Das Amt des zweiten Bürgermeister-Stellvertreters muss etwas Magisches an sich haben. Etwas so Betörendes, dass sich gleich drei Kandidaten in der konstituierenden Sitzung des Bad Brückenauer Stadtrates drum rangelten. Die Lösung war eher konservativ.
In der Vergangenheit hatte es durchaus ein Hauen und Stechen um die Stellvertretung des jeweiligen Bürgermeisters oder der Bürgermeisterin gegeben – meist zwischen den beiden stärksten Fraktionen CSU und PWG.
Eindeutiges Ergebnis für Heike Kötzner
Dieses Mal ließ sich die Stellvertreterwahl entspannt an. CSU-Stimmenkönigin Heike Kötzner aus Volkers wurde als einzige vorgeschlagene Kandidatin mit 16:2 Stimmen zur 2. Bürgermeisterin gewählt (bei einer ungültigen Stimme).
Allerdings tauchte auch Dirk Stumpe (Volinare) zweimal auf einem Stimmzettel auf. Ein Vorbote dessen, was sich wenig später bei der Wahl des zweiten Stellvertreters von Stadtchef Jan Marberg (SPD) abspielen sollte.
Nicht vereidigter Stadtrat als Kandidat
Da warf zunächst Claudio Kleinhans (PWG) den Hut seines Fraktionskollegen Stefan Richter in den Ring. Seine Wahl wäre ein Novum für Bad Brückenau gewesen. Der 63-Jährige Vater von zwei erwachsenen Kindern war als einziger der zehn neuen Stadträte verhindert, konnte also nicht vereidigt. Wählbar sei er trotzdem, versicherte Verwaltungsleiter Michael Worschech.
Aber auch der bisherige 3. Bürgermeister Heribert Übelacker (CSU) meldete Ansprüche an. Er habe das Amt die letzten Jahre ausgeführt, sei eingearbeitet und als Seniorenbeauftragter und Standesbeamter etabliert.
Stumpe erklärt Verzicht
AfD‑Neustadtrat Non Staub schlug als dritten Kandidaten Dirk Stumpe vor. Er sei charakterlich geradeaus und man könne gut mit ihm zusammenarbeiten.
Stumpe sah darin, dass der Stadtrat bei den vergangenen beiden Kommunalwahlen fast komplett ausgetauscht worden sei, einen Auftrag: „Die Wähler wollen, dass wir alte Kleider wegwerfen und die Stadt neu einkleiden.“ Er habe bewusst auf eine Kandidatur für das Amt des 2. Bürgermeisters verzichtet.
SPD unterstützt Richter
Daraufhin sah sich auch David Fronczek (SPD) als Sprecher der mit vier Sitzen nach der CSU zweitstärksten Fraktion bemüßigt, einige Worte zu sprechen. Er hätte sich auf eine Aufgabe als Bürgermeister-Stellvertreter gefreut. „Ich sehe aber, dass uns in Bad Brückenau beim Bauen der Schuh drückt.“ Deswegen unterstütze die SPD die Kandidatur von Stefan Richter.
Dieser erhielt bei der anschließenden Wahl mit acht die meisten Stimmen. Sieben Voten entfielen auf Heribert Übelacker, vier auf Dirk Stumpe.
Stichwahl bringt knappes Ergebnis
Um gewählt zu sein, hätte allerdings einer der Kandidaten mehr als 50 Prozent der Stimmen, also zehn oder mehr, auf sich vereinen müssen. So ging es in die Stichwahl zwischen Richter und Übelacker.
In dieser triumphierte CSU‑Mann Übelacker. Er erhielt zehn Stimmen, Richter acht. Ein Stimmzettel war ungültig.
Übelacker nahm die Wahl an. Damit vereint die CSU beide Stellvertreterposten auf sich. Neben ihm wurde Heike Kötzner zur Standesbeamtin bestellt.
Ausschuss mit sieben Mitgliedern
Zur Ausarbeitung der neuen Geschäftsordnung des Stadtrates wird ein Geschäftsordnungsausschuss mit sieben Mitgliedern gegründet. Ihm gehören an: Heribert Übelacker, Dieter Seban (beide CSU), David Fronczek (SPD), Alisa Knüttel (PWG), Lukas Dill (Grüne), Michael Berger (Volinare), Steffen Becker (AfD).
Weiterhin waren die Posten der Referenten zu vergeben. Sie wurden wie folgt besetzt:
Kultur: Karin Ott (CSU)
Familie, Soziales und Integration: Florian Wildenauer (SPD)
Jugend: Peter Sperl (SPD)
Marketing und Tourismus: Tanja Kirchner (Stellvertreter: Dirk Stumpe)
Natur und Umwelt, Stadtwald: Eva Reichert-Nelkenstock (Grüne)
Gesundheitswesen: Michael Berger
Bauen, Stadt- und Verkehrsplanung: Stefan Richter, Alisa Knüttel (beide PWG), Lukas Dill (Grüne), alle gleichberechtigt
Senioren und Menschen mit Handicap: Heribert Übelacker (CSU)
Einzelhandel und Gastronomie: Monika Wiesner (CSU)
Digitales und Wirtschaftsentwicklung: Chris Nagy (CSU)
Feuerwehr, Zivil- und Katastrophenschutz: Sven Wiesener (CSU), Claudio Kleinhans (PWG), gleichberechtigt
Schule, Kindergärten und Spielplätze: Sven Wiesner (CSU)
Sport: David Fronczek (SPD)
Vereine: Peter Sperl (SPD)
Die Fraktionssprecher: CSU: Monika Wiesner (Stellvertreter Heribert Übelacker); SPD: Tanja Kirchner (Peter Sperl); PWG: Claudio Kleinhans (Alisa Knüttel); Grüne: Eva Reichert-Nelkenstock (Lukas Dill); Volinare: Dirk Stumpe (Michael Berger); AfD: Non Staub (Steffen Becker).













