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Junge Hauptrollen im Interview
Münnerstädter Heimatspiel: Emotionen, Träume, Gemeinschaft
Johanna Bauer, Hannah Lieb, Janine Kunze, Dominik Lieb, Felix Johannes und Siegfried Schmitt sind die Besetzungen des Heimatspiels Münnerstadt 2024.
Johanna Bauer, Hannah Lieb, Janine Kunze, Dominik Lieb, Felix Johannes und Siegfried Schmitt sind die Besetzungen des Heimatspiels Münnerstadt 2024. // Oliver und Christine Schikora
Münnerstadt – Dieses Jahr spielen drei junge Frauen die Ottilie und drei junge Männer den Michel Stapf. Sie verraten, seit wann sie dabei sind, wie sie zu der Hauptrolle kamen und was sie am Heimatspiel lieben.

Johanna Bauer, Hannah Lieb und Janine Kunze spielen in diesem Jahr die Tochter des Bürgermeisters, Ottilie. Dominik Lieb, Felix Johannes und Siegfried Schmitt verkörpern den Kommandanten am Jörgentor, Michel Stapf. Im Interview sprechen sie von den Emotionen, die sie mit der Rolle, dem Stück und der Heimatspielgemeinde verbinden und wie sie dahin kamen, wo sie jetzt sind. 

Johanna Bauer

Johanna Bauer spielt zum ersten mal die Ottilie.
Johanna Bauer spielt zum ersten mal die Ottilie. // Christine Schikora

Seit wann spielen Sie die Ottilie und wie kam es dazu?

Die Rolle hat mir schon immer gefallen. Vor ein paar Jahren wurde ich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, diese Rolle zu spielen. Jetzt ist es zum ersten Mal so weit.

Was haben Sie vorher gespielt? 

Ich bin schon solange ich denken kann beim Heimatspiel dabei. Erst als Baby mit meiner Familie bei den Althäusern, später bei den Tanzmädchen und seit etwa vier Jahren bei den Trommlern und Pfeifern. Dort bin ich weiterhin, wenn ich nicht die Ottilie spiele.

Sind Sie jedes Jahr aufs Neue aufgeregt? 

Schwierige Frage. Ich weiß, dass ich als Tanzmädchen, kurz bevor der Erntedankzug startete, schon etwas aufgeregt war. Bei den Trommlern und Pfeifern sehe ich es eher gelassen, da ich seit einigen Jahren dabei bin.

Wie fühlt es sich an, eine Hauptrolle zu spielen?

Es ist ein besonderes Gefühl, näher im Mittelpunkt des Heimatspiels zu stehen und nicht nur eine Randrolle zu spielen. Zum einen eine aufregende, zum anderen natürlich auch herausfordernde Aufgabe. Sozusagen eine Mischung aus Nervosität und Vorfreude.

Was hat Sie zum Heimatspiel gebracht und was hält Sie hier?

Ich komme aus Münnerstadt. Da meine Familie bereits über Generationen beim Heimatspiel mitspielt, führe ich die Tradition gerne weiter. Ich bin von klein auf dabei. Für mich ist es einfach selbstverständlich, mitzuwirken.

Was ist aus Ihrer Sicht das Besondere am Heimatspiel?

Das Heimatspiel verbindet Alt und Jung: Es gibt für jedes Alter eine passende Rolle, die man auch mit Freunden ausüben kann. Schon als Kind kann man bei den Tanzmädchen oder Scholaren ein Gedicht aufsagen und so das Gefühl eines Solisten erleben. Es ist einfach besonders, dass es hier eine so lange Tradition gibt, wobei das ganze zusätzlich mit einem Rahmenprogramm gestaltet wird.

 

Hannah Lieb

Hannah Lieb kam durch ihren Bruder zum Heimatspiel.
Hannah Lieb kam durch ihren Bruder zum Heimatspiel. // Oliver Schikora

Seit wann spielen Sie die Ottilie und wie kam es dazu?

Die Ottilie spiele ich seit letztem Jahr. Das war von klein auf mein Traum. Letztes Jahr sprang ich notfallbedingt in Bad Windsheim am Tag des immateriellen Kulturerbes (14. Mai 2023) ein. Franz Wüst (Spielleiter) und Claudia Kind (Vorsitzende) fragten mich später, ob ich 2024 die Ottilie spielen würde. Doch es kam alles anders, da eine Ottilie wegen eines Autounfalls nicht spielen konnte. So war ich im Jahr 2023 gleich zweimal die Ottilie.

