Erst viel Schimmel, nun noch Asbest, wenn auch in nicht ganz so drastischem Ausmaß. Das Hotel Post in der Bad Brückenauer Ludwigstraße kann – trotz erfolgter äußerlicher Notsicherung – nur mit einer Schutzausrüstung betreten werden, die einem Weltraumanzug nahekommt. Das muss sich aber ändern, wollen Fachleute den Sanierungsbedarf für das marode Gebäude verlässlich ermitteln, so Bürgermeister Jan Marberg (SPD). Also legte er seiner Verwaltung zwei Beschlussvorlagen vor, die kontrovers diskutiert wurden.
Je drei Angebote für Schimmel- und Asbestbeseitigung
Bei der ersten ging es um die „Dekontamination von Schimmel- und Schwammsporen im Innenbereich“ des früheren Hotels. Diese Reinigung soll dazu führen, dass man das Gebäude mit überschaubarer Sicherheitsausrüstung, ohne Vollmaske und gezielter, dauerhafter Luftregulation ohne Gefahren für die Gesundheit betreten kann.
Ein Ingenieurbüro fragte dazu vier Firmen an; drei gaben ein Angebot ab. Das wirtschaftlichste gab die Swoboda Asbestsanierung GmbH & Co. KG aus Bad Kissingen ab. Kosten: 24.072 Euro.
Ähnlich verfuhr das Ingenieurbüro mit der angestrebten Beseitigung von „schwach gebundenem Asbest“. Dieses wurde vor allem im Bereich des ehemaligen Supermarktes im Erdgeschoss festgestellt. Vier Firmen wurden angefragt; drei schickten ein Angebot zu. Wiederum am wirtschaftlichsten: die Firma Swoboda mit 12.728 Euro.
Kritik an öffentlicher Behandlung der Auftragsvergaben
Einige Stadträte wunderten sich, dass diese Vergaben im öffentlichen Teil der Stadtratssitzung erfolgen sollten, sei derlei doch in jüngerer Vergangenheit meist nicht öffentlich erfolgt. Bürgermeister Jan Marberg verwies darauf, dass ihm das vom zuständigen Sachbearbeiter so vorgelegt worden sei (Anmerkung der Redaktion: In den Amtsperioden früherer Bürgermeister wurden bauliche Beschlüsse regelmäßig öffentlich gefasst).
Diese plötzliche Öffentlichkeit war aber nicht das einzige, was einige Stadträte an den Beschlussvorlagen kritisierten. Monika Wiesner (CSU) vermisste ein Gesamtkonzept, eine Priorisierung, nach der die Sanierung städtischer Gebäude schwerpunktmäßig angegangen werden soll. In diesem Zusammenhang nannte sie das Alte Rathaus, das seit mittlerweile fast fünf Jahren, auch wegen eines Schimmelproblems, teilweise leerstehe.
Der Bürgermeister machte deutlich, dass beim Hotel Post aus Gründen der inneren Verkehrssicherung mehr Handlungsbedarf besteht als beim Alten Rathaus, das an sich nach außen hin sicher dastehe. Außerdem müsse man schauen, „wie man mit dem Gebäude weiterarbeitet“, ergänzt Marberg gegenüber dieser Redaktion.
Einige Räte wollen erst Haushalt beraten
Adelheid Zimmermann (FDP/Freie Bürger) fand, dass vor der Entscheidung über die Schimmelsanierung erst Beratungen über den städtischen Haushalt für 2026 stehen müssten. Dirk Stumpe (parteilos) befand die Sache ebenfalls nicht für entscheidungsreif. Zimmermann stellte einen Antrag auf Zurückstellung der Vergabe.
Marberg zufolge gibt es noch keinen festen Termin für die Haushaltsberatungen. Der Termin folge nach einem Gespräch in den nächsten Tagen mit dem Landratsamt Bad Kissingen. Dabei gehe es darum, ob die Vorstellungen und Vorsortierungen durch ihn und Kämmerer Andreas Braun für die Haushaltsposten überhaupt Aussicht auf Genehmigung hätten.
Heribert Übelacker (CSU) gab zu bedenken, dass der Stadt bei so weit fortgeschrittenem Stand des Vergabeverfahrens Konventionalstrafen drohen könnten, sollte der Beschluss nicht zeitnah erfolgen. Claudio Kleinhans (PWG) sagte, die Schimmel- und Asbestsanierung müsse gemacht werden, egal wie es mit dem Gebäude weitergehe. Selbst ein Abrissunternehmen würde nicht vorher tätig werden.
Knappes Ergebnis bei Antrag auf Zurückstellung
Am Ende mussten die Stadträte zwei Beschlüsse fassen. Der Antrag auf Zurückstellung der Auftragsvergabe wurde mit 8:10 Stimmen abgelehnt. Anschließend machte eine Mehrheit von 13:5-Stimmen den Auftrag an die Firma Swoboda fix.
Exakt so verteilten sich die Stimmen auch bei der Vergabe der Asbestbeseitigung: 13 dafür, fünf dagegen. Eine große Diskussion darüber fand nicht mehr statt.












