Eine Stunde reichte nicht - die Öffnung der Werberger Stube im Rahmen der Veranstaltung „1 Stunde Kultur“ wurde vom frühen Nachmittag bis in den frühen Abend angenommen. Gäste informierten sich über die Geschichte des zweimal abgesiedelten Ortes Werberg, dessen Dorfstelle – da im Truppenübungsplatz gelegen – nur einmal im Jahr besucht werden kann.
Das kleine Museum beheimatet seit 1987 viele von ehemaligen Werbergern gespendete Exponate, die an das Leben im einstigen Rhöndorf erinnern. Nicht nur die Bewohner selbst, auch viele Geschichtsinteressierte begutachteten den ersten „Erinnerungsraum“, die Wohnstube, den Raum mit den landschaftlichen Ausstellungsstücken und vor allem den zweiten „Erinnerungsraum“. Dieser war 2018 zu den drei Museumsräumen hinzugekommen und thematisiert die Zeit zwischen dem Zweiten Weltkrieg und der endgültigen Absiedlung 1966.
Ein umfassender Einblick
Ausstellungstafeln über die Dorfansichten von 1850 und 1957, der Neubesiedlung durch Kriegsvertriebene, die florierende Dorfentwicklung noch in den 1960er Jahren und die erneute Absiedlung gaben einen umfassenden Einblick in Werbergs Historie. Gerade in diesem Raum kam es zu vielen Gesprächen zwischen ehemaligen Dorfbewohnern, die als Kinder oder Jugendliche die Sorgen der Eltern rund um die Absiedlung und den Verlust der Heimat, und vor allem den Verlust des Zusammenhalts, miterlebt haben.
Die Verbindungen zu alten Freunden und Schulkameraden gibt es nicht mehr. Umso größer war die Freude, wenn man im Erinnerungsraum einen einstigen Weggefährten aus Werberg wiedertraf: „Genau so war es“, hörte man oft beim Anblick der Bilder des tief verschneiten Dorfes, des Schwimmbads oder der Klassenfotos.
Interessierte, die nicht in Werberg gelebt haben, informierten sich über die Geschichte des ehemaligen Dorfes, dessen letzte Häuser und Kirche 1973 durch die US-Armee gesprengt wurden. In einem von vier gezeigten Filmen wurde dies anschaulich, aber auch der Beginn der Erinnerungskultur, die in der Werberger Stube erhalten wird.
Schulküche und Bad
Jederzeit waren Reinhard Sturm und Richard Haydu, die Werberg selbst noch erlebt haben, als Museumsführer unterwegs und gaben Einblicke in die einstige Dorfkultur.
Interessant waren auch Erinnerungen der Gäste. So erfuhren die Organisatoren der Veranstaltung, dass in der heutigen Werberger Stube früher die Schulküche untergebracht war, und im neuen zweiten Erinnerungsraum befand sich einst ein öffentliches und kostenloses Gemeindebad, denn eine eigene Dusche gab es damals in vielen Privathaushalten noch nicht.











