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Brückenauer Bürgerstammtisch
Schwimmbadpläne, McDonald’s und Gewerbegebiet bei Volkers
Bürgerverein Bad Brückenau: erster Bürgerstammtisch
Der Stammtisch des Bad Brückenauer Bürgervereins tagte erstmals im Gasthof zum Stern. Für das Foto wurde ein Utensil des ebenfalls dort beheimateten Haubentaucher-Stammtisches entliehen. // Steffen Standke
Bad Brückenau – An der Besucherzahl gemessen war der erste Bürgerstammtisch des Bad Brückenauer Bürgervereins ein Flop. Dafür bot er mehr Erkenntnisse als so manche Stadtratssitzung.

Die Ankündigung erfolgte wohl zu kurzfristig: Am Samstag, 10. Januar, lud der Bürgerverein Bad Brückenau für Montag, 12. Januar, in der Presse zu seinem ersten Bürgerstammtisch in den „Gasthof zum Stern“ ein. Am Ende saß – wohl auch wegen des Glatteis-Wetters – ein interessierter Besucher mit den drei Vorständen und Bürgermeister Jan Marberg (SPD) am Tisch. Was beim zwanglos-gemütlichen Experiment wichtiger war: Es gab viel neue Information.

„Miteinander reden und nicht übereinander“ – das soll das Motto des Stammtischs werden. Denn geredet und gemeckert werde den Beteiligten zufolge viel in Bad Brückenau; häufig kursierten haltlose Gerüchte. Dem soll der direkte Austausch, der eher eine Bürgermeister-Befragung war, entgegenwirken.

Vakanz auf der Position des Geschäftsleiters

Die personelle Lage und der längerfristige Ausfall des Verwaltungsleiters und seiner Stellvertretung waren der erste vom Bürgerverein aufgeworfene Themenblock. Marberg informierte über die hohe Arbeitsbelastung im Rathaus und die begrenzten personellen Ressourcen. Derzeit zählt die Stadtverwaltung 35 Köpfe; in Kindergärten, Bauhof und anderen städtischen Einrichtungen kommen rund 100 dazu.

Sowohl der Bürgermeister als auch die Macher des Bürgervereins betonten die Wichtigkeit des Geschäftsleiters; Thomas Weißenfeld nannte ihn „das Herz der Verwaltung“. Marberg ergänzte, dass „seine Kompetenz und sein Wissen nicht von heute auf gleich“ ersetzbar seien.

Er will mit den Stadträten gemeinsam eine Lösung für den Posten finden, auch, um Entlastung für Kolleginnen und Kollegen zu schaffen, die diese Arbeit derzeit mitmachen. Dieser Zustand dürfe sich nicht verstetigen, weil dann weitere, überlastete Mitarbeiter drohten auszufallen. Eine Entscheidung falle nicht gegen den Geschäftsleiter als Menschen, sondern damit die Abläufe in der Verwaltung wieder gegeben sind.

Der Bürgermeister trat entschieden dem Gerücht entgegen, einem wichtigen Mitarbeiter der Bauverwaltung sei ein Aufhebungsvertrag angeboten worden. „Der Mitarbeiter steht nicht zur Disposition.“

Stand bei der Asylunterkunft

Nach Marbergs Informationen soll das ehemalige Seniorenheim Sinntal in der Ernst-Putz-Straße „nach Sanierungsarbeiten in den ersten Monaten des Jahres 2026 bezogen werden“. Der Besucher fragte, warum die Regierung von Unterfranken als Betreiber die Asylunterkunft fülle, obwohl die Stadt dagegen sei (Anmerkung der Redaktion: Es gibt zwei mehrheitliche Beschlüsse des Stadtrates, das gemeindliche Einvernehmen für die Nutzungsänderung nicht zu erteilen). Zudem sei die Zahl der Asylbewerber auch in Unterfranken rückläufig.

Die Antwort des Bürgermeisters: Die Regierung habe einen Langzeitvertrag mit dem Eigentümer des früheren Seniorenheimes geschlossen. Sie schaffe bewusst kurzfristige Überkapazitäten; dafür gebe sie andernorts Unterkünfte mit auslaufenden Mietverträgen auf. Die Stadt habe beim „Sinntal“ Mitwirkungspflicht und keine Handhabe entgegenzuwirken. Einer Klage räumte Marberg nach Rechtsberatung wenig Erfolgschancen ein.

Hotel Post ist stabilisiert

Die marode Immobilie in der Ludwigstraße sei „soweit stabilisiert und gesichert, dass einem nichts mehr auf den Kopf fällt“, so der Bürgermeister. Der instabile Giebel wurde abgetragen. Natürlich müsse der im Haus steckende Pilz entfernt werden; aber Marberg sieht zwei Optionen:

  •  Die Stadt entwickelt das Gebäude für geschätzte 15 Millionen Euro selbst. Bei einer Förderung aus staatlichen Denkmalschutz-Töpfen von 50 bis 60 Prozent und eventuell Zuschüssen aus der Städtebauförderung könnte der Eigenanteil der Kommune im überschaubaren Bereich liegen. Sollte das gelingen, könnten städtische Einrichtungen in die „Post“ einziehen; die Kommune könne „alte Liegenschaften abstoßen und Betriebskosten sparen“. Ein Kandidat wäre das derzeitige Rathaus.
  • Das „Hotel Post“ wird dem freien Immobilienmarkt zurückgegeben. Wobei Marberg wenig Hoffnung hegt, „dass sich jemand dafür interessiert“. Das Gebäude müsste entkernt und denkmalgerecht wieder aufgebaut werden.

