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Einsparungen
Kein Tourismuskonzept für Bad Brückenau?
Mit den Bad Brückenauer Heilquellen präsentiert sich die Stadt nach außen. Ein Gesamtkonzept zur Vermarktung fehlt jedoch.
Mit den Bad Brückenauer Heilquellen präsentiert sich die Stadt nach außen. Ein Gesamtkonzept zur Vermarktung fehlt jedoch. // Julia Raab
Mit den Bad Brückenauer Heilquellen präsentiert sich die Stadt nach außen. Ein Gesamtkonzept zur Vermarktung fehlt jedoch.
Mit den Bad Brückenauer Heilquellen präsentiert sich die Stadt nach außen. Ein Gesamtkonzept zur Vermarktung fehlt jedoch. // Julia Raab
Stadt Bad Brückenau und ihre Langzeitprobleme
Auch die Georgi-Kurhalle wartet auf Erneuerung, insbesondere der Brunnenschacht des Georgi-Sprudels. // Steffen Standke
Die Therme Sinnflut war ein Wahrzeichen von Bad Brückenau.
Die Therme Sinnflut war ein Wahrzeichen von Bad Brückenau. // Marion Eckert
Bad Brückenau – Die Meinung des Stadtrates ist eindeutig: In der jetzigen Situation braucht es kein Tourismuskonzept. Wo aber dennoch ein Problem liegen könnte.

In finanziell und strukturell weniger guten Zeiten für die Stadt ist ein Tourismuskonzept ein Luxus. Das befand zumindest die Mehrheit des Stadtrates und strich die Summe von 50.000 Euro im Mai aus dem diesjährigen Haushalt.

Dirk Stumpe (Volinare) war Auslöser der Debatte. Im Antrag seiner Fraktion sehe er die geplanten Ausgaben für ein externes Tourismuskonzept „zum jetzigen Zeitpunkt kritisch und die Maßnahme in der aktuellen Situation der Stadt Bad Brückenau für verfrüht.“  

Keine Grundlage für ein Tourismuskonzept

Es fehle eine belastende Grundlage für ein umfangreiches Tourismuskonzept, so steht es im Antrag. „Insbesondere gibt es Defizite bei wesentlichen infrastrukturellen Voraussetzungen, unter anderem durch begrenzte Hotel- und Übernachtungskapazitäten, fehlende touristische Hauptattraktionen, fehlende wetterunabhängige Angebote, fehlende strategische Gesamtstruktur im Bereich Vermarktung und Tourismus“, heißt es weiter. 

Zunächst müssten „die inhaltliche und strategische Grundausrichtung der Stadt im Bereich Marketing und Tourismus erarbeitet werden, bevor kostenintensive externe Konzepte beauftragt werden.“

Eine Zukunftsstrategie durch eine Zusammenarbeit von Kurverwaltung, Vermieter und Hotellerie, Kliniken, Gastronomie, Einzelhandel, touristische Einrichtungen und weitere betroffene Institutionen und Akteure solle erarbeitet werden.

Stadtrat gegen ein Konzept

Bürgermeister (SPD) führte an, dass es seit zwei Jahren ein Gastgeber-Treffen in Bad Brückenau gibt. Diese Plattform der Zusammenkunft sei ausbaubar und eventuell um weitere Akteure erweiterbar. „Wir müssen nicht alles neu erfinden, sondern können auf dem Bestehenden aufbauen“, so Marberg.

Tanja Kirchner (SPD) pflichtete dem Antrag von Stumpe bei, die Kosten für ein Tourismuskonzept einzusparen. Auch Alisa Knüttel (PWG) meinte, dass ein solches Konzept zum jetzigen Zeitpunkt nicht zielführend sei, genau wie die weiteren Wortmeldungen von Monika Wiesner (CSU), Heribert Übelacker (CSU) und Claudio Kleinhans (PWG). Dem folgte der Stadtrat schließlich ohne Gegenstimmen. 

Tourismus ist Wirtschaftszweig von Bad Brückenau

Auf Nachfrage bei der Leiterin der Tourist-Info, Britta Heim, liegt die Sachlage allerdings etwas anders. Sie erklärt den Hintergrund: „Der Tourismus ist ein Hauptwirtschaftszweige in der Stadt Bad Brückenau und ist damit die vielversprechendste Entwicklungsperspektive. Ohne touristische Entwicklung verlieren wir langfristig unsere wirtschaftliche und strukturelle Basis und riskieren möglicherweise den Status als hochprädikatisiertes Heilbad.“

Für Heim kann das Thema Toursimuskonzept nicht erledigt sein: Die Stadt stehe nicht nur für sich alleine, sondern ist auch abhängig von Fördergebern, die oftmals ein Konzept fordern. Sie erinnert: Auch die Reprädikatisierung des Bad-Titels sei noch nicht abgeschlossen. 

Bayerischer Heilbäderverband kennt das Problem

Das Dilemma der bayerischen prädikatisierten Kommunen ist Frank Oette, Geschäftsführer des Bayerischen Heilbäderverbands, bekannt. Da der Tourismus in bayerischen Gemeinden zu den freiwilligen Leistungen zählt, werde er in Zeiten finanzieller Schwierigkeiten zugunsten der Pflichtausgaben vernachlässigt.

„Dieses Problem ist uns aus vielen bayerischen Heilbädern bekannt, wir lassen unsere prädikatisierten Orte hier nicht allein.“ Der Heilbäderverband unterstütze die Kommunen dabei, die Notwendigkeit von Investitionen in kurörtliche Infrastruktur und Entwicklungskonzepte herauszustellen und zu betonen. Aufgrund der Bayerischen Anerkennungsverordnung müssen solche Investitionen als mittelbare Pflichtaufgaben angesehen werden, ist Oette der Meinung. 

In anderen Bundesländern erhalten Kommunen mit Prädikatisierung zusätzliche finanzielle Mittel, um die Sonderlasten auszugleichen. „Im Grunde genommen ist ein Tourismuskonzept für ein Heilbad von zentraler Bedeutung, da Wertschöpfung und Wirtschaftskraft sowie die Hotellerie und Gastronomie davon abhängen“, erklärt Oette.

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