Was haben Sie vorher gespielt? 

Ich fing als Kind bei den Althäusern an, spielte lange bei den Tanzmädchen. Danach kam ich zu den Schnittern, in dieser Rolle trage ich auch das Schnitter-Gedicht vor. Dort spiele ich weiterhin mit, wenn ich nicht die Ottilie spiele. 

Sind Sie jedes Jahr aufs Neue aufgeregt? 

Wenn ich als Ottilie auf meinen Einsatz warte, bin ich definitiv aufgeregt. Jedoch legt sich meine Aufregung relativ schnell wieder, sobald ich auf die Bühne komme und vollkommen in meiner Rolle bin.

Wie fühlt es sich an, eine Hauptrolle zu spielen?

Es ist etwas komplett anderes, auf der Bühne eine Hauptrolle zu spielen und mit den anderen Solisten zu agieren. Auch ist es ein schönes Gefühl nach dem Auftritt, Zustimmung von Mitwirkenden oder Zuschauern zu bekommen.

Was hat Sie zum Heimatspiel gebracht und was hält Sie hier?

Mein Bruder Dominik wollte unbedingt mitspielen. Nun macht die ganze Familie mit. Für mich gehört das Heimatspiel einfach dazu. Es macht Spaß, jährlich die Geschichte der schwedischen Belagerung zu erzählen.

Was ist aus Ihrer Sicht das Besondere am Heimatspiel?

Es ist ein tolles Gefühl, die Tradition des Heimatspiels mit Jung und Alt fortzuführen. Auch die Gemeinschaft zwischen den Mitwirkenden besonders. Sich nach den Proben oder nach dem Spiel zusammenzusetzen und ein, zwei Gläser miteinander zu trinken, gehört ebenfalls dazu.

 

Janine Kunze

Janine Kunze musste vergangenes Jahr wegen eines Unfalls aussetzen.
Janine Kunze musste vergangenes Jahr wegen eines Unfalls aussetzen. // Oliver Schikora

Seit wann spielen Sie die Ottilie und wie kam es dazu?

Ich spiele die Ottilie seit 2019, musste allerdings wegen Corona und meinem Autounfall 2023 zweimal aussetzen. Seit ich klein bin, wollte ich schon immer die Ottilie spielen. Ich habe bei den Tanzmädchen und Schnittern immer die Sprechrolle übernommen und wurde schon als junge Schnitterin angesprochen, ob ich denn nicht als Ottilie nachziehen möchte. 2023 musste ich wegen eines Autounfalls aussetzen. 

Was haben Sie vorher gespielt? 

Meine Mama hat mich quasi direkt nach meiner Geburt in einen Wagen der Althäuser gelegt, seitdem war ich dabei und habe mich über die Jahre von den Althäusern über die Tanzmädchen, zu den Schnittern und schlussendlich zur Solistin Ottilie „hochgearbeitet“.

Sind Sie jedes Jahr aufs Neue aufgeregt?

Aufgeregt bin ich immer am Tag des Auftritts, aber davor nicht. Ich bin aber auch ein großer Bühnenfreund und freue mich immer wieder auf das Lampenfieber und den Auftritt.

Wie fühlt es sich an, eine Hauptrolle zu spielen?

Die Hauptrolle zu spielen, empfinde ich als etwas sehr Schönes, weil ich das eben schon immer wollte und die siebenjährige Janine richtig stolz auf mich wäre, wenn sie mich heute sehen könnte.

Was hat Sie zum Heimatspiel gebracht und was hält Sie hier?

Zum Heimatspiel gebracht haben mich meine Eltern - mich hält die Gemeinschaft und die Freude am Spiel. Heimatspiel gehört einfach jedes Jahr dazu und selbst wenn ich nicht die Ottilie spiele, bin ich als Schnitterin mit dabei, auch wenn ich jetzt 45 Kilometer Anfahrt habe. Bruno Eckert, der leider verstorben ist, hat mich angelernt. Er war ein leidenschaftlicher Heimatspieler. Von ihm bekam ich die beste Ausbildung, die ich hätte bekommen können.

Was ist aus Ihrer Sicht das Besondere am Heimatspiel?