Bürgermeister Ei ins Nest gelegt?

Beim Stammtisch kam die Vermutung auf, mit dem Erwerb des maroden „Hotels Post“ sei Marberg wenige Monate vor dessen Amtsantritt als Bürgermeister am 14. Mai 2024 ein faules Ei ins Nest gelegt worden. Dieser rechtfertigt den Kauf im Nachhinein damit, dass die Stadt vermutlich die Hand auf diesen prominenten Standort haben wollte. Niemandem sei wohl bewusst gewesen, welche Dimension allein die Verkehrssicherung des Gebäudes erreichen würden. Andererseits habe wohl kein Druck bestanden, dass ein anderer Interessent die Immobilie wegschnappen könnte.

Wirtschaftlichkeit einer neuen Sinnflut

Beim Brückenauer 1A-Thema gab es vor allem zur Wirtschaftlichkeit eines großen und eines kleinen Betriebes Erkenntnisse. Ein großes Schwimmbad bietet laut Marberg bei gleichem Eintrittspreis mehr Kapazität, Attraktivität und damit mehr Potenzial, Einnahmen zu generieren, als ein (Schul-)Hallenbad. Allerdings müssten höhere Betriebskosten berücksichtigt werden.

In einem neuen Bad müsste mehr Eintritt genommen werden als in der alten Sinnflut. Das senke aber die Attraktivität. Für Bad Brückenau laufe es wohl auf ein Schulschwimmbad hinaus – plus die Angebote, die sich Stadt und Stadtwerke wirtschaftlich leisten können und wollen.

Ein Anwaltsbüro prüft laut Marberg, ob und wie die Stadt möglichst kostensparend aus dem angestoßenen Vergabeverfahren für öffentliche Aufträge herauskommen kann. Wäre das der Fall, könnte ein neues Verfahren für ein kleineres Bad starten.

Leo Groll, Bauherr der Fuldaer „Sieben Welten“ und zeitweise in Bad Brückenau tätig, wurde als privater Investor ins Spiel gebracht. Laut Marberg besteht da kein Kontakt. Aber demnächst gebe es ein Gespräch mit einem anderen auswärtigen Kandidaten. Dessen Geschäftsmodell: Die Kommune stellt ein Schwimmbad hin und er betreibt es.

Fehlender Platz

Die Entwicklung eines Gewerbegebiets nannte Marberg beim Stammtisch „eine große Aufgabe der nächsten Jahre“. Bad Brückenau sei für einige Unternehmen interessant; es fehle aber die große Gewerbefläche. Unter anderem habe im Sommer 2024 die Fast-Food-Kette McDonald’s angefragt. Eine Marktanalyse habe aber ergeben, dass die infrage kommenden Grundstücke zu weit von der A7 entfernt seien.

Gewerbeparks könnten aus seiner Sicht nur nahe den Autobahn-Anschlussstellen entstehen. Rund um den Volkersberg wären bei der Planung diverse Belange wie zum Beispiel Naturschutz, Abwasser, geschützte Tier- und Pflanzenarten sowie das Wohl der Volkerser zu beachten. Bei einem Interkommunalen Gewerbegebiet nahe der Anschlussstelle Bad Brückenau/Wildflecken (außerhalb städtischer Gemarkung) könnte die Stadt als Mitglied eines Zweckverbandes teilhaben.

Das (städtische) Industriegebiet Buchrasen noch zu erweitern, hält Marberg für schwierig. Erstens sei dem durch Oberleichtersbacher Gemarkung Grenzen gesetzt. Und Zweitens stehe der angrenzende Wald im Wege.

Kurz diskutiert wurden der Leerstand in der Ludwigstraße, konkret der November-Workshop des Highstreet-Projektes, eine mögliche Vorkaufsatzung für Grundstücke wie die Nikolaus-Brache und das Verhältnis zum Staatsbad.

Aufruf zu Ideen für besseres Brückenau

Sowohl Marberg als auch der Bürgerverein wollen erreichen, dass nicht nur die Gäste, sondern auch die Einwohner positiv von Bad Brückenau sprechen. Sie sollen Vorschläge einreichen, wie es besser werden kann, und gemeinsam an einem Strang gezogen werden.

Der nächste Bürgerstammtisch soll am 9. Februar 2026 stattfinden und künftig jeden zweiten Montag im Monat. Für diesen und den Termin am 9. März hat der Bürgermeister zugesagt.

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