Am liebsten spricht Dr. Stefan Bub – Schulleiter des Franz-Miltenberger-Gymnasiums – ohne Mikrofon. Der persönliche Bezug zu den Schülern ist ihm besonders wichtig. „An einem Gymnasium mit rund 300 Schülern ist das manchmal durchaus möglich“, sagt Bub.
Sowieso: In einer Welt der Selbstdarsteller ist ihm die „quiet quality“ – also die stille Qualität – wichtiger, betont der überzeugte Verfechter der kleinen Schule.
Ende Juli geht der 64-Jährige in den Ruhestand. Aber: „Ich bin noch voll im Alltag, da bin ich ganz pragmatisch.“ Die letzten Schulwochen seien erfahrungsgemäß voll mit Terminen und Gesprächen, da habe er keine Zeit gehabt, an Abschied zu denken.
In Bayern studiert
Der gebürtige Hesse wuchs in Fulda auf. Nach dem Abitur studierte er Deutsch und Französisch in Würzburg. Seine Seminarschule war in Passau, 1996 kehrte er in seine Heimatregion zurück. „In der Rhön habe ich mich schon immer zuhause gefühlt“, sagt er.
Seitdem unterrichtete er am Franz-Miltenberger-Gymnasium – zunächst als Stellvertreter, anschließend ab 1999/2000 als Schulleiter. „23 Jahre in dieser Position ist schon ungewöhnlich“, sagt Bub. Bereits ein Jahr zuvor habe er als Stellvertreter die Amtsgeschäfte geleitet, weil sein Vorgänger erkrankte.
Unsichere Zeiten
In dieser Zeit habe es einige Herausforderungen gegeben. Die Umstellung auf das achtjährige Gymnasium, die Rückkehr zum Neunjährigen und in den vergangenen Jahren die Coronapandemie, zählt er auf.
Dieses Jahr verlief hingegen wieder erstaunlich normal. „Für die Schule ist es ein günstiger Zeitpunkt“, sagt er zu seinem Abschied. Die Verantwortung legt er gerne in die Hände seines Nachfolgers und jetzigen Stellvertreters Studienrat Martin Steinel.
Weniger Schüler als früher
Die demografische Entwicklung spürt das kleine Gymnasium besonders an den Schülerzahlen. Allerdings: „Ich habe schon immer gesagt, dass Statistik bei so kleinen Zahlen hochkritisch ist.“ Daher könnten Abweichungen überinterpretiert werden. Erfreulich sei allemal, dass es für das kommende Schuljahr 50 Neuanmeldungen gibt.
Bub betont die Vorteile der kleinen Schule: Kurze Wege und individuellere Förderung und Betreuung. Auch während der Pandemie habe es aufgrund der guten Raumsituation recht gut funktioniert.
Keine großen Pläne
Auch als Lehrer, vor allem im Fach Französisch, verlässt er die Schule. Aber: „Ich kann gut loslassen“, ist er sich sicher. Froh ist er außerdem, wenn er im Ruhestand nicht mehr jeden Tag E-Mails lesen muss. „Das Hintergrundrauschen – auch während der Ferien – war immer da.“
Große Pläne hat er, der noch im Alltag steht, nicht. Aber Lesen und Reisen, alles Dinge, die in den vergangenen Jahrzehnten zu kurz kamen, stehen auf jeden Fall auf der Liste.
Erst bei der Abschiedsveranstaltung am Donnerstagvormittag in der Aula des Gymnasiums wird der Abschied thematisiert. „Bewusst ist es mir schon, aber es ist noch Arbeit zu erledigen“, sagt er zurückhaltend.
Nicht gerne im Mittelpunkt
Nach der Frage, was er sich denn zu seiner Verabschiedung wünsche, antwortete er vor einiger Zeit der Vorsitzenden des Elternbeirates, Michaela Queck, mit voller Inbrunst: „Ruhe.“ Lobhudeleien seien ihm nämlich tendenziell unangenehm.
Sein Nachfolger, Martin Steinel, der auf mittlerweile eineinhalb Jahren Zusammenarbeit zurückschauen kann, betont: „Auf Dr. Bub war immer Verlass, er war bescheiden und erlaubte anderen zu glänzen.“
Nie wütend
Neben Vertretern aus der Kommunalpolitik wie Bürgermeister Jochen Vogel (CSU), stellvertretende Landrätin Brigitte Meyerdierks, kamen alle Kolleginnen und Kollegen aus dem Landkreis zu seiner Verabschiedung. „Eine Ära geht zu Ende“, sagt Monika Zeyer-Müller, Ministerialbeauftragte der Regierung von Unterfranken.
Von den annähernd 100 Jahren, die das Franz-Miltenberger-Gymnasium bald auf dem Buckel habe, sei Bub eine Konstante in unsicheren und aufregenden Zeiten gewesen. Nie habe das Ministerium den Schulleiter aus Bad Brückenau aufgeregt oder pessimistisch erlebt, geschweige denn wütend – und das auch nicht in den schwierigen Zeiten der vergangenen Jahre.
Die Entscheidung, seine Tätigkeit zu beenden, sei wohlüberlegt gewesen. Der Übergang auf seinen Nachfolger sei gründlich vorbereitet.
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