Das Besondere am Heimatspiel ist, dass es im originalen Skript wiedergegeben wird. Die damalige Sprache, die Liebe zu Münnerstadt und die Liebesgeschichte, die in dem Stück wiedergegeben wird, machen es zu einem sehr schönen und unvergleichlichen Theaterstück. Ich bin froh und stolz, ein Teil des Teams zu sein.

 

Dominik Lieb

Dominik Lieb wollte als Kind unbedingt beim Heimatspiel mitmachen.
Dominik Lieb wollte als Kind unbedingt beim Heimatspiel mitmachen. // Christine Schikora

Seit wann spielen Sie den Michel Stapf und wie kam es dazu?

Die Rolle war schon immer ein absoluter Traum für mich. 2017 kam der damalige Vorstand, Bruno Eckert, auf mich zu und bereitete mich intensiv auf meinen Auftritt vor. Damals war ich mit 16 Jahren der jüngste Darsteller des Michel Stapfs jemals. 

Was haben Sie vorher gespielt? 

Ich spiele mit, seitdem ich sechs bin. Ich habe bei den Althäusern angefangen, bin dann zu den Scholaren gewechselt, wo ich die Rolle des Melchiors spielte. Dann kam meine “große Beförderung“ zum Michel Stapf. Wenn ich nicht in dieser Rolle auf der Bühne stehe, bin ich Stadtknecht. Trotz meines Studiums in Würzburg war es für mich selbstverständlich, jedes Jahr mitzuspielen.

Sind Sie jedes Jahr aufs Neue aufgeregt? 

Ich bin nicht mehr so aufgeregt wie bei den ersten Auftritten. Ich spüre nur eine leichte „Grundnervosität“. Sobald ich vom Jörgentor zum Anger renne und auf der Bühne stehe, bin ich komplett in meiner Rolle und spüre keine Aufregung mehr.

Wie fühlt es sich an, eine Hauptrolle zu spielen?

Es macht mir total Spaß, eine Hauptrolle und vor allem mit anderen, teilweise neuen Darstellern, das Heimatspiel zu spielen. Eine Hauptrolle zu spielen ist etwas ganz anderes, als Statist zu sein. 

Was hat Sie zum Heimatspiel gebracht und was hält Sie hier?

Ich wollte damals als kleines Kind unbedingt beim Heimatspiel mitspielen und habe so die ganze Familie mit dem „Heimatspielfieber“ angesteckt.

Was ist aus Ihrer Sicht das Besondere am Heimatspiel?

Für mich gehört das Heimatspiel zu Münnerstadt und zu meinem Jahresverlauf dazu. Es macht mir Spaß, die Geschichte um die Errettung Münnerstadts zu erzählen. Es wird nie langweilig und es ist toll dabei mitzuwirken, die Tradition aufrechtzuerhalten. Außerdem ist die Gemeinschaft etwas ganz Besonderes.

 

Felix Johannes

Felix Johannes träumte schon immer davon, den Michel Stapf zu spielen.
Felix Johannes träumte schon immer davon, den Michel Stapf zu spielen. // Christine Schikora

Seit wann spielen Sie den Michel Stapf und wie kam es dazu?

Michel Stapf ist der Held des Stückes, ziemlich jeder Junge schaut zu ihm auf, allein schon wegen der Rüstung und dem Schwert. Ich wollte die Rolle schon immer. Eigentlich sah ich noch zu jung aus, aber weil die anderen Michels verhindert waren, durfte ich ihn 2023 doch schon spielen. 

Was haben Sie vorher gespielt? 

Ich begann als Kind bei den Althäusern, war dann bei den Scholaren. Den Melchior habe ich 2018 bis zur vergangenen Saison gespielt. Wenn ich nicht in meiner Hauptrolle spiele, bin ich Schnitter. Ich glaube, Michel Stapf wird nicht meine letzte Rolle hier sein.

Sind Sie jedes Jahr aufs Neue aufgeregt? 

Emotionen sind bei jedem Spiel mit dabei, wenn auch nicht mehr Aufregung. Noch immer berührt es mich, das geschmückte Heimatspielhaus und den Anger zu sehen. Natürlich ist man in neuer Rolle aufgeregter, als wenn man sie schon oft gespielt hat. Doch es ist jedes Mal etwas anders. 

Wie fühlt es sich an, eine Hauptrolle zu spielen?

