Gemeinsam beten, singen, Kraft tanken und vor allem laufen. Am 20. August um 4 Uhr morgens wird am Würzburger Neumünster wieder die Wallfahrt zum Kreuzberg in der Rhön starten. 180 Kilometer müssen die Gläubigen wie jedes Jahr zurücklegen. Nicht immer gelingt das ohne Blasen an den Füßen.
Nachdem Präses Maximilian Bauer im vergangenen Jahr das Amt nach drei Jahrzehnten abgegeben hat, steht jetzt Pfarrer Andreas Kneitz von der Pfarreiengemeinschaft Leinach-Zell der Bruderschaft zum Heiligen Kreuz Würzburg vor. Der 40-Jährige, in Rimpar geboren, hat in Würzburg Theologie studiert und ist seit 2021 als Pfarrer im Landkreis Würzburg tätig. An seiner Seite bei der Wallfahrt: Barbara Schebler. Sie kommt aus Birkenfeld in Main-Spessart, läuft seit 1975 bei der Wallfahrt mit und ist seit 2012 Präfektin.
Bevor es Richtung Kreuzberg geht, berichten der neue Präses und die Vorbeterin, was sie an der Wallfahrt mögen, wie sie andere Menschen dafür begeistern und ob es den typischen Wallfahrer gibt.
Herr Pfarrer Kneitz, Sie begleiten zum ersten Mal als Präses die Würzburger Kreuzbergwallfahrt. Wie fühlen Sie sich dabei?
ANDREAS KNEITZ: Es ist mehr Arbeit als ich gedacht habe (lacht). Schön ist, dass ich seit mehr als 20 Jahren, die ich selbst bei der Wallfahrt mitgelaufen bin, weiß, wie die Abläufe sind. In dem Rundbrief an die Mitglieder der Bruderschaft habe ich geschrieben, dass das, was bisher für mich Tage der geistlichen Erneuerung waren, jetzt Tage der geistlichen Verantwortung sind. Ich stehe jetzt als Seelsorger und Ansprechpartner für die Menschen auf der Wallfahrt zur Verfügung. Meine Erfahrung ist: Das Wesentliche passiert zwischen den Zeilen.
180 Kilometer vom Neumünster in die Rhön auf den Kreuzberg und zurück - eine sportliche Herausforderung! Wie haben Sie sich vorbereitet?
KNEITZ: Das ist eine schlechte Frage (lacht), denn eigentlich bereite ich mich körperlich gar nicht darauf vor. Ich laufe einfach mit. Aber es scheint auch nicht unbedingt etwas damit zu tun zu haben, wie viel Sport man betreibt. Ich habe Sportler erlebt, die nach einem halben Tag nicht mehr konnten. Vielleicht hat der liebe Gott mir einfach die Gabe gegeben, dass ich gut laufen kann. Ich hatte auch noch nie eine Blase am Fuß.
BARBARA SCHEBLER: Ich kenne aber genügend Leute, die Blasen bekommen haben und dennoch tapfer weitergelaufen sind. Da habe ich echt Respekt vor. Als ich jünger war, habe ich mich auch nicht groß vorbereitet. Heute gehe ich immer wieder zum Walken und halte mich damit fit, zumal ich ja als Vorbeterin während des Laufens auch reden muss.
Schaffen denn die meisten Wallfahrerinnen und Wallfahrer die Strecke?
SCHEBLER: Die meisten. Aber niemand soll sich unter Druck gesetzt fühlen. Wenn es gar nicht mehr geht, stehen immer noch unsere Busse zur Verfügung, die uns begleiten.
Gibt es ein bestimmtes theologisches Thema, das Sie für die Wallfahrt vorbereitet haben?
KNEITZ: Das große Thema ist immer die Verehrung des Heiligen Kreuzes. Aber wie mein Vorgänger auch habe ich ein Über-Thema gewählt, das sich durch die Gottesdienste zieht. Da das Heilige Jahr 2025 das Motto „Pilger der Hoffnung“ trägt, habe ich dies aufgegriffen. Da spielen sowohl die Sorgen der Menschen um die Krisen in der Welt als auch individuelle Nöte oder Krankheiten eine Rolle. Es geht um die geistliche Erneuerung und Kraftquellen im Leben.
