Täglich packt Robin Wagner aus Westheim seinen schwarzen Rucksack und fährt damit nach Hammelburg ins Fitnessstudio. Beinahe 365 Tage im Jahr betreibt er dort eine Mischung aus Kraft- und Ausdauertraining. Der Besuch im Studio gehört für ihn zur Routine, wie für andere der Kaffee am Frühstückstisch.
Mit viel Disziplin und Ausdauer trainiert der 23-Jährige etwa drei Stunden pro Tag für den perfekt geformten Körper. Warum? „Weil ich leidenschaftlicher Natural Bodybuilder bin“, erklärt er. Robin Wagner stemmt Gewichte und führt Diäten. Er kämpft mit sich selbst – und das nicht nur körperlich.
Die Anfänge von Robin Wagner aus Westheim
Bodybuilding ist eine Sportart, die darauf abzielt, durch gezieltes Krafttraining und eine spezielle Ernährungsweise Muskelmasse aufzubauen und den Körper so perfekt zu formen, erklärt der Westheimer. Im Vordergrund stehe dabei nicht nur die Kraft, sondern auch eine ästhetische Erscheinung mit einem niedrigen Körperfettanteil und muskulösen Proportionen.
Hingearbeitet wird auf Wettkämpfe, bei denen sich die Sportler auf der Bühne präsentieren und von einer Jury bewertet werden. „Ich betreibe den Sport auf naturaler Ebene; bedeutet ohne den Einsatz von Medikamentenmissbrauch oder anderen illegalen Hilfsmitteln.“
Natural Bodybuilding ist eine Form des Bodybuildings, bei der die Muskeln lediglich durch natürliche Methoden, also ohne die Verwendung von leistungssteigernden Substanzen, aufgebaut werden. Die Sportler konzentrieren sich ausschließlich auf das optimale Verhältnis von Training, Ernährung und Regeneration, um so ihr genetisches Potenzial voll ausschöpfen zu können.
Im Unterschied dazu nutzen „normale“ Bodybuilder leistungssteigernde Substanzen, um mehr Muskeln bei sehr niedrigem Körperfettanteil aufbauen zu können – was auf natürlichem Wege so nicht erreichbar wäre.
Aktuell befindet sich der 23-Jährige wieder auf Diät, denn im August und Oktober stehen zwei, bestenfalls drei Wettkämpfe an. Dafür heißt es nun: Körperfett minimieren und gleichzeitig die Muskeln erhalten.
„Vor knapp zehn Jahren hatte ich stark mit Übergewicht zu kämpfen und habe deshalb mit dem Krafttraining gestartet“, erinnert sich Wagner an seine Anfänge. Direkt mit Bodybuilding habe er allerdings nicht begonnen. Eine lange Zeit sei er einfach in seiner Freizeit zum Training ins Fitnessstudio gegangen.
„Wie so viele habe ich gerade zu Beginn natürlich auch viel falsch gemacht, weil ich einfach noch keine Ahnung hatte“, erzählt er lachend. Aus dem übergewichtigen Jugendlichen von damals ist heute ein etwa 1,65 Meter großer Mann geworden. Seine Muskeln sind ihm schon von weitem anzusehen. Mit ihnen kam nach und nach dann auch die Faszination für das Thema Bodybuilding; der Weg zum professionellen Sportler war also schleichend. „Seit zwei Jahren arbeite ich jetzt aber schon mit einem Coach zusammen“, sagt Wagner.
Sind Bodybuilder Kontrollfreaks?
Dieser erstellt die Trainings- und Ernährungspläne, überprüft Gewicht sowie Muskelmasse und sorgt für die passende Regeneration. „Er ist quasi der Kopf hinter meinem Körper“, beschreibt der Westheimer. Denn: Bodybuilding ist mehr als das Essen von Hühnchen mit Reis. „Es ist ein 24/7 Sport. Der ganze Tag muss darauf abgestimmt sein“, verdeutlicht der 23-Jährige.
Sieben Mahlzeiten nimmt Wagner am Tag zu sich. Jede davon wird abgewogen und immer zur gleichen Uhrzeit gegessen. Doch damit noch nicht genug: Auch die Regeneration und der Sport sind genau auf die individuellen Ziele abgestimmt. „Du brauchst einfach deine Routinen, sonst bekommst du ganz schnell Probleme.“ Außerhalb der Diät – in der sogenannten Off-Season – könne das ein oder andere zwar etwas lockerer angegangen werden, eigentlich sollten die Sportler ihre Routinen aber auch in dieser Zeit einhalten.
