Junge Fußballspieler aus Motten, Kothen und Speicherz kicken nun in einer ganz besonderen Liga – sie haben an Pfingsten ihr erstes internationales Fußballturnier mit durchschlagendem Erfolg gemeistert. Der eigentliche Gewinn liegt darin, dass grenzübergreifend Gemeinsamkeiten gefunden und gelebt werden, dem Abbau von Barrieren und Vorurteilen – ganz im Sinne von Turnier-Organisator Thorsten Sturm.
Der Kothener hatte ein drohendes Ende der deutsch-französischen Freundschaft mit der Partnerstadt Ranville befürchtet, denn seit der Gründung der „Jumelage“ 2004 und regelmäßig stattfindenden Austauschen nahmen im vergangenen Jahr nur noch zwei Mottener an dem Treffen in Ranville statt. Zudem war die Völkerverständigung unter der jüngeren Generation so gar kein Thema gewesen.
Sturm, der in Kothen am Beispiel der deutsch-englischen Freundschaft mit dem Fußballverein Bay Horse United, die im vergangenen Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiern konnte, ein ganz anderes positives Vorbild erlebt hatte, kombinierte eins und eins zusammen: „Ich mache das über den Sport.“ Der 47-Jährige organisierte ein internationales Fußballturnier in Ranville für Kinder zwischen neun und 13 Jahren – mit herausragendem Erfolg für alle Beteiligten.
Zunächst wurde der Vorschlag auf französischer Seite „belächelt“, doch Ende vergangenen Jahres erhielt Sturm einen Rückruf: Bürgermeister Jean-Luc Adélaide hatte mit seinem Stadtrat das Turnier genehmigt.
Fußball verbindet
Am verlängerten Pfingstwochenende trafen nun drei Fußballmannschaften aus Ranville, Motten und dem englischen Petworth, einer weiteren Partnerstadt von Ranville, zusammen. Thorsten Sturm war mit „einer Mannschaft, drei Betreuern, Fans und Cheerleadern“ in drei Kleinbussen nach Ranville gefahren.
Der Schwerpunkt lag auf „Spaß und Austausch“, der „Pfingstausflug“ sollte ganz im Zeichen des europäischen Gedankens stehen.
Mit Leichtigkeit ist dies den Kindern gelungen. „Beschnuppern“ war unnötig, denn „Fußball verbindet“. Die rudimentären Englisch- und Französischkenntnisse spielten keine Rolle, der Fußball aber sehr. Bei jeder Gelegenheit – ob nach dem Picknick, am Strand oder beim Warten auf den Einlass in die Schokoladenfabrik – wurde zusammen gekickt, erzählt Sturm. Am Pfingstsonntag fanden Hin- und Rückrunde statt. Im Spiel ging es schonungslos zur Sache, außerhalb hatten sich schon längst Freunde gefunden.
Auf welchem Platz landete Motten?
Die Mannschaft aus Ranville hatte alle ihre Spiele gewonnen und den ersten Platz verdient, Motten war auf Platz zwei, Petworth auf Platz drei, doch eigentlich war es ein Sieg auf ganzer Linie: Die deutsch-französische Jumelage wurde wieder gelebt, das partnerschaftliche Verhältnis zwischen Ranville und Petworth aufgewärmt, vorurteilsfrei wurden internationale Beziehungen geknüpft. Auch jüngere Familien sind auf den Geschmack gekommen, und Thorsten Sturm kann sich noch mehr vorstellen. Regelmäßige Turniere auch mit den Jugend- und Erwachsenenmannschaften an wechselnden Austragungsorten wären sein Wunsch… sehr wohl wissend, dass wieder viel Arbeit auf ihn zukommen würde. Der dreifache Familienvater, Fußballtrainer und Vorsitzender der Soldaten- und Kriegerkameradschaft hat einige Stunden seiner „Freizeit“ eingesetzt für Schulbefreiungen, Einholen von Unterschriften, Gestalten des Wimpels, Kauf von Pokalen, Übersetzungen und Planung. Zudem informierte er sich intensiv über die Möglichkeit, Förderanträge stellen zu können. Beim Deutsch-Französischen Jugendwerk (DFJW) und dem Bezirk Unterfranken wurde er fündig. Auch die DJK Kothen und der SC Motten leisteten Spenden.
Das Organisatorenteam in Ranville hatte seinen Gästen einen unvergesslichen Aufenthalt geboten, auch Vertreter der Stadt wohnten den Spielen begeistert bei. Für Thorsten Sturm ist der Erfolg dieses Turniers von enorm hoher Qualität und Bedeutung: „Austausch, Dialog, Vertrauen – der Sport ist ideal dafür“.