Vor zehn Jahren waren es noch 600 Pilgerinnen und Pilger. Inzwischen ist die Zahl auf rund 300 gesunken. Warum?
SCHEBLER: Es wird zwar viel auf Corona geschoben, aber hier hat es sicher seinen Anteil gehabt. Gerade ältere Leute, die dann zwei Jahre nicht mehr gelaufen sind, kamen nicht mehr dazu. Zudem wurde die Quartiersuche schwieriger, weil einige aufgehört haben.
KNEITZ: Auf der anderen Seite ist es vielleicht ein bisschen die Realität der Kirche, die hier ankommt. Es ist leider so, dass wir weniger Christen werden. Dieses Jahr kann es aber auch sein, dass wir wieder mehr Wallfahrer sind als vergangenes Jahr, waren es 283. Das wissen wir exakt erst am 20. August.
Gibt es den typischen Wallfahrer?
KNEITZ: Sicher gibt es viele Menschen, die aufgrund ihres Glaubens oder aus Tradition mitlaufen. Aber es gibt auch diejenigen, die nur einmal im Jahr Berührung mit der Kirche haben, und das ist bei der Wallfahrt. Gerne dürfen auch Anders- oder Nichtgläubige an der Wallfahrt teilnehmen. Wir nehmen alle mit. Das ist ja auch eine Chance für den Glauben.
Was bedeutet Ihnen persönlich die Kreuzbergwallfahrt?
SCHEBLER: Wenn die Wallfahrt beginnt, ist der Organisationsstress vorbei und ich bin nur noch Vorbeterin. Darauf kann ich mich dann voll einlassen. Es sind fünf Tage nur für mich, in denen ich mich um nichts anderes kümmern muss. Auch Nachrichten lese ich in diesen Tagen nicht.
KNEITZ: Für mich bedeutet die Wallfahrt, aus dem Alltag rausgenommen zu sein und von der Menge getragen zu werden. Wenn bei der Rückkehr in der Semmelstraße die Menschen gefragt werden, was das Tollste war, sagen sie oft: „die Gemeinschaft“.
Welche Veränderungen gibt es in den Abläufen der Wallfahrt, seit Sie im Amt sind?
KNEITZ: Es verändert sich ja nichts, weil ich plötzlich Präses bin, sondern weil es sich schon in den letzten Jahren abgezeichnet hat. Zum Beispiel werden wir die Eucharistische Prozession am Kreuzberg um das Kloster herum nicht mehr ausführen. Stattdessen setzen wir im Gottesdienst den Fokus auf das Heilige Kreuz.
Wie wollen Sie junge Menschen für die Wallfahrt begeistern?
KNEITZ: Bei einer meiner letzten Wallfahrten waren im vorderen Teil etwa zehn junge Leute mit dabei, die sich während der Wallfahrt als Gruppe gefunden haben und deshalb eine tolle Dynamik reingebracht haben. Ich würde gerne mehr junge Leute dafür interessieren. Das funktioniert für mich aber weniger über Werbekampagnen als mehr über persönliche Begegnungen.
Auf was freuen Sie sich am meisten?
SCHEBLER: Fünf Tage lang in Gottes freier Natur zu laufen und ganz besonders auf den Kreuzweg oben am Kreuzberg. Der ist wunderschön.
KNEITZ: Wenn man oben am Kreuzberg ankommt, „Großer Gott wir loben dich“ zu singen. Aber ich gebe auch ehrlich zu, dass das Kreuzbergbier am 21. August nach unserer Ankunft am besten schmeckt.
Was sagen Sie jemandem, der noch nie eine Wallfahrt gemacht hat: Warum sollte man‘s tun?
SCHEBLER: Damit Sie eine Auszeit genießen, beten, singen und den Kopf freikriegen können. Im Austausch mit Fremden können innige Freundschaften entstehen. Fünf Tage Auszeit für Körper und Seele - entweder Sie infizieren sich oder nicht!
KNEITZ: Dem ist wenig hinzuzufügen. Einfach darauf einlassen und nichts erwarten!















