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Speicherzer Kirche
Enorme Eigenleistung vor 100 Jahren
Speicherzer Kirche
Die Speicherzer Kirche St. Josef feiert 100-jähriges Bestehen. // Stephanie Elm
Speicherz – Vor 100 Jahren wurde in Speicherz die Kirche St. Josef fertiggestellt - in Rekordzeit.

Seit 100 Jahren haben die Speicherzer ihre eigene, eigentlich noch junge Kirche St. Josef. Bis der Wunsch der Speicherzer nach einem eigenen Gotteshaus allerdings Wirklichkeit wurde, vergingen über zwei Jahrhunderte. Zuvor gingen die Speicherzer zu den Gottesdiensten nach Oberleichtersbach, Volkers oder Kothen. Verstorbene mussten in einem beschwerlichen Leichenzug auf den Volkersberg getragen werden.

Erst 1926, am 16. Dezember, wurde der innig gehegte Wunsch wahr. Eine feierliche Prozession mit „außergewöhnlich hoher Beteiligung aus Nah und Fern“ zog zum neuen Gotteshaus auf dem damals höchsten Punkt des Dorfes, wie es in der Ortschronik von Speicherz heißt. Dechant Müller aus Oberbach weihte zunächst die äußeren Mauern, Stadtpfarrer Hock verwies auf „die Würde des Gotteshauses“ und seine Baugeschichte.

Baumaterial gespendet

Diese verlief relativ schnell: 1923 wurde der Bau der Kirche mit Friedhof vom Gemeinderat beschlossen. Im Oktober 1925 fand die Grundsteinlegung statt.

Von 1925
Schaubild der Speicherzer Kirche St. Josef von 1925. // Sammlung Matthias Elm

Mit enormer Eigenleistung ging der Bau voran: „400 Fuhren Steine, die von Hand gebrochen und behauen werden mussten“ wurden mit Pferdefuhrwerken vom Dammersfeld herbeigeschafft. Auch die Türe des Hauptportals wurde in ehrenamtlicher Arbeit gefertigt, weitere örtliche Handwerker halfen unentgeltlich mit oder spendeten Baumaterial. Im November 1926 wurde die ehemalige Schulglocke, die im 2. Weltkrieg abgeliefert werden musste, im Kirchturm verankert. 1928 kam die zweite Glocke hinzu.

Laut des letzten Willens von Michael Hüfner, der 1866 mit seinem Erbe von 500 Gulden den finanziellen Grundstock für den Kapellenbaufond ermöglicht hatte, hätte eigentlich innerhalb der folgenden 50 Jahre eine Kirche errichtet werden müssen. Auf Grund des Ersten Weltkriegs verstrich dieser Stichtag jedoch unverrichteter Dinge. 1919 beschlossen Bürgermeister Johann Dehler mit den Ratsmitgliedern, dass die Kirchenstiftung mit ihrem ursprünglichen Zweck auf unbestimmte Zeit weiterbestehen solle. Die in der Nachkriegszeit politisch unsicheren Verhältnisse und die Inflation sowie verschiedene Grundstücksverkäufe des ursprünglich als Baugrund geplanten Anwesens machten die Sache nicht einfacher.

Provisorische Kapelle

In den frühen 1920er Jahren waren die Speicherzer jedoch bereits in den Genuss von Messfeiern im eigenen Ort gekommen, als der Theologe Philipp Englert das Gut gekauft und darauf eine provisorische Kapelle errichtet hatte. Da die Pfarrer aus der Umgebung an der Befugnis des Prof. Englert zweifelten, ließ der Bischof die Messfeiern in Speicherz einstellen. Mit dieser Erfahrung bekam der Wunsch nach einem eigenen Gotteshaus wieder Auftrieb und wurde vor 100 Jahren endlich verwirklicht.

Speicherzer Kirche
Die Speicherzer Kirche St. Josef feiert 100-jähriges Bestehen. // Stephanie Elm

1990 und 1991 erfuhr die Kirche St. Josef eine umfassende Restaurierung, am 17. März 1991 nahm Weihbischof Alfons Bauer die Altarweihe vor.

Sieben Jahre später erhielt die kleine Kirche ihre dritte Glocke, die „Marienglocke“, sie wurde von Weihbischof Helmut Bauer geweiht. Aufgrund von durchnässten Balken wurde das Dach der Kirche 2012/2013 saniert. 2016 kam die Speicherzer Kirche groß raus. Der Bayerische Rundfunk hatte das Zwölf-Uhr-Läuten aufgenommen und es am 13. März mit einem kurzen Abriss der geschichtlichen Entwicklung des Gotteshauses ausgestrahlt.

Unter einem soliden Kirchendach und mit würdevoll-festlichem Glockengeläut feiern die Speicherzer nun das 100-jährige Bestehen ihres Gotteshauses.

Festgottesdienst: Am Sonntag, 13. September 2026, ab 9.30 Uhr  hält  Pfarrer und Domkapitular Armin Haas in Vertretung für Bischof Franz Jung den Festgottesdienst. Im Anschluss wird eine Ausstellung über die Kirchengeschichte eröffnet. Ab 11.30 gibt es Mittagessen, ab 12.30 Uhr Plootzkuchen aus dem Backhaus. Um 15 Uhr geben Margarethe und Markus Wollmann ein Orgelkonzert, Abendessen folgt ab 18 Uhr. Für die Kleinen werden Kinderschminken und Bastelprojekte angeboten.blm

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