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Aufgaben erklärt
Warum fast niemand die Energie GmbH kennt
Wind- und Solarenergie
Die Energie GmbH des Landkreises hat das Ziel, die Erneuerbaren Energien auszubauen und dabei vor allem die Interessen der Kommunen zu berücksichtigen. // Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Landkreis Bad Kissingen – Obwohl es die Energie GmbH des Landkreises mittlerweile schon fast ein halbes Jahr gibt, stellt Geschäftsführer René Gerner fest: „Viele wissen überhaupt nicht, was das ist.“ Ein Interview.

18 Kommunen in der Region Bad Kissingen haben Sabine Rautert von N-ERGIE sowie Fuchsstadts Bürgermeister René Gerner bereits gemeinsam besucht. Ihr Ziel: die Arbeit der Energie GmbH des Landkreises vorstellen.

„Wir haben gemerkt, dass da hier und da doch noch das ein oder andere Defizit da ist, was eigentlich so abgeleistet werden kann“, sagt der Geschäftsführer aus Fuchsstadt.  

René Gerner ist nicht nur Bürgermeister in Fuchsstadt, sondern auch Geschäftsführer der Energie GmbH des Landkreises.
René Gerner ist nicht nur Bürgermeister in Fuchsstadt, sondern auch Geschäftsführer der Energie GmbH des Landkreises. // Ralf Ruppert

Herr Gerner, wie kam es denn überhaupt dazu, eine Energie GmbH zu gründen?

René Gerner: Es war damals der große Wunsch da, im Landkreis etwas auf die Beine zu stellen. Ursprünglich hatten wir geplant, gemeinsam mit fünf Kommunen ein Regionalwerk zu gründen – bis dann der Landrat auf uns zukam und den Vorschlag einer landkreisweiten Gesellschaft eingebracht hat. Damit hat das Projekt dann der Landkreis federführend in die Hand genommen.

Und wer ist nun alles dabei?

Natürlich der Landkreis Bad Kissingen, zudem noch 18 weitere Kommunen. Die Gesellschafter der neuen GmbH sind neben dem Landkreis Bad Kissingen also

  • die Städte Bad Kissingen, Hammelburg und Bad Brückenau,
  • die Märkte Bad Bocklet, Burkardroth, Elfershausen, Geroda, Oberthulba, Schondra, Sulzthal, Wildflecken und Zeitlofs,
  • außerdem die Gemeinden Fuchsstadt, Nüdlingen, Oberleichtersbach, Oerlenbach, Riedenberg und Wartmannsroth.

Das sind aber doch nicht alle Kommunen, die im Landkreis liegen. 

Genau, es sind nicht alle Kommunen dabei. Da die Stadt Münnerstadt mit ihren großen Energie-Projekten schon recht weit ist, hat sie keine Unterstützung mehr benötigt. Und auch viele der östlichen Kommunen des Landkreises sind nicht dabei, weil sie schon längere Zeit eine andere Struktur haben, was die Erneuerbaren Energie angeht.

Wer hat also genau nicht unterschrieben?

Nicht dabei sind neben Münnerstadt, auch Euerdorf, Maßbach, Aura, Motten, Ramsthal, Rannungen und Thundorf. Wir haben aber noch unsere sechs energiewirtschaftlichen Partner mit an Bord.

Das heißt?

Als Energieversorger haben auch die Stadtwerke Bad Kissingen, die Unternehmen City-Use, ENTEGA, Bayernwerk, gasuf sowie N-ERGIE den Gesellschaftervertrag unterschrieben. Mit denen gemeinsam sind wir nun die Energie GmbH und gehen Projekte im Bereich der Erneuerbaren Energie an. Da aber nicht alle sprechen können haben wir gesagt, wir brauchen zwei Geschäftsführer: einen aus den Kommunen und einen aus der Energiewirtschaft.

Und so sind Sie dann mit Sabine Rautert von N-ERGIE für diesen Posten ausgewählt worden?

Wie ich dazu gekommen bin, weiß ich auch nicht so richtig. Irgendwann hatte ich mal gesagt, ich würde mich bereit erklären, etwas zu Unterstützen. Kurz vor der Zusammenkunft ist der Landkreis dann auf mich zugekommen und hat mich auf diese Funktion angesprochen.

Und wie viel Arbeit ist das im Endeffekt?

Puh, es ist wirklich viel, viel mehr Arbeit, als ich am Anfang vermutet habe. Ich weiß jetzt aber natürlich nicht, ob das nur in der Anfangszeit so ist. Es macht mir wahnsinnig Spaß, wie ich das aber weiter schaffen soll, weiß ich selbst auch noch nicht.

Was genau macht die Energie GmbH denn nun?

Die ganze Zeit war es so, dass jeder die Projekte irgendwie im Alleingang angegangen ist. Der eine baut einen Solarpark, der andere einen Windpark: Am Ende hatte man keinen Überblick mehr, was geplant wird, was schon gebaut ist und wie viel im Landkreis überhaupt produziert wird.

Gemeinsam mit den teilnehmenden Unternehmen haben wir nun eine viel größere Kompetenz und können die Projekte gemeinsam angehen, sodass die Wertschöpfung auch im Landkreis bleibt und wir weniger stark von irgendwelchen Projektierern abhängig sind. Vor allem haben wir mit unserer Gesellschaft eine stärkere Stimme, wenn es darum geht, Netzausbau oder den Aus- und Neubau von Umspannwerken voranzubringen. Unser Landrat Thomas Bold ist nicht nur Initiator der Gesellschaft, er ist hier auch sehr aktiv bei der Arbeit dabei und hatte in Bezug auf Netzausbau auch schon sehr intensive Gespräche mit den Netzbetreibern. 

Wäre es nicht besser, den Strom den wir bei uns produzieren direkt zu verbrauchen?

Das wäre natürlich die Lösung schlechthin, dafür haben wir aber einfach zu wenig Industrie. Wir sind aber dennoch stetig dabei, Unternehmen mit großem Stromverbrauch zu suchen, um diese eventuell direkt mit Strom zu versorgen.

Und was haben jetzt die Bürger davon?

Mit der Gründung der GmbH wurde erstmal eine Grundlage geschaffen. Seit Dezember haben wir uns einen Überblick über die Potentiale im Landkreis geschaffen und können nun Verträge zur Flächensicherung abschließen und mit der Planung von Projekten beginnen.

Wir suchen also nach geeigneten Flächen, auf denen die Photovoltaik- beziehungsweise Windkraftanlagen errichtet werden können. Danach können wir in die konkreten Planungen einsteigen und die Projekte werden dann an eine Betreibergesellschaft, also die Gesellschaft, die die Projekte umsetzt, übergeben. Hier können sich dann, im zweiten Schritt, die Bürgerinnen und Bürger beteiligen, was auch in unserer Satzung so angelegt ist.

Und wie?

Angedacht ist das zum Beispiel in Form von Bürgerenergiegenossenschaften. Wir können uns aber verschiedene Beteiligungsformen vorstellen. Wenn es so weit ist, muss einfach für jedes künftige Projekt die passende Beteiligungsform gefunden werden.

Wichtig war uns aber, dass sich die Gesellschafter nicht an jedem Projekt beteiligen müssen. Das heißt auch die Kommunen sind nicht verpflichtet, bei allem mitzumachen.

 Das Interview führte Milena Meder.

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