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Interview schlägt Wellen
„Wir Bauern haben gemacht, investiert, riskiert.“
Nach der Kundgebung am Marktplatz ging es auf in Richtung Schweinfurt.
Nach der Kundgebung am Marktplatz ging es auf in Richtung Schweinfurt. // Milena Meder
Hammelburg – Grünen-Politiker Hans-Josef Fell äußerte in einem Interview, dass die Landwirte mitverantwortlich für das aktuelle Dilemma seien. Bei den Bauern stößt das auf Unverständnis: Mit einer weiteren Demo wehren sie sich gegen die Vorwürfe.

Was die einen Befürworten, stößt bei anderen auf Unverständnis: Grünen-Politiker und früherer Bundestagsabgeordneter Hans-Josef Fell äußerte in einem Interview zu den Protesten der Landwirte, dass vor allem der Bauernverband und über 90 Prozent der Bauern Chancen, die eröffnet wurden, um vom Erdöldiesel wegzukommen, nicht ergriffen hätten. Sie seien in gewissem Maße mitverantwortlich für das aktuelle Dilemma. 

Bei den Landwirten sorgt das für Verständnislosigkeit. Am Donnerstagabend wehrten sie sich deshalb mit einer erneuten Demo am Hammelburger Marktplatz gegen die Vorwürfe. „Wir sind hier, weil sich die Lage für uns nicht unbedingt gebessert hat“, begrüßt Versammlungsleiter Alfred Greubel die Menschen in der Innenstadt.

Verwaltungsleiter Alfred Greubel (links), Thomas Wolf und Edgar Thomas, Kreisvorsitzender im Bayerischen Bauernverband, appellierten an  die Teilnehmer auf dem Marktplatz.
Verwaltungsleiter Alfred Greubel (links), Thomas Wolf und Edgar Thomas, Kreisvorsitzender im Bayerischen Bauernverband, appellierten an die Teilnehmer auf dem Marktplatz. // Milena Meder

500 Traktoren auf der Demo in Hammelburg

500 Traktoren und 1000 Teilnehmer waren angekündigt. Wie viele es am Ende des Tages genau waren, lässt sich nur schwer sagen. Fakt ist aber: An ein Durchkommen in Richtung Lagerberg war am Ende des Abends für kurze Zeit nicht mehr zu denken.

Bereits um 16.30 Uhr verlangsamten die ersten Landwirte mit ihren Traktoren und Transportern den Straßenverkehr in und um Hammelburg herum. Die eigentliche Kundgebung startete dann um 18 Uhr direkt am Marktplatz. „Die Zeit ist vorbei, in welcher Protest nur im Kopf stattfindet“, verkündet Greubel. 

Noch vor der eigentlichen Kundgebung am Marktplatz waren die Traktoren in der Innenstadt unterwegs.
Noch vor der eigentlichen Kundgebung am Marktplatz waren die Traktoren in der Innenstadt unterwegs. // Milena Meder

Er rechnet vor: 40.000 Liter Diesel würden ungefähr 8000 Euro Steuerrückerstattung bedeuten. „Mit diesen 8000 Euro kann ich vier Monate lang einen Melker beschäftigen und dann sagt Herr Fell, das ist Popanz. Das ist eine Frechheit.“ Auch die Aussage, Landwirte seien ebenfalls klimaschädliche Täter, weist der Versammlungsleiter klar von sich. „Das ist kein Tropfen auf den heißen Stein mehr, das haut den Boden unter dem Fass raus.“

Auch die Ampelparteien müssen Kritik einstecken

Doch nicht nur Fell, auch die Regierenden der Ampelparteien in Berlin mussten Kritik einstecken. „Im Moment laufen die Bauern der Gesellschaft davon und die laufen nicht nur, die rennen schon“, sagt Greubel. Er ist der Meinung, dass das Vertrauen in die Regierung mittlerweile nicht mehr vorhanden sei, da bereits zu viel „verbrannte Erde“ hinterlassen wurde. Bei einem ist sich der Versammlungsleiter allerdings sicher: „Wir grenzen uns ganz klar von Radikalität ab.“ 

Die Kritik richtetet sich klar in Richtung der Ampelparteien in Berlin.
Die Kritik richtetet sich klar in Richtung der Ampelparteien in Berlin. // Milena Meder

Auch Edgar Thomas, Kreisvorsitzender im Bayerischen Bauernverband, geht auf die Vorwürfe von Fell ein: „Bereits vor knapp 20 Jahren haben die Bauern bei uns den ersten Versuch mit Biodiesel gestartet.“ Es sei erkämpft worden, dass wenigstens auf stillzulegenden Flächen nachwachsende Rohstoffe erzeugt werden durften. Man habe schließlich gemeinschaftlich in eine große Ölmühle im Straubinger Hafen investiert, wo pro Jahr die gesamte Rapsernte Bayerns hätte verarbeitet werden können. 

