Nachdem rund 200 Bäuerinnen und Bauern mit Steinen vor dem Wahlkreis-Büro der Grünen-Bundestagsabgeordneten Manuela Rottmann in Hammelburg protestiert haben, hat sich Joachim Rukwied, der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), von „Aktionen mit persönlichen Anfeindungen oder gar Bedrohungen“ distanziert. Sie seien „vollkommen inakzeptabel“, schreibt der Bauernverband im Kurznachrichtendienst X (früher Twitter). Rukwied habe sich nach Bekanntwerden der Aktion bei ihr gemeldet und die Vorkommnisse vor dem Büro verurteilt, sagte Rottmann. Sie sei dankbar für dieses Zeichen. Auf Nachfrage dieser Redaktion verschickte die Pressestelle des Bauernverbands ein Statement des Präsidenten, in dem dieser zwar nicht konkret auf Hammelburg eingeht, aber grundsätzlich Klartext spricht.
Sympathie nicht verspielen
„Wir sind überzeugte Demokraten und setzen uns auf politischer Ebene für die Anliegen der Bauern ein“, schreibt Joachim Rukwied. Landwirtinnen und Landwirte erlebten gerade einen „großartigen Rückhalt und viel Verständnis von Seiten der Bevölkerung“. Diese Sympathie wolle man auf gar keinen Fall verspielen. Bei X heißt es weiter: „Beleidigungen, persönliche Angriffe und Drohungen sind vollkommen inakzeptabel.“
Beim Bauernverband legt man auch Wert auf die Feststellung, dass man die Proteste am Montagabend nicht organisiert hat. Die Verantwortung liege bei der Initiative „Land schafft Verbindung“. Deren Vertreter Thomas Wolf, der die Demo in Hammelburg mitveranstaltet hat, betont derweil in einem Schreiben, das bei Facebook geteilt wurde, man bedauere es, dass Rottmann die „friedliche Botschaft“ der Aktion nicht verstanden habe. Die Steine seien nur symbolisch abgelegt worden, um auf die Sorgen und Nöte der Landwirte hinzuweisen. „Wir Landwirte sind ehrliche, friedliche Menschen.“ Die Steine als Wurfgeschosse zu verwenden, sei nicht die Absicht gewesen.
Für Manuela Rottmann haben Steine im politischen Diskurs nichts verloren. Es sei ja gut, dass nichts Schlimmes passiert ist, sagt die Grünen-Politikerin. Angesichts der Wut vieler Bäuerinnen und Bauern und der Anwesenheit sogenannter Querdenker sei dies aber alles andere als sicher gewesen. Die Stimmung habe jederzeit umkippen können.
Den Forderungen geschadet
Rottmann ist überzeugt, dass die Demonstrierenden mit dieser Aktion ihren eigenen Forderungen geschadet haben. Sie vergleicht das Verhalten der Landwirte von „Land schafft Verbindung“ mit den Aktionen von Klimaaktivisten, die sich auf der Straße festkleben, um die Politik für mehr Engagement in Sachen Klimaschutz zu motivieren: „Hier wie dort verschwindet ein berechtigtes Anliegen hinter der Debatte um die Protestform.“
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