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Preis fürs Lebenswerk
Hans-Josef Fell: USA-Visum abgelehnt
Aus Shanghai hat Hans-Josef Fell den Solar Global Leaders Award mitgebracht.
Aus Shanghai hat Hans-Josef Fell den Solar Global Leaders Award mitgebracht. // Wolfgang Dünnebier
Hammelburg – „Es ist der wichtigste Preis meines Lebens“, sagt der Politiker aus Hammelburg. Nach der Esta-Ablehnung wäre die Einreise "schikanös aufwändig", weshalb er auf weitere Versuche verzichtet.

Nicht nur in der Welt der Wissenschaft ist Hans-Josef Fell rund um den Globus bekannt. Der ehemalige Grünen-Bundestagsabgeordnete ist einer der Urheber des Erneuerbare-Energien-Gesetzes, das in 47 Staaten der Welt umgesetzt wurde. Dafür heimste er mehrfach Preise ein, unter anderem 2018 den mit 2,2 Millionen Euro dotierten Lui-Che-Woo-Preis. Nun soll er einen Preis erhalten, der, so Fell, „für mich der wichtigste ist“. Denn: Sein Lebenswerk soll gewürdigt werden. Die Preisverleihung wird in den USA stattfinden – allerdings ohne Fell. Ihm wurde die Einreise verwehrt.

Das ist die AAAS

Der Preis wird von der AAAS, der American Association for the Advancement of Science, verliehen. Sie ist die weltweit größte wissenschaftliche Gesellschaft mit Sitz in Washington D.C. und gibt das Wissenschaftsmagazin „Science“ heraus, eine der wichtigsten wissenschaftlichen Publikationen weltweit. Sie hat mehr als zehn Millionen Mitglieder aus über 91 Ländern. Der Mani L. Bhaumik-Preis wird jährlich an maximal drei herausragende Menschen vergeben.

Hans-Josef Fell, Ehrenbürger der Stadt Hammelburg.
Hans-Josef Fell, Ehrenbürger der Stadt Hammelburg. // Riccarda Rascher

Hans-Josef Fell: Visumsantrag „schikanös aufwendig“

Unter ihnen sollte am Dienstag, 16. Juni, 18 Uhr in Kalifornien (3 Uhr unserer Zeit am Mittwoch) Hans-Josef Fell sein. Jedoch: Das dafür mindestens benötigte Esta-Visum für die USA sei ohne Angabe von Gründen abgelehnt worden. „Die Bedingungen für eine weitere Visums-Option für die USA sind schikanös aufwendig. Ich hätte alles offenlegen müssen. Daneben hätte ich auch Bedenken, trotz eines ausgestellten Visums überhaupt einreisen zu können.“

Auswärtiges Amt konnte nicht helfen

Selbst das Auswärtige Amt ist laut Fell eingeschaltet worden – und konnte nicht unterstützen. Für Fell ist das eine bittere Logik: „US-Präsident Donald Trump bekämpft Klimaschutz und erneuerbare Energien massiv, er leugnet den Klimawandel und hat alle wissenschaftlichen Erkenntnisse, dass CO₂ gesundheitsschädlich ist, für ungültig erklärt.“

Warum also sollte er Verfechter grüner Energie und Kritiker wie Fell – und auch den zweiten Preisträger, Li Junfeng aus China – einreisen lassen? Fells weitergehende Vermutung, warum er nicht einreisen darf: „Ich war seit 2011 dreimal im Iran, um dort Photovoltaikanlagen einzuweihen.“ In jenem Land also, das Trump seit Monaten bekriegt.

Hans-Josef Fell: mutige Jury

Der dritte Preisträger ist Charly Gay aus den USA, jeder erhält jeweils 60.000 Euro. Hans-Josef Fell: „Aus meiner Sicht ist die Preisverleihung an uns drei aus vielerlei Sicht bedeutsam und wohl auch bewusst und mutig von der Jury gegen die Politik von Präsident Trump gerichtet. Es geht den Wissenschaftlern der AAAS um internationale Kooperation für Lösungen zu großen Menschheitsfragen, statt um Nationalismus. Es geht ihnen um Klimaschutz und erneuerbare Energien. Es geht ihnen um das Herausheben von Forschung und einer fürs Gemeinwohl orientierten Politik, statt Forschungsfeindlichkeit und Politik für die eigene Bereicherung.“

Forschende in den USA unter Druck

Es scheint ein tatsächlich mutiger Schritt der AAAS zu sein, denn vielen Forschenden droht unter Trump der Verlust ihrer wissenschaftlichen Freiheit. Die US-Juristin Lauren Kurtz hat laut tageschau.de analysiert, dass die Trump-Regierung Wissenschaftler mit „finanziellen Kürzungen, personellen Veränderungen, Zensur, Behinderung von Forschung sowie Verzerrungen und Falschdarstellungen von wissenschaftlichen Ergebnissen“ beeinflusst. Daneben hat Trump Elite-Universitäten die Mittel drastisch gekürzt. Laut dem Wissenschaftsmagazin „Nature“ konnten sich 2025 drei Viertel der Forschenden in den USA vorstellen, das Land zu verlassen.