Der zehnjährige Felix hatte eine extreme Ehrfurcht vor den Hauptrollen, hat ihnen wie Stars nachgeschaut. Nun merke ich, dass auch Solisten nicht unfehlbar sind. Aber: Ich bin stolz darauf, was ich erreicht habe.

Was hat Sie zum Heimatspiel gebracht und was hält Sie hier?

Ich habe als Kind das Heimatspiel gesehen, war begeistert und bin im folgenden Jahr eingestiegen. Wenn man einmal vom „Heimatspiel-Fieber“ infiziert wurde, kommt man kaum mehr davon los. Auch, wenn ich wegziehe, werde ich weiter mitwirken.

Was ist aus Ihrer Sicht das Besondere am Heimatspiel?

Der Zusammenhalt und dieses einende Gefühl.  Zu den Sommerferien gehört das Heimatspiel dazu. Das Zusammenkommen von Jung und Alt genieße ich. Ich liebe alte Geschichten, denn glatt läuft nicht immer alles und das Drama passiert oft hinter den Kulissen. 

 

Siegfried Schmitt

Siegfried Schmitt kam durch einen Ausfall an die Rolle des Michel Stapfs.
Siegfried Schmitt kam durch einen Ausfall an die Rolle des Michel Stapfs. // Oliver Schikora

Seit wann spielen Sie den Michel Stapf und wie kam es dazu?

Im Jahr 2016 hatte in der Probe der Michel Stapf gefehlt. Ich habe gesagt, ich habe den Stapf schon oft auf die Bühne getragen, weiß, wo er hingelegt werden muss, dann kann ich auch die Rolle wechseln und mich da selbst hinlegen. Ich brauchte nur ein Textbuch zur Sicherheit. Dann habe ich mit Bruno Eckert geprobt, um den Stapf fest zu spielen. Weil ihm meine Sprechleistung 2017 noch nicht überzeugte, stand ich 2018 erst auf der Bühne.

Was haben Sie vorher gespielt? 

Ich war vorher bei den Stadtknechten. 

Sind Sie jedes Jahr aufs Neue aufgeregt? 

Die Aufregung vor den Spielen ist jedes Jahr wieder neu da. Mit der Zeit wird sie weniger, aber komplett ohne Aufregung auf die Bühne zu gehen, ist nicht möglich.

Wie fühlt es sich an, eine Hauptrolle zu spielen?

Es ist schon ein schönes Gefühl, gerade bei der Rolle des Stapfs. Man beginnt als kleines Licht, das sich seit Jahren die Gunst des Bürgermeisters wünscht und dann schafft man es binnen eines Tages. Auch die Begeisterung der Zuschauer, besonders der kleinen, wenn sie einen in der tollen Rüstung sehen, ist ein sehr schönes Gefühl. 

Was hat Sie zum Heimatspiel gebracht und was hält Sie hier?

Zum Heimatspiel bin ich durch die Tiere gekommen. Wir vom Sonnenhof  bringen schon lange die Reitpferde zum Spiel, da war ich schon immer zur Versorgung der Tiere in der Stadt. Irgendwann bin ich von hinter der Bühne mit den Stadtknechten vor die Bühne gegangen und dann mit der Rolle des Stapfs auf die Bühne. Es hält mich hier das tolle Gefühl, bei so einer wunderbaren Geschichte wie dem Heimatspiel dabei zu sein. 

Was ist aus Ihrer Sicht das Besondere am Heimatspiel?

Das besondere ist, dass wir es schaffen, durch das Spiel die Geschichte am laufen zu halten, und die tolle Atmosphäre während des Spiels.

 

Letzte Aufführung für 2024 am Sonntag,  8. September

 Am Sonntag, 8. September wird das Stück ein drittes und letztes Mal in der Saison aufgeführt. 

Programm: 

  • Ab 10 Uhr: Bewirtung im Hof des Deutschordensschlosses
  • 13 Uhr: Schwedenprozession
  • 15 Uhr: 3. Aufführung des Festspiels „Die Schutzfrau von Münnerstadt“ (Anger)
  • 16.30 Uhr: Stadtrundgang „Heimatspiel: Dichtung, Wahrheit & Legende“ (3€/Person, Kinder bis einschl. 15 Jahre frei)
  • 20 Uhr: Nachtwächter-Stadtrundgang (Treffpunkt Rathaus, 5€/Person, Kinder bis einschl. 15 Jahre frei) 

 

Über die erste und zweite Aufführung: 

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