Große Mengen Geld investiert

"Bauern sind keine klimaschädigenden Täter", sagt Verwaltungsleiter Alfred Greubel.
"Bauern sind keine klimaschädigenden Täter", sagt Verwaltungsleiter Alfred Greubel. // Milena Meder

„Auch hier vor Ort wurden Rapsdieseltankstellen gebaut, in Tankzüge investiert, Speditionen, Landwirte und Tankstellen mit Biodiesel beliefert.“ Eine Grundlage dafür sei gewesen, dass Biodiesel nicht besteuert wurde, um gegen Mineralöldiesel konkurrenzfähig zu sein.

„Viele haben eine große Menge Geld investiert und das nie wiedergesehen“, sagt Thomas. Denn: Nachdem die Regierung wenig später die Besteuerung von reinem Biodiesel beschlossen hat und „als angebliche Kompensation ein Beimischungszwang von Biodiesel in Mineralöldiesel“ eingeführt wurde, gelang der Biodiesel wieder in den Geschäftsbereich globaler Konzerne. Die Campa Biodiesel musste schließlich, nach langen Protesten der Landwirte, insolvent gehen. 

Unzählige Botschaften richteten die Bauern an die Regierung in Berlin.
Unzählige Botschaften richteten die Bauern an die Regierung in Berlin. // Milena Meder

„Wir könnten viel weiter sein“, meint der Kreisobmann. Allgemein würden die Landwirte für regionale und klimafreundliche Kreisläufe stehen, doch die Politik müsse auch die Rahmenbedingungen dafür schaffen. „Wir stehen jeden früh auf, krempeln unsere Ärmel hinter und arbeiten für dieses Land“ und „Wir glauben daran, dass es Veränderung gibt und da müssen wir dranbleiben“, appelliert er abschließend. 

Friedlicher Versammlungsverlauf in Hammelburg

Nach der Kundgebung am Marktplatz machten sich die Teilnehmer mit ihren Fahrzeugen auf in Richtung Lagerberg, kehrten dort um und fuhren los in Richtung Schweinfurt. 

Nach der Veranstaltung kam es vor allem in Richtung Lagerberg zu langen Schlangen.
Nach der Veranstaltung kam es vor allem in Richtung Lagerberg zu langen Schlangen. // Milena Meder

Die gesamte Kundgebung begleitet hat, mit Unterstützung aus Bad Kissingen, Schweinfurt und Bad Brückenau, auch die Hammelburger Polizei. Ganz ohne Beeinträchtigungen gehen solche Demonstrationen nicht, erklärt Oliver Mehler, Dienststellenleiter in Hammelburg. „Wir versuchen allerdings, dass es so wenig wie möglich ist.“ Neben der Regelung des Straßenverkehrs haben die Einsatzkräfte auch die Kundgebung am Marktplatz und die Weiterfahrt nach Schweinfurt begleitet. „Wir unterstützen und schauen, dass alles koordiniert abläuft“, erklärt er. 

Einsatzleiterin des Abends war seine Kollegin Stefanie Gößwein, ebenfalls von der Polizeiinspektion Hammelburg. Sie fasst zusammen: „Wir hatten einen sehr friedlichen Versammlungsverlauf, ohne weitere Störungen.“ Gezählt haben die Polizisten rund 300 Traktoren mit rund 500 Personen, die genaue Zahl sei allerdings schwer zu ermitteln. „Auch der Verkehr ist relativ flüssig gelaufen und es kam nicht zu größeren Rückstaus.“ Auch Beschwerden aus der Bevölkerung habe es keine gegeben. 

Knapp 300 Traktoren versammelten sich zur Demo in Hammelburg.
Knapp 300 Traktoren versammelten sich zur Demo in Hammelburg. // Milena Meder

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