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Kultur
Hammelburg: Lust auf gemeinsames Musizieren
Für den Pfingstkurs des Bundes Deutscher Zupfmusiker kamen Teilnehmer bis aus München und Stuttgart in die Bayerische Musikakademie Hammelburg.
Für den Pfingstkurs des Bundes Deutscher Zupfmusiker kamen Teilnehmer bis aus München und Stuttgart in die Bayerische Musikakademie Hammelburg. // Ralf Ruppert
Hammelburg – Die Corona-Pandemie hat auch der Bayerischen Musikakademie zugesetzt. Seit Mitte 2022 laufen die Kurse wieder normal, für dieses Jahr hofft die Leitung auf mehr als 24.000 Übernachtungen.

Julian Jungkunst freut sich, wieder „unter die Leute zu kommen“. Der 20-Jährige spielt Gitarre, mit zehn Jahren hat er begonnen, nach einigen Jahren nahm er zum ersten Mal am Pfingstkurs des Bundes deutscher Zupfmusiker (BDZ) in der Bayerischen Musikakademie Hammelburg teil.

„Vor der Pandemie war ich drei oder vier Mal hier“, berichtet er. Dann kam im März 2020 der Lockdown. „Wir haben auch online geprobt, aber das ist schwierig, unter anderem sieht man oft die Griffe nicht richtig“, sagt Julian Jungkunst.

Obwohl der 20-Jährige zum Studium mittlerweile von Volkach nach Stuttgart umgezogen ist, war er in diesem Jahr wieder beim Pfingstkurs: „Die Menschen hier sind sehr lustig, es wird viel gelacht, und ich lerne viel dazu“, beschreibt er seine Motivation.

Einzelunterricht und etliche Angebote

Die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Pfingstkurses spielen in einem Orchester. In der Musikakademie gibt es ein ganz breites Angebot: „Ich habe jeden Tag eine halbe Stunde Einzelunterricht“, sagt Julian Jungkunst. Zudem kann er aus Kursen wie Body-Percussion zur Schulung des Rhythmusgefühls oder Jazz-Harmonik auswählen oder einfach mal andere Instrumente wie den Kontrabass zupfen. Abends treffen sich alle zum Kursorchester.

Bereits seit 2016 kommt auch Angela Lang aus München zum Pfingstkurs nach Hammelburg. Insgesamt vier Münchner würden gemeinsam anreisen. „Am Anfang war die Musikakademie einfach ein Veranstaltungsort, aber mittlerweile hat sie einen gewissen Spirit“, beschreibt sie die Atmosphäre.

Auf die Musikakademie sei sie zufällig aufmerksam geworden, als sie ein Ensemble des BDZ auf einem Festival hörte. „So etwas gibt es sonst in ganz Bayern nirgends in der Qualität“, schwärmt sie. Deshalb habe sie den Kurs während der Pandemie auch sehr vermisst. Online-Proben seien kein ausreichender Ersatz gewesen.

Instrument neu entdeckt

Zum ersten Mal beim Pfingstkurs dabei ist Susanne Vogel aus dem Landkreis Schweinfurt. „Für mich ist das wie ein Urlaub“, fasst sie die Kombination aus Vollverpflegung und Musizieren zusammen. Eigentlich spielt die Lehrerin bereits seit 41 Jahren Gitarre.

Allerdings habe sie das Instrument erst wieder neu entdeckt, als ihre Tochter 2018 mit dem Gitarrenspiel begann. Kolleginnen und Kollegen vom Mandolinen- und Gitarrenorchester der Naturfreunde Schweinfurt hätten ihr den Pfingstkurs empfohlen. „Ich lerne jeden Tag so viel dazu, die Unterstützung ist einfach grandios“, lobt sie das Angebot.

Solche Rückmeldungen freuen natürlich auch Organisatorin Petra Breitenbach. Sie leitet die Sing- und Musikschule Lohr, ist Musikleiterin im BDZ-Landesverband Bayern und stellvertretende Vorsitzende des Kuratoriums der Bayerischen Musikakademie Hammelburg. Mit der Einrichtung ist sie von Beginn an verbunden: „Ich war 1980 beim ersten Kurs im Haus dabei, während wir probten, haben die Handwerker noch aufgeräumt“, erinnert sich die 60-Jährige.

Publikum unberechenbarer

„Wir sind alle glücklich“, fasst Petra Breitenbach die Wiedersehensfreude nach der Pandemie zusammen. Aus ganz Bayern und sogar darüber hinaus würden die Mandolinen-, Gitarren- und Kontrabass-Spielerinnen und -Spieler nach Hammelburg kommen.

Allerdings hätten einige Vereine und Ensembles auch Nachwuchsprobleme, weil in der Pandemie doch der ein oder andere abgesprungen sei. Und: „Das Publikum ist bis jetzt noch etwas unberechenbarer, viele entscheiden sich kurzfristiger als früher.“ Trotzdem seien die Konzerte meist gut besucht.

„Die Musikerinnen und Musiker wollen wieder gemeinsam proben und gemeinsam auftreten“, berichtet Bernadette Roßberg, Verwaltungsleiterin der Bayerischen Musikakademie, und: „Die Angst ist endlich weg.“ Eigentlich sei die Einrichtung 2020 mit ehrgeizigen Zielen gestartet: Durch den Umbau wurde die Zahl der Betten von 112 auf 137 erhöht, mit Schlafsofas können sogar bis zu 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer untergebracht werden.

„Die Erweiterung war genau richtig“, sagt Roßberg. Das zeige sich bei Ausschreibungen wie dem internationalen Tuba-Forum: „Das war nicht mal richtig ausgeschrieben, da waren die 150 Plätze schon ausgebucht“, erzählt die Verwaltungsleiterin, und: „Die Teilnehmer kamen aus aller Herren Länder zu uns nach Hammelburg.“

128 ausländische Gäste kamen 2022 in die Musikakademie. Auf Platz 1 sind 29 Österreicher, gefolgt von zwölf Italienern und je neun Niederländern und US-Amerikanern. Aber auch Australien, Mexiko und Taiwan stehen in der Liste.  15.241 Übernachtungen zählte die Bayerische Musikakademie im vergangenen Jahr.

(Artikel ergänzt um Zahlen ergänzt)

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