büttner

„Wir hatten grob überschlagen: Wenn der Kreuzberg mehrere Hundert Besucher anlockt und wir nur ein Prozent davon abbekommen, reicht das“, lachen beide über ihren unternehmerischen Mut damals. 2004 wurde das erste Hüttenfest gefeiert mit den Waldfensterer Bergmusikanten. Ein Volltreffer. Die Gästeschar wuchs. Und damit die Ansprüche.

Schnell war klar, dass sie die kleine Hütte zukunftstauglich machen mussten. „Die Küche bestand aus einem dreiflammigen Gasherd, daneben die Luke zum Getränke-Keller. Kein Stromanschluss, dafür Gaslampen. Im Winter ist das Wasser eingefroren. Wir mussten was tun. Der ESV Gemünden aber konnte nicht so viel investieren. Wir wollten und haben uns mit dem Verein auf einen Erbpachtvertrag bis 2049 geeinigt“, sagt Marc Trum. So hatten die jungen Hüttenwirte Planungssicherheit. Und der ESV Gemünden die Gewissheit, dass „ihre“ Hütte im Vereinssinn weiterbetrieben wird.

Erster große Umbau 2011

2011, der erste große Umbau für die beiden jungen Rhöner am Berg. „Lasst bloß den urigen Hütten-Charakter“, forderten viele Stammgäste. Ihr großes Glück: Sie sind in der Region sehr gut vernetzt. „Ein Kumpel ist Zimmerer und Planer, ein anderer hat die Bagger. Und schon wurde der erste Ruck gemacht“, erzählt Marc Trum. „Das Dach wurde noch im Dezember gedeckt. Das war schon spitze“, ergänzt Verena. Im Winter 2012/13 war der Umbau fertig. Die Skeptiker saßen zufrieden an den großen Fenstern. Im Sommer 2013 folgte der Biergarten, in dem das Paar am 7.7.2017 heiratete.

Genau um diese Zeit wurde dem frisch vermählten Ehepaar die Haflinger Alm zum Kauf angeboten. Von dort bekamen sie seit Jahren Strom. „Bevor ein Investor aus Frankfurt zuschlägt, haben wir eingeschlagen. Die Erbengemeinschaft hat uns einen fairen Preis gemacht.“ Sie bauten die Alm komplett um zu einer großen Ferienwohnung für bis zu 20 Personen.

„Auch da hatten wir mit unserer Hausbank einen Partner, der uns gut unterstützte. Genauso wie beim Chalet-Kauf 2021/22 in Haselbach. Diese Unterkunft wurde uns vom Nachbarn angeboten. Seit Corona wussten wir, dass wir auf kleinere Häuser setzen müssen, um ein sicheres Standbein zu haben“, erzählt Verena.

Die Hütte sollte urig bleiben

Inzwischen hatten sich die beiden mit ihrem Team am Berg einen guten Namen gemacht. Qualität vor Quantität, so ihr Credo. Nicht nur bei der Speisekarte. Auch hüttenmäßig sollte es urig bleiben. Allerdings: Die gut besuchten Musikabende donnerstags mussten gestrichen werden.

„Wir waren absolut am Limit. Hatten drei Verkaufsstellen und sind doch nicht vorangekommen beim immer größer werdenden Andrang“, erinnert sich Marc Trum. „Diese Abende sind aber nahtlos übergegangen in den offenen Musikerstammtisch am Mittwoch“, schiebt Verena nach. Da kommen Solo-Musiker wie der Oberweißenbrunner Gerhard Kirchner oder der Querbachshöfer Werner Steinmüller.

Wie die Gemündener Hütte zum Kult wurde
Wie die Gemündener Hütte zum Kult wurde // Markus Büttner

Zwischenzeitlich war auch der Betrieb an den Sonntagen zu viel geworden. Die Infrastruktur habe schon wieder nicht gereicht. „Zudem mussten wir für die Sonntage jeweils 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vorhalten. Das war mit unserem Personalstand nicht mehr machbar“, erklärt Marc Trum. Sie mussten den Wochenend-Betrieb notgedrungen einstellen.

Auch, um ihr Personal unter der Woche halten zu können. Mittlerweile respektieren die Gäste diese Einschränkung. „Wir werden dennoch immer wieder gefragt, warum wir sonntags zu haben. Denen sage ich gerne: Wenn ihr sonntags arbeiten wollt, kommt und helft uns. Dann könnte es wieder klappen“, so der Hüttenwirt.

Neben dem Wirteehepaar arbeiten auf der Hütte drei weitere Festangestellte. Dazu können sie sich auf 32 Mitarbeitende verlassen, die sich aus Teilzeitkräften, Minijobbern und Kurzfristig-Angestellten rekrutieren. „Das läuft“, weiß Marc Trum. „Ohne unsere Helfer könnten wir das Pensum nie bewältigen“, sagt auch Verena.

Viel Arbeit, wenig Urlaub, aber Spaß

Entspannung? Früher beim täglichen Laufen mit dem Hund. Reisen? „Nur im Nahbereich mal für zwei bis drei Nächte. Unser letzter längerer Urlaub ist schon zehn Jahre her“, sagen sie.

Ihnen beiden macht die Arbeit aber an und in und mit den Hütten richtig viel Spaß. „Eigentlich wollte ich das nie machen. Weil ich gesehen habe, wie meine Eltern malocht haben“, sagt der gelernte Elektriker. Nach seiner Bundeswehr-Zeit hat er sich zum Hotelbetriebswirt fort- und Azubis in der Hütte ausgebildet. „Das positive Feedback, die Wertschätzung, die wir immer wieder von vielen Gästen erfahren, sind echte Belohnung für unsere Mühen“, sagt Verena Göpfert. Dies bekräftigt sie mit ihrem herzlichen Lachen.

Radfahrer bevölkern meist mittwochs die Gemündener Hütte.
Radfahrer bevölkern meist mittwochs die Gemündener Hütte. // Markus Büttner

Das könnte bald im Fernsehen zu bestaunen sein. Denn beim traditionellen Hüttenfest an Mariä Himmelfahrt, 15. August, hat sich dieses Mal das Bayerische Fernsehen angekündigt. Marcus Fahn, der Morgen-Moderator von Bayern1, dreht gerade eine Serie über Hüttenwirte ab. Und da will er auch Marc und Verena in zwei Folgen bei ihrer Arbeit auf der Gemündener Hütte beobachten. Die Sendungen sollen im Herbst ausgestrahlt werden.

Vielleicht interviewt Fahn auch die beiden Töchter. Mathilda gefällt der Spielplatz am besten an der Hütte. Ihre zehnjährige Schwester Greta denkt schon einen Schritt weiter: „Mir gefällt am besten, dass ich mithelfen kann!“ Die Zukunft der Gemündener Hütte scheint gesichert.

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