Ob der 23-Jährige dadurch zum Kontrollfreak mutiert? Ja, wie er von sich selbst sagt – zumindest was seinen Sport angeht. „Gerade nach den Wettkämpfen ist es natürlich schwer, die Routinen loszulassen beziehungsweise sie etwas aufzuweichen“, sagt er. Und auch sich psychisch von der Top-Form – die bestenfalls am Wettkampftag erreicht wurde – zu verabschieden, sei nicht leicht. „Man sollte sich da einfach bewusst machen, dass es jetzt so sein muss. Der Körper braucht Zeit, um sich zu erholen.“
Doch nicht nur die Zeit nach den Wettkämpfen kann hart werden. Auch die Wochen davor sind an manchen Tagen ein Kampf. „Wenn man sich so lange in einer strikten Diät befindet, hat man irgendwann einfach keine Energie mehr“, weiß Wagner. Jeder Schritt wird schwer, jedes Gespräch strenge unfassbar an. Es gibt Tage, an denen fühle er sich dauerhaft lethargisch und müde. „Gerade gegen Ende fühlt es sich oft so an, als würde man in eine kleine Depression rutschen“, versucht der 23-Jährige die Zeit zu beschreiben.
Die Motivation hinter dem Hochleistungssport
Warum er all das trotzdem macht? „Ich war schon immer ein Mensch, der sich gerne seinen eigenen Kosmos geschaffen hat, in den er versinken kann.“ Die verschiedenen Körpertypen und der Weg jedes einzelnen Athleten faszinieren ihn. Auch das Training und die strikte Ernährung machen ihm einfach Spaß. „Selbst wenn mir die meisten das nicht abkaufen. Es gefällt mir einfach.“ Am Ende gehe es schließlich nicht nur um die Muskeln, sondern um den Weg dahin. Mental durchzuhalten, sei oft noch wichtiger als der Sport selbst.
Denn: Bodybuilding fordere eine Menge Disziplin und harte Arbeit, die Sportler müssen leiden und verzichten können. Und genau das habe dem 23-Jährigen schon jetzt viel für sein weiteres Leben gelehrt. „Auch im echten Leben brauchst du Durchhaltevermögen. Es gibt immer mal schlechte Zeiten, durch die man sich einfach durchbeißen muss.“ Robin Wagner weiß jetzt: Man sollte niemals aufgeben, auch wenn es mal hart wird. „Wir können immer mehr schaffen, als der Kopf uns vorgibt“, betont er.
Wie er es meistert, nicht aufzugeben? Immer an das Ziel und die bisherigen Erfolge in der Vergangenheit denken. Denn entgegen aller Erwartung hat auch der Bodybuilder Tage, an denen die Lust auf Training eher gering ist. „Es ist aber so in meinen Tagesablauf integriert, dass ich es dann einfach nicht weiter hinterfrage. Es gehört für mich dazu, wie Zähneputzen.“ All das gebe ihm den Mut und die Kraft, immer weiterzumachen.
Bodybuilding – ein teurer Sport
Langweilig wird dem 23-Jährigen auf alle Fälle nicht. Neben der Arbeit als Zerspanungsmechaniker und den vielen Trainingsstunden ist der 23-Jährige nämlich an den Wochenenden auch noch als Servicekraft im Fitnessstudio angestellt. Warum er das zusätzlich macht? Um sich den Bodybuilding-Sport leisten zu können. „Alleine in diesem Jahr werde ich wahrscheinlich an die 1000 Euro für meine Wettkämpfe ausgeben müssen.“
Gemeint sind damit aber lediglich die Anmeldegebühren, Hotelkosten und Anfahrt – Nahrungsergänzungsmittel, das Essen und die Ausrüstung kommen noch extra hinzu. Investieren tut der Westheimer das viele Geld aber gerne. „Das Gefühl auf der Bühne ist einfach unbeschreiblich. In dem Moment merkt man dann, dass sich die ganze Arbeit und Mühe gelohnt hat.“
„Der Sport gibt dir immer genau das zurück, was du investiert.“
Für Robin Wagner ist das Bodybuilding zu einem Hobby, mehr noch zu einer Leidenschaft geworden, trotzdem ist ihm auch die Gefahr hinter seinem Sport bewusst. Körperliche oder hormonelle Schäden, Ess- und Zwangsstörungen sind nur ein Teil davon. „Jeder Hochleistungssport ist ungesund, das ist nicht nur beim Bodybuilding so“, entgegnet Wagner.
Wie alle anderen Sportler nehme er die Folgen in Kauf, meint aber auch: „Man muss sich das vorher gut überlegen und sich den Risiken und gesundheitlichen Folgen bewusst sein“, mahnt er, denn auch für ihn gibt es Grenzen. „Mit Doping ist das natürlich noch mal etwas anderes, da können die Folgen viel gravierender sein.“ Wie lange der 23-Jährige diesen Sport machen möchte, kann er nicht sagen. „Es kann im Leben natürlich immer etwas dazwischen kommen, das weiß man ja nie.“ Doch eines ist für ihn klar: „Der Sport gibt dir immer genau das zurück, was du investiert.“



















