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Rätselhafte Übung in der Rhön
Flugblätter der Bundeswehr fallen vom Himmel
Mysteriöse Zettel, die am Dienstag vom Himmel über Schmalwasser und anderen Orten fielen, entpuppten sich als Flugblätter einer speziellen Bundeswehrübung in Wildflecken. // Gerhard Fischer
Signet des Fränkischen Tags von Gerhard Fischer
Münnerstadt – So mancher staunte nicht schlecht: Am Dienstag fielen von Schmalwasser bis Münnerstadt weiße Blätter vom Himmel. Sie enthielten eine ganz besondere Botschaft.

Am Dienstag saß Uwe Zelenko mit seiner Frau Betina und den Töchtern Michelle und Eileen beim gemütlichen Nachmittagskaffee in seinem Wintergarten in Schmalwasser mit dem traumhaften Blick hinüber in den Salzforst, als Tochter Michelle plötzlich rief: „Da fällt was vom Himmel!“ Die Familie sah, wie rund ein Dutzend weißer Blätter aus der Luft zu Boden trudelte, im Wald verschwand oder in Gärten landete.

Mehr als nur ein Fragezeichen ploppte in seinem Kopf auf und er machte sich gleich auf den Weg, um dem Rätsel dieser flatternden Blätter näherzukommen. „Auf Nachbargrundstücken konnte ich mich ja nicht herumtreiben, aber ich habe dann doch noch einen Zettel an der Straße gefunden“, erzählt der Schmalwasserer.

So wie ihm ging es noch mehreren Bürgerinnen und Bürgern. Auch in Windheim sind solche Zettel gelandet und in Münnerstadt. Auf Facebook hatten sich die seltsamen Funde schnell verbreitet, die Diskussionen waren eröffnet.

Helium-Ballon wirft Flugblätter ab

Der Text auf den Zetteln, die dem Namen Flugblatt alle Ehre machten, brachte schnell des Rätsels Lösung: „Dies ist ein Übungsblatt der Bundeswehr. Es wurde durch einen unbemannten Helium-Ballon abgeworfen. Mit diesem Flugblatt übt die Bundeswehr, Menschen auch in schwer zugänglichen Gebieten zu informieren.“

Auch in polnischer Sprache waren die Flugblätter bedruckt. Im Februar hatte bereits eine ähnliche Übung in der Lausitz stattgefunden. // Gerhard Fischer

Schmalwasser ist, zumindest von Sandberg aus, derzeit tatsächlich „schwer zugänglich“ wegen einer größeren Umleitungsstrecke über Premich. Aber das dürfte nur ein Zufall gewesen sein. Von der Außenwelt abgeschnitten ist das Örtchen wie andere Rhöndorfer nur, wenn über die Rhön gewitzelt wird.

Uwe Zelenko hat sich gleich daran gemacht und an die angegebene Adresse eine E-Mail geschickt. Bei der Bundeswehr freut man sich über Angaben zum Fundort. Außerdem soll das dargestellte Symbol mitgeteilt werden für eine entsprechende Zuordnung. Im Falle Zelenkos war es ein gelbes Dreieck. Der Ex-Arbeitskollege aus Windheim hatte ihm eine Flugblatt-Variante mit einer grünen Raute darauf gesendet.

Jeder Ballon hat 2000 Flugblätter im Gepäck

Zuständig für diese Übungen ist das „Zentrum Operative Kommunikation der Bundeswehr“ am Standort Mayen in der Vulkaneifel. Die informiert auf ihrer Internetseite detailliert über ihre Abwurf-Übung. Im Februar hat eine solche bereits in der Lausitz stattgefunden. „In Krisenzeiten sind bei Ausfall moderner Kommunikationswege die Ballons ein zuverlässiges Mittel, um Menschen in abgelegenen oder gefährlichen Gebieten zu erreichen“, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Helium-Ballons haben einen Durchmesser von bis zu 1,70 Metern und erreichen Höhen von bis zu 5000 Metern. Im Gepäck haben sie 2000 Flugblätter.

Bei der Lausitzer Übung im Februar war das Ziel ein genau abgemessener Bereich eines Truppenübungsplatzes von 45 Hektar Fläche. „Möglich machen das aufwendige Messverfahren zu den Wind- und Witterungsverhältnissen im Vorfeld. Mit ihnen lässt sich sehr genau berechnen, wo die Ballons starten müssen, um ihre Last über dem Zielgebiet abzuwerfen. Das ist ein Wettlauf gegen die Zeit, denn die Windrichtungen können sich schnell ändern“, informiert das Zentrum Operative Kommunikation.

Bundeswehr übt mit Helium-Ballons in Wildflecken

Die Beschriftung für Finderinnen und Finder ist entsprechend nur für Irrläufer gedacht. Für die Lausitzer Übung nahe der polnischen Grenze wurden die Flugblätter in Deutsch und Polnisch verfasst. Offensichtlich waren noch einige dieser Flugblätter übrig, um sie für eine gleiche Übung in Wildflecken zu nutzen. Von dort wurde dieser Redaktion am Mittwoch bestätigt, dass eine ähnliche Übung auch hier läuft.

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