„In Zukunft bekommt hier niemand mehr Recht. Die Stunden des Amtsgerichts Münnerstadt sind gezählt.“ So war es vor 50 Jahren in der Tageszeitung zu lesen. Die bereits damals seit zwei Jahrzehnten umhergeisternde Möglichkeit der Auflösung des Gerichts wurde durch die Gebietsreform bittere Wirklichkeit. Das war der vorläufige Höhepunkt eines damals bereits lang anhaltenden Ämtersterbens. Das Forstamt immerhin sollte bleiben. Das hat es schließlich noch ins neue Jahrtausend geschafft. Dann war aber auch damit Schluss.
Nur noch ein Trostpflaster
„Der Gebietsreform blieb es vorbehalten, das bereits seit langem gefährdete und von Münnerstadt immer wieder entschlossen und erfolgreich verteidigte Amtsgericht aufzulösen“, stand damals geschrieben. Damit sei der Behördenschwund in Münnerstadt vorüber, denn das Forstamt sollte als Trostpflaster bleiben. Münnerstadt aber sei nicht überraschend getroffen worden, sondern schöpfe aus einer kontinuierlichen Erfahrung, wie es damals hieß.
Denn bereits 1922 war die Zollinspektion Münnerstadt geschlossen worden, zwei Jahre später folgte das Zollamt. 1927 wurden die Finanzämter Mellrichstadt, Münnerstadt und Neustadt zu einem Amt mit Sitz in Bad Neustadt zusammengelegt. Die Vermessungsämter in Münnerstadt und Bad Kissingen legten die Verantwortlichen im Jahr 1933 zusammen, wobei das Lauerstädtchen leer ausging. Der Sitz ist seither in der Kurstadt. 1973 schließlich erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts.
Landratsamt nach Münnerstadt?
Das ist aber nur die eine Seite. Ein paar Jahre zuvor hatte es Bestrebungen gegeben, das neue Landratsamt in Münnerstadt zu errichten. Daraus wurde allerdings nichts, auch die eigentlich vor 50 Jahren schon fest zugesagte Realschule ist nie Realität geworden.
Der Abschied vom Amtsgericht war für die Münnerstädter besonders bitter. Denn schließlich war Münnerstadt ein alter Gerichtsort. Dazu gehörten das alte Centgericht, das in peinlichen Sachen seine Gerichtstage öffentlich auf freien Platz abhielt, und das alte Stadtgericht, das sich auf die bürgerliche Rechtspflege beschränkte und dem Münnerstadts Bürger durch ein Privileg von Kaiser Wenzelslaus seit dem Jahr 1335 unterworfen waren.
450 Jahre
Seit 450 Jahren Gerichtsgebäude
Seit nunmehr über 450 Jahren steht auf dem Münnerstädter Anger ein Gerichtsgebäude. Dort war die neue Amtskellerei errichtet worden, in die um 1560 der fürstliche Amtskeller von der alten Amtskellerei in die Burg umzog. Das jetzige Amtsgerichtsgebäude wurde in den Jahren 1744 bis 1748 erbaut.
Nach der Auflösung des Amtsgerichts kaufte ein Münnerstädter das Gebäude und richtete es her. Danach diente es unter anderem als Arztpraxis. Heute haben unter anderem ein Notar und ein Steuerberater ihren Sitz im alten Amtsgerichtsgebäude. Der Schreibtisch des letzten Richters ist erhalten geblieben.
Mit der Schließung des Amtsgericht – so hofften es die Münnerstädter damals – sollte das Ämterstreben ein Enden haben. Aber es sollte anders kommen. Denn das „Trostpflaster “, das Forstamt, hielt sich auch nur noch bis ins neue Jahrtausend. Am 1. Juli 2005 wurde es geschlossen. Eine Forstreform war der Grund dafür. Gegründet worden war es – ebenfalls aufgrund einer Forstreform – im Jahr 1885.
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