Interessant, womit sich Bürgermeisterkandidaten so beschäftigen, während ihre Wähler zur Urne schreiten. Dirk Stumpe (PWG) joggte am Wahlsonntag von Bad Brückenau nach Rupboden; Heribert Übelacker (CSU) cruiste nach der Motorradsegnung durch den Altlandkreis. Und Jan Marberg (SPD) versuchte gar, die Himmelsleiter nahe der Stadt im Eiltempo zu erklimmen. Er scheiterte. Bei der Wahl schnitt er aber besser ab.
Der 35-Jährige war derjenige Kandidat, der in allen sieben von neun Wahlbezirken verlässlich punktete. Auch lag der SPD-ler beinahe überall mit mehr als 40 Prozent vorn, außer in Stadtmitte-Stadtwerke, das weite Teile der Kernstadt abdeckt. Dort verbuchte Dirk Stumpe mit 43,89 Prozent der Stimmen einen gewissen Lokalmatador-Bonus; Marberg folgte dahinter (39,6 Prozent). Auch im Staatsbad/Wernarz, wo er aufgewachsen war, war Stumpe stark, lag dort mit 42,28 Prozent mit Marberg gleichauf.
Ganz klar entschied Letzterer hingegen den Wahlbezirk Stadtmitte-Georgi-Kurhalle für sich (41,38). Damit vereinte der SPD-Kandidat auch viele Stimmen aus dem Kurstift und dem Haus Waldenfels auf sich. In diesem Wahlbezirk verbuchte Heribert Übelacker das für ihn zweitbeste Ergebnis (25,17).
Schlechtes Ergebnis wegen Äußerungen zu Gewerbegebiet?
Einen ähnlichen „Heimvorteil" wie Stumpe in der Kernstadt konnte Heribert Übelacker für sich in Volkers nutzen, wo er lange gewohnt hatte und nun 35,68 Prozent der Stimmen erreichte. Auch dort siegte aber Marberg, der bekanntlich beim TSV Fußball gespielt hatte (45,54). Dirk Stumpe erreichte im höchstgelegenen Stadtteil sein schlechtestes Ergebnis (18,78). Über Gründe dafür lässt sich spekulieren. Möglicherweise gefielen den Volkersern Stumpes Aussagen über ein mögliches Gewerbegebiet auf und neben dem Rothkegel-Areal nicht besonders.
Die Briefwahlbezirke gingen komplett an Jan Marberg, gefolgt von Dirk Stumpe und Heribert Übelacker. Wobei Wahlleiter Michael Worschech für Briefwahlbezirk I einen Fehler einräumen musste. 30 Stimmen wurden dort bei der Auszählung irrtümlich Stumpe zugeordnet, die eigentlich hätten Marberg zugesprochen werden müssen. Beim Abgleich der Ergebnisse kam der Fauxpas schnell ans Licht.
Das Gesamtergebnis beeinflusst dieser Fehler laut Worschech aber nicht. Die aktuellen Prozentzahlen lauten nun: Jan Marberg: 43,31 Prozent, Dirk Stumpe: 34,63 Prozent, Heribert Übelacker: 22,09 Prozent. Das offizielle Endergebnis beschließt der Wahlausschuss an diesem Dienstag, ab 16.30 Uhr, in einer öffentlichen Sitzung im Rathaus. Stand jetzt waren von den 2754 abgegebenen Stimmen 2743 gültig und nur elf ungültig.
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