In der Nacht auf den 13. Juli 1943 brannte das Sägewerk Bernhardt in Bad Brückenau ab. Was die Flammen übrig ließen, kaufte Joseph Bott und baute es in seiner Mühle im Schondratal auf. Heute, mehr als 80 Jahre später, läuft die Säge noch immer. Am Pfingstmontag, 25. Mai, können Besucher sie in Aktion erleben: Schwenzers laden ab 10 Uhr zum Mühlenfest in die Michelsmühle in Münchau ein.
Im Mittelpunkt steht das Vollgatter mit Oberantrieb, eine Rarität, die in Deutschland ihresgleichen sucht. Die Maschine stammt vermutlich aus dem Jahr 1903. „Von diesem Typ wurden nur 100 Stück produziert", weiß Oliver Schwenzer. „Unsere ist die letzte funktionierende ihrer Art in Deutschland."
Ein Sondermodell
Das Besondere: Der Motor sitzt über den Sägeblättern, nicht darunter, so können keine Sägespäne auf ihn fallen. „Das Konzept hat sich letztendlich nicht durchgesetzt", erklärt Oliver Schwenzer. „Weil das hohe Gewicht zu hohen Materialkosten führte.“
Dass die Maschine heute noch läuft, verdankt sich jahrzehntelanger Pflege und dem Wissen, das in der Familie stets weitergegeben wurde: von Joseph Bott, der die Säge nach dem Brand erwarb, an seinen Sohn Robert, von diesem an seinen Schwiegersohn Oliver Schwenzer und von Oliver an seinen Sohn Julian.
Damit das Rad sich dreht
Das Vollgatter leistet 40 PS, 20 davon liefert das Wasserrad, 20 weitere ein Motor. Ob und wie viel damit gesägt werden kann, hängt von der Wassermenge ab, die der Mühlgraben führt. Der schlängelt sich vom Abzweig der Schondra unterhalb von Schmittrain durch Wiesen und Wald bis zur Mühle.
Dass das Wasser überhaupt fließt, ist keine Selbstverständlichkeit: Julian und Oliver Schwenzer haben den Graben freigeschnitten, Laub, Gras, Äste, alles, was den Zulauf blockiert hatte. „Es war eine größere Aktion. Es wächst immer wieder zu", sagt Julian Schwenzer. Regelmäßige Kontrolle und Pflegearbeiten gehören dazu, damit das Wasserrad sich zuverlässig drehen kann.
Eine Halle voller Raritäten
Ebenfalls beim Fest zu sehen ist das Horizontalgatter, das vermutlich um 1915 gebaut und bis in die 1950er Jahre betrieben wurde, sowie der Besäumer aus dem Jahr 1956, der bisher in der Lagerhalle neben dem Sägewerk stand und nun zu den anderen alten Geräten gestellt wurde.
Ein Besäumer schneidet Bretter und Bohlen auf eine gleichmäßige Breite und entfernt dabei die unregelmäßigen, oft noch rindenbehafteten Waldkanten, sodass saubere, gerade Längskanten entstehen. Künftig soll auch er wieder über die Welle angetrieben werden.
Zu sehen sind außerdem eine Hobelmaschine, alte Bohrmaschinen, eine alte Kreissäge und ein Abrichter, der Holzoberflächen und Kanten gerade und eben fräst, damit das Holz sich sauber weiterverarbeiten lässt. Alle Maschinen laufen mit Riemenantrieb. Das Mühlrad treibt die gesamte Technik an. 2020 wurde es erneuert, weil das alte, über 100 Jahre alte Rad vom Rost durchfressen war.
Alt und neu nebeneinander
Julian Schwenzer liebt die alte Technik. „Man kann sehen, wie alles funktioniert", sagt Julian Schwenzer. „Früher lief alles langsamer und gemütlicher ab." Doch er begnügt sich nicht damit, die Familientradition zu bewahren. Er führt sie fort. Als Vorsitzender des Vereins Sägewerk Michelsmühle hat er neben der historischen Anlage ein modernes, computergesteuertes Blockbandsägewerk eingerichtet. „Weil ich es unbedingt machen wollte", sagt er. Die Nachfrage hat ihm recht gegeben, mittlerweile hat er ein Nebengewerbe angemeldet.
Push-Nachrichten aus Ihrer Region
Seine Kunden sind über das Internet auf ihn aufmerksam geworden und kommen aus hunderten Kilometern Entfernung, um maßgenaue Balken und Bretter zuschneiden zu lassen. Manche bringen ihr eigenes Holz mit, andere greifen auf das Stammholz zurück, das Julian Schwenzer bei Forstverwaltungen der Region kauft.
Sondermaße für Blockhäuser, die Sanierung alter Anwesen oder Bastelarbeiten sind kein Problem. Mit den historischen Maschinen dagegen will er nicht produzieren. „Die sollen erhalten bleiben. Sie funktionieren, aber sie sollen nicht abgenutzt werden und kaputtgehen."
Der Uropa hätte geschimpft
Alte und neue Technik, dasselbe Handwerk, zwei Epochen nebeneinander in Münchau. Was der Uropa dazu gesagt hätte? „Zuerst hätte er geschimpft. Neues braucht es nicht. Doch dann wäre er sehr stolz und jeden Tag mit dabei", sind Julian und Oliver Schwenzer überzeugt.
Das Fest
Neben der Mühle warten am Festtag weitere Aussteller auf die Besucher: Brennholzproduktion, Forstmaschinen, ein Drechsler sowie Anbieter aus der Landschaftspflege, teilweise mit Vorführungen und Beratung. Alte Schlepper und historische Landmaschinen runden das Bild ab.
Im Festzelt gibt es Gegrilltes, Kaffee, Kuchen und Eis. Ab etwa 12.30 Uhr spielt die Musikkapelle des MSV Modlos. Eine Fotoausstellung zeigt die Geschichte der Mühle, und für Kinder stehen Spielgeräte der Forstverwaltung bereit.
Shuttle ab Schönderling
Die Michelsmühle ist nicht mit dem Auto erreichbar. Ein Shuttlebus fährt vom Festplatz in Schönderling, in diesem Jahr stehen zwei Busse zur Verfügung. Für die Fahrt wird ein kleiner Unkostenbeitrag erhoben. Wer kann, reist am besten zu Fuß oder mit dem Fahrrad an: Durch den Wald führt eine schöne Strecke direkt zur Mühle.

















