Es ist noch keine vier Monate her, da schaffte Sven Schumacher quasi im Hintergrund, aus seinem eigenen Wohnzimmer heraus. Doch dann wagte der 42-jährige IT-Unternehmer den Schritt ans Licht, in die Bad Brückenauer Öffentlichkeit. Kaum übersehbar das neue Domizil seiner CaaS IT GmbH in der Ludwigstraße, Ecke Judengasse. Da, wo zuvor Elke Keßler Kosmetik, Dekoartikel und Bekleidung anbot und wo noch davor Ernstings’s Family eine Filiale unterhielt. Der Aufstieg des von Schumacher selbst sogenannten „Nerd-Zentrums von Bad Brückenau“ – er ist beeindruckend.
CaaS - diese Abkürzung steht für „Computer as a Service“. Schumachers am 9. Juli 2024 gegründetes Unternehmen verkauft PC-Hardware nicht nur; er vermietet sie. Vor allem aber liefert der inzwischen auf zwölf Mitarbeiter angewachsene Betrieb die Betreuung der Software gleich mit, als Dienstleister für produzierende Firmen und öffentliche Körperschaften, für die sich die Unterhaltung einer eigenen IT-Abteilung nicht lohnt.
Stadt und Verwaltungsgemeinschaft als Kunden
Größter Kunde ist derzeit die Stadt Bad Brückenau; die Stadträte erteilten CaaS kürzlich den Auftrag, in der Kernstadt zwischen Siebener- und Georgi-Park ein frei zugängliches WLAN einzurichten (wir berichteten). Aber auch das Autohaus Böckler und andere Firmen im Umkreis von etwa 100 Kilometern betreut das Unternehmen, auch jenseits der bayerisch-hessischen Landesgrenze. Für die Zeit der Kommunalwahl am 8. März stellt die Firma in den Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft Bad Brückenau die Computer.
Für all das bräuchten Schumacher und seine Mitarbeiter nicht unbedingt ein zentrales Geschäft in der Ludwigstraße mit einer für gutes Geld angeschafften Ausstattung; vieles wäre weiterhin in Heimarbeit stemmbar. „Ich beschäftige aktuell viele Quereinsteiger“, begründet der Bad Brückenauer seine Entscheidung fürs Großraumbüro. Es sei einfacher, die Beschäftigten in Präsenz zu konzentrieren, um sie einzuarbeiten. Fragen seien schneller klärbar, wenn man sich gegenübersitze; fernmündlich per Teams oder Telefon wäre das zeitaufwändiger und komplizierter. „Der Einzelne sitzt dann nicht zu Hause und fühlt sich verloren.“
Zentrale Anlaufstelle für Kunden
Zudem biete der CaaS-Sitz in der Ludwigstraße eine zentrale Anlaufstelle in der Brückenauer Kernstadt; Publikumsverkehr habe es im ersten Monat durchaus gegeben. Ganz nebenbei verhindern Schumacher und Co. einen weiteren Leerstand in der einstigen Einkaufsmeile, der mit Elke Keßlers Abschied wahrscheinlich entstanden wäre. Zum 1. Oktober 2025 erfolgte die Übergabe nahtlos, nachdem eine Woche lang kompakt umgebaut worden war. Unter anderem wurden die zuvor „windige Glastür“ ausgetauscht und Heizkörper nachgerüstet.
Schicksalhafter Anruf
Den Stein ins Rollen brachte vorher eher zufällig der Anruf eines CaaS-Kunden. Die heutige Vermieterin des Geschäfts wandte sich an Sven Schumacher, weil sie ein Problem mit der Festplatte ihrer Überwachungskamera hatte. Der IT-Fachmann war zu der Zeit auf der Suche nach passenden Büroräumen, hatte sich auch schon Immobilien angesehen, die mehr Platz boten. „Was mir hier gefallen hat, war, dass die Mietforderungen nicht Würzburger, sondern Bad Brückenauer Verhältnisse widerspiegelten.“ Er habe keinen Zehn-Jahres-Knebelvertrag abschließen müssen. Das Pachtverhältnis sei relativ flexibel kündbar.
Was nicht bedeutet, dass Schumacher die jetzige Zentrale am Marktplatz schon wieder aufgeben will, wenn die Entwicklung seiner IT-Firma so rasant weitergeht. Im Gegenteil: Der frühere Zeitsoldat (zwölf Jahre) und IT-Leiter zweier Firmen in Schweinfurt und Westheim (2018 bis 2022) steht in Verhandlungen mit einem Kunden, Räume für ein zweites Büro anzumieten, will „eine weitere Business-Einheit aufbauen“.
Gemischte Gefühle wegen Einzelhandel
Einerseits bedauert es der 42-Jährige, dass dem Bad Brückenauer Einzelhandel mit seinem Einzug weitere Verkaufsfläche verloren geht. Dieser profitiere auch nicht unmittelbar von CaaS. Andererseits hält er die Brückenauer Innenstadt für „eine Toplage für Büros.“ Und: „Meine Mitarbeiter müssen ja auch mittags etwas essen“, beschreibt er die Vorteile für die umliegende Gastronomie. Was nicht ganz so optimal sei: die Anlieferung der Hardware durch die engen Gassen. „Für solche Fälle möchte ich etwas außerhalb ein kleines Lager schaffen und in Betrieb nehmen.“
Weiteres Ziel: energieautark werden
Seinen Firmensitz will Schumacher zudem energieneutral aufstellen und erhält dabei Unterstützung vom Vermieter: „Die Wärmepumpe steht bereits im Keller; aufs Dach kommt Photovoltaik.“
Seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter scheinen sich ebenfalls wohlzufühlen in der Ludwigstraße. Assistentin Hannah Grau aus Oberleichtersbach: „Es ist einfach schön, hier zu sein.“











