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Blickwinkel aus Bad Kissingen
Was drei Fachleute zum Förderstopp für Solaranlagen sagen
Solaranlage
Wird für neue Photovoltaik-Anlagen die Förderung abgeschafft? // Marijan Murat/dpa
Landkreis Bad Kissingen – Wirtschaftsministerin Reiche plant Änderungen in der Energiepolitik. Unter anderem steht die Einspeisevergütung für neue, private Photovoltaik-Anlagen auf der Kippe. Drei Meinungen aus dem Landkreis.

Die Pläne von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU), eine Neuausrichtung in der Energiepolitik zu wagen, sorgen für Diskussionsstoff.

Besonders, dass die garantierte Einspeisevergütung für neue, private Photovoltaikanlagen auf der Kippe steht, ist umstritten. Die Redaktion hat sich unter Fachleuten aus dem Landkreis Bad Kissingen dazu umgehört.

1. Andreas Miller (55), Energieberater aus Münnerstadt

Andreas Miller
Andreas Miller (55), Energieberater aus Münnerstadt // Simon Snaschel (Archiv)

„Das Energieeinspeisegesetz ist immer noch der Erfolgsgarant der erneuerbaren Energien und insbesondere der PV-Kleinanlagen. Die genossenschaftlichen als auch privaten Anlagen bestritten in den letzten 25 Jahren einen Großteil des Photovoltaik-Zubaus mit privatem Kapital und sind damit entscheidender Akteur der Energiewende. Sobald keine Einspeisevergütung mehr erfolgen sollte, werden nur noch kleinste private Anlagen zugebaut.

Dieser Wirtschaftszweig mit vielen Arbeitsplätzen und Zukunftsperspektiven wird schrumpfen. Die aktuellen Vergütungen sorgen weiterhin für große private Investitionen mit dem Ziel der beschleunigten Energiewende. Wir brauchen 100 Prozent ‚Friedens-Energien‘, um die Klimakrise als auch die kriegerischen Abhängigkeiten zu minimieren. Die Wirtschaftsministerin sollte sich verstärkt um regionalen Netzausbau und Speicherförderungen bemühen, um die Wirtschaft nachhaltig anzukurbeln.“

2. Thomas Schoenwald (51), Abteilungsleiter für Baurecht und Umwelt am Landratsamt Bad Kissingen

Thomas Schoenwald
Thomas Schoenwald // Simon Snaschel (Archiv)

„Die Energiewende besteht aus zahlreichen Facetten, sodass die Veränderung an einzelnen Stellschrauben gar nicht gesondert bewertet werden kann. Grundproblem sind die fehlenden Einspeisemöglichkeiten und die häufige Netzüberlastung. Auch muss die Bezahlbarkeit der Energiewende in den Fokus gerückt werden, weil sonst der Strompreis immer weiter steigt. Deshalb erscheint es nachvollziehbar, bei privaten Haushalten die Zielrichtung einer PV-Anlage im Eigenverbrauch – kombiniert mit einem Speicher – zu sehen.“

3. Hans-Josef Fell (73), ehemaliger Bundestagsabgeordneter der Grünen aus Hammelburg

Hans-Josef Fell (73), ehemaliger Bundestagsabgeordneter der Grünen aus Hammelburg
Hans-Josef Fell (73), ehemaliger Bundestagsabgeordneter der Grünen aus Hammelburg // René Ruprecht (Archiv)

„Grundsätzlich halte ich es für richtig, die Energiepolitik immer wieder zu überdenken. Aber in einer ganz anderen Richtung, als es jetzt gemacht wird. Wir brauchen eine massive Beschleunigung im Ausbau der Erneuerbaren, kein Bremsen. Der Klimaschutz wird immer dringlicher, auch die Abhängigkeit von autokratischen fossilen Energien darf so nicht weitergehen. Und vor allem brauchen wir endlich billigere Energien. Das können aus meiner Erfahrung nur die Erneuerbaren mit Speichern liefern.

Die einfache Streichung der festen Einspeisevergütung für PV-Dachanlagen wäre ein massives Bremsen der Energiewende. Die Solar-Dachanlage liefert billigen Strom für die Eigenversorgung, billiger als aus dem Netz, insofern muss die Eigenversorgung einfach weiterlaufen. Die Einspeisung von Solarstrom vom Dach kann und muss ja auch helfen, das Gesamtsystem schneller auf erneuerbare Energien umzustellen. Als Anreiz für die Dachbesitzer braucht es dafür diese Vergütung.

Sie pauschal abzuschaffen, wäre verheerend. Ich gebe Frau Reiche in dem Punkt recht, dass die PV-Anlagen künftig auch netzdienlicher einspeisen sollen. Das kann und muss man mit entsprechender systemdienlicher Einspeisevergütung, am Anfang parallel zur festen Vergütung, behutsam einführen, um so einen Marktzusammenbruch zu verhindern. Wichtig ist, dass wir politische Botschaften ernst nehmen. So wie sie jetzt von der Regierung gesendet werden, werden Leute verunsichert und Handwerker verlieren Aufträge.“

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