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Ankerpunkt Ludwigs-Apotheke
Der Apotheker vom Kernstadt-Kiez Bad Brückenau
Ludwigsapotheke Bad Brückenau: David Baer 20 Jahre Apotheker
David Baer leitet seit 20 Jahren die Geschicke der Ludwigsapotheke in Bad Brückenau. // Steffen Standke
Bad Brückenau – Seit 20 Jahren führt David Baer die Ludwigs-Apotheke in Bad Brückenau durch teils turbulente Zeiten. Wird er es weiterhin tun?

Wäre die Brückenauer Ludwigstraße eine Meerenge mit tückischen Untiefen und Sandbänken für Einzelhändler, dann wäre die Ludwigs-Apotheke ein Fels in der Brandung. Eines der wenigen Geschäfte, das die Welle des Ladensterbens nicht weggespült hat. In den vergangenen 20 Jahren hielt David Baer die Apotheke auf Kurs. Der war nicht einfach zu steuern.  

Die Apotheke in der Ludwigstraße 40 ging 1976 als drittes Pharmaziegeschäft in Bad Brückenau (nach der Schwan- und der Rathaus-Apotheke) an den Start – im Jahr, als David Baer geboren wurde. Der Wildfleckener übernahm es zum 1. Januar 2006 von Otto Leidenberger; da war die einst boomende Einkaufsmeile Ludwigstraße seemännisch gesprochen „am Untergehen”.  

Viele Gedanken um das wirtschaftliche Risiko machte sich der damals 29-Jährige nicht. Dass die Fußgängerzone wegen ihrer mangelhaften Erreichbarkeit per Auto und fehlender Parkplätze keine Toplage mehr darstellte: egal. Ebenso, dass damals schon Leerstand bestand.

Es gab ordentlich zu tun. Neben dem Tagesgeschäft waren viele Nacht- und Notdienste zu leisten, zumal der Branchenverband die Erreichbarkeit einer Apotheke für Kunden außerhalb der üblichen Öffnungszeiten in einem 15-Kilometer-Radius vorschrieb. Bis vor drei Jahren, als dieser Kreis aufgeweitet und die Sonderdienste weniger wurden, leisteten Baer und sein Team mehr als 1500 Nacht- und Notdienste – ein stiller Rekord, der Anerkennung verdient.

Weniger Laufkundschaft

Ab 2012/13 verschlimmerte sich die Krise des Einzelhandels, auch in Bad Brückenau und der Ludwigstraße.  Kunden ließen sich gerne in den Geschäften beraten, kauften aber wegen geringerer Preise zunehmend in Online-Stores. „Frequenzbringer” wie „Ihr Platz”, „Fahrrad-Riemey”, „Blumen-Neisser”, „Sport-Kötzner”, das „Sanitätshaus Richter”, „Deko-Dorsch” und „Ernsting's Family” strichen die Segel.

Das bekamen David Baer und die Ludwigs-Apotheke zu spüren; die Laufkundschaft wurde weniger. Die fast dreijährige Erneuerung der Kissinger Straße bis 2018, die Corona-Pandemie mit ihren Ausgangsbeschränkungen und die Schließung der „Sinnflut” 2023 verschärften den Trend.

Ludwigsapotheke Bad Brückenau: David Baer 20 Jahre Apotheker
Seit 50 Jahren ist die Ludwigsapotheke eine Konstante in der Ludwigstraße 40 in Bad Brückenau. // Steffen Standke

Bei Baer litt vor allem das Geschäft mit dem Freiwahlsortiment, also der Verkauf von Kosmetik, Lutschbonbons, Franzbranntwein und ähnlichem. Nicht zu reden von immensen Verlusten, die 2020 die Insolvenz des Düsseldorfer Apotheken-Rechenzentrums AvP auch seinem Geschäft bescherte. Aber: Die  Ludwigs-Apotheke überlebte, vor allem dank ihrer Stammkunden.

Trotz Einbußen nie Gedanke ans Aufgeben

Trotz schwieriger Zeiten und seit 20 Jahren nicht gestiegener Honorare kam David Baer nie in den Sinn, aufzugeben. „Wir sind noch da und ich sehe die Verantwortung, die Gesundheitsversorgung mit aufrechtzuerhalten.”

Er genießt den Kontakt mit den Kunden, von denen er die meisten samt ihrer Bedürfnisse gut kennt. Inzwischen bedienen der zweifache Vater und seine Mitarbeiterinnen die Kinder derjenigen, die sich selbst vor 20 Jahren mit Traubenzucker eindeckten.

Liebeserklärung an Apotheke

Der Wildfleckener liebt seine Apotheke, das spürt man. Dieses Rustikale, nicht so Sterile, der Geruch von ätherischem Öl, die Gespräche mit Kunden – sie stellen für ihn ein Stück heile Welt dar.

Ihnen könne sein Haus etwas bieten, was kein Online-Versand leiste: Beratung und Service. In der Ludwigs-Apotheke werden unter anderem Kompressionsstrümpfe angemessen, Milchpumpen ausgeliehen und Inkontinenzversorgung angeboten. Im Labor entstehen individuelle Salben und Tinkturen. „Selbst Rezepturen anzumischen ist eine Leidenschaft von mir.”

Dienstältester Apotheken-Leiter

Zum Wohlfühl-Gefühl passt ein Gedanke, auf den ihn eine Kundin gebracht hat: „Sie nannte mich den Apotheker vom Kiez.“ Der Kiez Ludwigstraße, dieses überschaubare, gemütliche Viertel in der Kernstadt Brückenau – das ist, womit David Baer sich identifiziert, obwohl er in Wildflecken wohnt. Mittlerweile sei er der „dienstälteste Apotheken-Leiter in Bad Brückenau, wenn auch nicht der älteste.“

Dass sich die Struktur der Kernstadt-Bewohner wandelt, findet Baer okay. Die Menschen seien jünger, migrantischer. „Das ist anders, aber nicht negativ.”

Wunsch nach mehr Leben in der Kernstadt

Eines aber könnte „der Kiez” seiner Meinung nach dringend gebrauchen: mehr Leben. Baer gehört zu den Befürwortern einer sanften Öffnung der Ludwigstraße für den Autoverkehr: Zufahrt für Lieferverkehr und Kunden zu Altstadt und Ludwigstraße wochentags bis 18 statt bis 13 Uhr – für den schnellen Stopp, um kleine Besorgungen zu erledigen oder Medikamente abzuholen.

Das würde nicht nur die bestehenden Parkplätze entlasten, sondern vor allem die Erreichbarkeit der verbliebenen Einzelhändler massiv verbessern, ist er überzeugt. Poller, einengende Blumenkästen und hohe Bordsteinkanten empfindet er als „autoschädlich”.

Ein hoffnungsvolles Gespräch mit Bürgermeister Jan Marberg (SPD) gab es vor einigen Wochen. „Mein Ziel ist, gemeinsam mit der Stadt das Beste für die Innenstadt, die Anwohner sowie unsere Besucher und Kunden zu erreichen.”

Bewährtes Rezept für die Zukunft

Der Apotheker möchte sein Geschäft am Standort Ludwigstraße 40 noch einige Jahre weiterführen, trotz nicht idealer Lage. Dafür setzt er auf ein über Jahrzehnte bewährtes Rezept: Mut und Ausdauer.

Und eines steht für David Baer fest:  Ohne die Kunden und seine zwölf Mitstreiterinnen in Medikamentenausgabe, Labor, Buchhaltung und Reinigung wären die letzten 20 Jahre unmöglich gewesen.

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