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Junger Lehrer und Pensionistin
„Früher gab es keine Probleme mit Eltern“
Philipp Müller ist Grundschullehrer, Anneliese Albert war 41 Jahre lang an einer Grundschule tätig.
Philipp Müller ist Grundschullehrer, Anneliese Albert war 41 Jahre lang an einer Grundschule tätig. // Privatarchiv Philipp Müller/Riccarda Rascher
Landkreis Bad Kissingen – Der Lehreralltag, die Schüler und Eltern haben sich verändert. Ein junger Lehrer und eine Pensionistin aus dem Landkreis Bad Kissingen schildern ihre Erfahrungen aus dem Schulalltag.

Das neue Schuljahr hat begonnen. Das stellt nicht nur Schülerinnen und Schüler vor neue Herausforderungen. Auch die Lehrkräfte sind gefordert: Den Unterrichtsstoff vermitteln, Elterngespräche führen, Streit schlichten und die Kreativität der Kinder fördern – eine Lehrkraft muss viele Aufgaben stemmen.

Aus ihrem Berufsleben erzählen eine pensionierte Lehrerin aus Münnerstadt und ein frisch gebackener Lehrer, der in Riedenberg unterrichtet. Wie hat sich der Arbeitsalltag an Grundschulen wohl verändert?

Philipp Müller hat nach der Realschule eine Ausbildung zum Mechaniker gemacht und hat dann doch noch studiert: Grundschullehramt. Der 33-Jährige ist damit eine Ausnahme. Nur zwölf Prozent aller Grundschullehrer sind männlich, diagnostiziert die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Inzwischen hat er das Referendariat fertig und arbeitet an der Grundschule in Riedenberg.

Anneliese Albert war bis 2012 Grundschullehrerin. Die pensionierte Rektorin lebt und arbeitete in Münnerstadt, zusammen mit ihrem Ehemann Eugen Albert. Auch alle drei Kinder haben den Beruf ergriffen. Ihre größte Freude ist es, wenn sie ehemalige Schüler und Schülerinnen trifft und auch nach 30 Jahren noch mit ihrem Namen ansprechen kann.

Kontinuität und häufige Versetzungen

Nachdem Albert ihr Studium 1971 beendet hatte, war sie in verschiedenen Schulen in der Nähe von Würzburg im Einsatz. Nach zwei Jahren jedoch trat sie ihren Dienst in Münnerstadt an, wo sie 39 Jahre lang bleiben sollte, später war sie dort auch Konrektorin und Rektorin.

Ein anderes Bild zeichnet sich bei Müller ab: Er muss sehr flexibel sein, wird häufig versetzt und erst kurzfristig informiert. „Vor meiner Versetzung nach München hatte ich nur vier Wochen Zeit, um eine Wohnung zu finden“, berichtet Müller.

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Zwischen Tablet und Overheadprojektor

Als Albert in den 1970ern ihre Karriere begann, waren die Schulen nur mit Tafeln und Büchern ausgestattet. Sie erinnert sich daran, wie erst später Overheadprojektoren dazukamen.

Diese gelten mittlerweile als veraltet, in Müllers Klassen kommen Tablets zum Einsatz. Dadurch entstehen allerdings auch Probleme in der Grundschule: „Ich habe einmal als Projekt Referate halten lassen und mit Tablets in der Schule vorbereiten, dabei musste ich sehr viel technische Unterstützung leisten.“ Das Niveau der Kinder im Umgang mit der Technik sei sehr unterschiedlich. „Dadurch bleibt der Inhalt manchmal hintenan, weil ich vor allem technisch helfen muss, das ist natürlich schade.“ Für Recherchekompetenzen und Lernapps hält er die Technik hingegen für sinnvoll.

Auch die Kinder haben sich verändert

Die Digitalisierung habe auch Vorteile. Müller meint: „Kinder sind heute schon besser im Filtern von Informationen, sie können besser zwischen wichtig und unwichtig unterscheiden.“ Auch Albert erzählt von positiven Entwicklungen bei den Kindern: „Ich glaube, dass die Kinder insgesamt selbstständiger geworden sind.“

Trotzdem ist die Pensionistin der Meinung, dass die neue Art zu unterrichten mit vielen Gruppenarbeiten Nachteile hat und wieder mehr auf Frontalunterricht gesetzt werden sollte: „Da ist einfach der Bezug zur Lehrkraft mehr gegeben.“ Auch Diktate sollten wieder vermehrt durchgeführt werden. „Das ist wichtig, die Kinder brauchen die Wiederholung der richtigen Schreibweise.“

Umgang mit Eltern

Die Kommunikation mit den Eltern habe sich geändert, sie sei digital und rund um die Uhr. Etwas, das Philipp Müller belastet: „Ich habe strickte Zeiten, in denen ich erreichbar oder nicht erreichbar bin und versuche das dadurch zu lösen.“

In ihren Jahren als Lehrerin konnte auch Albert Veränderungen bei den Eltern feststellen: „Früher gab es keine Probleme mit Eltern. Heute wollen sie mehr mitreden und stellen Punkte und Noten infrage, vor allem in den Übertrittsklassen.“

Trotz technischen Neuerungen und veränderten Rahmenbedingungen, beweisen Müller und Albert, dass der Kern der Aufgaben einer Lehrkraft gleichgeblieben ist: Kinder beim Lernen begleiten und sie auf ihrem Weg unterstützen.

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