Hans-Josef Fell bekam an der Universität Qingdao vor zahlreichen Professoren den Titel „Senior Fellow“ verliehen.
Hans-Josef Fell bekam an der Universität Qingdao vor zahlreichen Professoren den Titel „Senior Fellow“ verliehen. // Edmund Li Sheng

So fühlt sich Hans-Josef Fell jetzt

Wenn also am heutigen Dienstagabend in Washington viele Größen der Wissenschaft zur Verleihung des Mani L. Bhaumik-Preises zusammenkommen, fehlen zwei Preisträger – Hans-Josef Fell und sein chinesischer Kollege Li Junfeng, der in China als der Vater des Erneuerbare-Energien-Gesetzes genannt wird. Auch er bekam kein Visum.

Schon 2003 war Li Junfeng mit einer Delegation nach Deutschland gekommen, „um die Erfolgskriterien des deutschen EEG zu erkunden“, so Hans-Josef Fell. Drei Stunden lang referierte Fell vor der Delegation. Der 74-Jährige: „China hatte die meisten Grundprinzipien des EEG im Gegensatz zu Deutschland 20 Jahre durchgehalten und ist genau deshalb der mit Abstand größte Investor und industrieller Hersteller der erneuerbaren Energien: Solar-, Wind-, Wasserkraft und Bioenergie. Der Erfolg der Erneuerbaren und andere saubere Technologien wie E-Mobile oder Schnellzüge trugen 2025 zu etwa einem Drittel zum chinesischen Wirtschaftswachstum bei und sind damit zum stärksten Wirtschaftsfaktor geworden.“

Scharfe Kritik an Bundeswirtschaftsministerin Reiche

Für Fell ist es mehr als unverständlich, dass Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche „die Wirtschaft der erneuerbaren Energien unwirtschaftlich machen möchte“.  Schon als Staatssekretärin im Bundesumweltministerium unter Norbert Röttgen wurden die Vergütungssätze für Solaranlagen so drastisch gesenkt, so Fell in einem Interview mit ntv.de,  dass der deutsche Markt zusammengebrochen sei. Sie habe „den Niedergang der deutschen Solarwirtschaft mitverantwortet“.

Dieser Schlag war schwer für Fell. Schließlich war er es zusammen mit drei anderen Abgeordneten, die das EEG auf den Weg gebracht haben. Das ist das EEG in kürzester Form: Es regelt den Ausbau von Strom aus erneuerbaren Quellen wie Sonne oder Wind und garantiert dafür eine Vergütung und einen Einspeisevorrang ins Netz.

Hans-Josef Fell hat auch sein Haus in Hammelburg nach eigenen Angaben „vollständig am Klimaschutz ausgerichtet“.
Hans-Josef Fell hat auch sein Haus in Hammelburg nach eigenen Angaben „vollständig am Klimaschutz ausgerichtet“. // Archivfoto: Anand Anders

Knapp 50 Länder führten sein EEG ein

Diese Erfindung war spektakulär und wurde zum Verkaufsschlager in der Welt. Knapp 50 Länder haben es eingeführt. Genau für dieses Lebenswerk soll Fell nun von der renommierten AAAS geehrt werden – und kann nicht teilnehmen.

Hans-Josef Fell: „Der Preis ist für mich der wichtigste, weil die Jury erkannt hat, wie wichtig mein Lebenswerk für die Photovoltaik und andere erneuerbare Energien ist. Die Jury hat, ohne mit mir zu kommunizieren, gesehen, dass die Entfaltung einer breiten Basisbewegung von unten, besonders auch  in meiner fränkischen Heimatstadt Hammelburg, den Markt für die Photovoltaik bereitet hat. Das war die Grundlage, die hervorragenden Forschungsergebnisse in ein Businessmodell zu bringen, womit die industrielle Hochskalierung erst möglich wurde.“ Das hätten bisherige Ehrungen nicht in dieser Deutlichkeit erkannt.

„Das ist schon sehr herb“

„Nachts um drei einsam in einem Fernsehstudio zu stehen, ohne persönlichen Kontakt mit den Menschen, die den Preis feiern, ist schon sehr herb. Viel lieber wäre ich dabei, um persönliche, vertiefende Gespräche zu führen, neue Kontakte zu knüpfen, auch um meine neuen Visionen mit ihnen auszutauschen.“

Eine neue Vision hat er bereits. Eine neue Klimaschutzstrategie, mit dem Ziel einer Abkühlung der Erde auf den Weg zu bringen. „Das hätte ich gerne mit vielen persönlich besprochen, so nach dem Motto: In den 70er Jahren hatte ich die Vision, die Solarenergie zur billigsten Energiequelle zu machen, was niemand für möglich hielt. Heute ist es erreicht. Und heute habe ich die Vision, die Erdatmosphäre wieder zu restaurieren, was auch niemand für möglich hält.“

Das könne er nun nicht mit den „vielen herausragenden und engagierten Menschen vor Ort austauschen. Das betrübt mich sehr.“ 

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