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Stadtrat Bad Brückenau
42 und 36 Jahre: Goldene Ringe für Pfister und Zimmermann
Goldener Ehrenring Bad Brückenau: Pfister und Zimmermann
Jürgen Pfister und Adelheid Zimmermann bekamen bei ihrer letzten Stadtratssitzung jeweils den Goldenen Ehrenring der Stadt Bad Brückenau verliehen. // Steffen Standke
Bad Brückenau – Bei ihrer letzten Sitzung erhalten die Stadtrats-Urgesteine eine der höchsten Auszeichnungen der Stadt Bad Brückenau. FDP-Frau Zimmermann offenbart ein bisher ungeahntes Talent.
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Das muss ihnen erstmal jemand nachmachen: Jürgen Pfister (PWG) und Adelheid Zimmermann (FDP) haben 42 beziehungsweise 36 Jahre die Bad Brückenauer Kommunalpolitik mitgestaltet – und das in zeitweise herausgehobenen Funktionen. Dafür erhielten sie jeweils von Bürgermeister Jan Marberg (SPD) die zweithöchste Auszeichnung der Stadt verliehen: den Goldenen Ehrenring, samt Dankesurkunde.

Goldener Ehrenring Bad Brückenau: Pfister und Zimmermann
Jürgen Pfister (rechts) zog im Mai 1984 neu in den Bad Brückenauer Stadtrat ein. Die anderen Neuen (von links): Theo Dernbach, Hans-Dietrich Unger (beide PWG, beide nicht im Bildausschnitt), Eva-Maria Trutz-Özbe (Grüne), Hermann Knüttel, der spätere Bürgermeister Hans Rohrmüller (beide PWG) und Gerhard Wagner (CSU). // Marianne Renner

Jürgen Pfister war am 1. Mai 1984 in den Bad Brückenauer Stadtrat eingezogen. Er erlebte in mehr als vier Jahrzehnten vier Bürgermeister und eine Bürgermeisterin. Von Mai 2014 bis 30. April 2026 fungierte er als erster Bürgermeister-Stellvertreter. In dieser Rolle kam Pfister in den Jahren 2023 und Anfang 2024 eine zentrale Rolle zu, als der damals 75-Jährige nach dem krankheitsbedingten Rückzug von Jochen Vogel (CSU) gemeinsam mit Heribert Übelacker (CSU) die Geschicke von Stadt und Stadtverwaltung interimsweise leitete.

Eine schwere Zeit, in der Pfister die Stadt am Laufen und sich dabei nicht geschont habe, sagte der aktuelle Bürgermeister. Dabei sei die Familie der große Rückhalt gewesen. In diese Zeit fielen der Kauf des alten Hotels Post in der Ludwigstraße und das Ringen um eine Zukunft für die geschlossene Therme Sinnflut.

Viermal Stimmenkönig für die PWG

Für seine Parteilose Wählergruppe (PWG) bestand Pfister sieben Kommunalwahlen; viermal wurde er „Stimmenkönig“ (1984, 1990, 2014 und 2020). Über viele Jahre fungierte Pfister als PWG-Vorsitzender und deren Sprecher im Stadtrat. Zuletzt war er eine Art „graue Eminenz“. Auch engagierte er sich für den Fair-Trade-Gedanken, gehörte dementsprechend dem Arbeitskreis „Fair-trade-Stadt“ an, und seit 2018 auch dem AK „Stolpersteine“. Von 2008 bis 2014 saß Pfister im Aufsichtsrat der Stadtwerke Bad Brückenau und bis zuletzt auch im Kreistag (seit 1990).

Leidenschaft und Engagement im Sport

Bürgermeister Marberg würdigte den 77-Jährigen als jemanden, „der so ziemlich jedes Feld bespielt hat“. Dies bezog er nicht nur auf die Kommunalpolitik und  Pfisters Tätigkeit als Referent für Jugend und Sport (1984 bis 1990), sondern vor allem auf dessen Leidenschaft für den Fußball. Beim 1. FC Bad Brückenau saß Jürgen Pfister von 1984 bis 2006 im Vorstand; von 1985 bis 1995 stand er dem Verein als Vorsitzender vor. Vorausgegangen war von 1954 an eine lange Karriere als Aktiver. 2009 ernannte ihn der FC zum Ehrenvorsitzenden.    

In Bad Brückenau ist Pfister „bekannt wie Thomas Gottschalk und Günter Jauch. Oder Gerd Kirchner”, so Marberg etwas schnippisch.

Goldener Ehrenring Bad Brückenau: Pfister und Zimmermann
Adelheid Zimmermann (Mitte) im Wahlkampf für die Kommunalwahl 1990 in der autogeplagten Ludwigstraße. Damals setzten sie und andere auf der FDP/Freie Bürger-Liste sich für eine Umgehungsstraße ein, die wenige Jahre später kam. // Quelle: Adelheid Zimmermann

Adelheid Zimmermann errang kurz nach ihrem 40. Geburtstag 1990 ihr erstes Stadtratsmandat für die FDP und Freie Bürger. Ab dem 1. Mai desselben Jahres machte sie sich als Stadträtin, Zweite Bürgermeisterin (15. November 2010 bis 6. Mai 2014) und Dritte Bürgermeisterin (6. Mai 2008 bis 15. November 2010) verdient. Dazu war sie Fraktionssprecherin und Referentin für Heimatmuseum, Kultur, Schulen und Volkshochschule sowie für Verkehr. 

Die gebürtige Würzburgerin bezeichnet sich selbst als „politischen Menschen“, der etwas bewegen wolle. Im Stadtrat galt sie als meinungsstark, obwohl ihre Fraktion stets eine kleine war. Laut Marberg habe es kein politisches Thema gegeben, das Zimmermann nicht bedient oder zumindest gestreift habe.

Zimmermann zitiert selbst verfasste Verse

Der Geehrten selbst lag nach eigenen Worten besonders „die Struktur der Stadt und der Innenstadt am Herzen”. Sie habe stets interessiert, wie Frauen in Stellungen kommen könnten, die sie verdienten und die sie auch ausfüllen könnten. Bei der Ehrung im Stadtrat trug sie ein selbst verfasstes Gedicht vor.

Dem Unterfränkischen Bezirkstag gehörte Adelheid Zimmermann von 2008 bis 2014 an; 2018 stieg sie sogar zur Zweiten Stellvertreterin des Bezirkstagspräsidenten auf.

Die restlichen ausscheidenden Stadträte werden in einer gesonderten Veranstaltung feierlich verabschiedet. Ein Termin steht noch nicht fest.

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