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Strukturelle Probleme (2)
So kämpft Münnerstadt um seine Entwicklung
Münnerstadt liegt genau zwischen Bad Neustadt und Bad Kissingen.  und
Münnerstadt liegt genau zwischen Bad Neustadt und Bad Kissingen. und // Ellen Mützel
Münnerstadt – Zwischen historischer Identität und modernen Herausforderungen: Die Kleinstadt kämpft um seine Zukunft als Grundzentrum. Was steckt hinter den Wachstumshürden?

Kürzlich beschrieb Bürgermeister Michael Kastl (CSU) der Redaktion, warum die Stadt oft knapp bei Kasse ist. In einem zweiten Gespräch ging es darum, welche strukturellen Umstände es der Stadt ebenfalls schwer machen, die sich aber weniger auf den Haushalt, mehr auf ihre Entwicklung auswirken.

Dazu geht der Bürgermeister auf den Regionalplan ein, der Städte und Gemeinden in verschiedene Kategorien einordnet. Der Plan und seine Kategorien sind wichtige Wegweiser, in welche Richtung sie sich entwickeln sollen. 

Ober-, Mittel- und Grundzentren

In der Kategorie des Oberzentrums ist beispielsweise Schweinfurt, Aschaffenburg oder Bad Neustadt/Bad Kissingen als gemeinsames Oberzentrum. Städte wie Hammelburg, Mellrichstadt oder Bad Königshofen gelten als Mittelzentrum. Münnerstadt wird als Grundzentrum beschrieben, wie auch Bad Bocklet, Wildflecken oder Oerlenbach. 

Grundzentren sollen die Grundversorgung der Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde und mindestens einer Nachbargemeinde sichern. Vorhanden sein sollten eine Grundschule, Apotheke, Hausarztpraxis, Post und Bank, Waren des täglichen Bedarfs sowie Pflege- und Betreuungsangebote.

Die Mittelzentren sollen als Arbeitsplatzschwerpunkte und Sitz von Einrichtungen des gehobenen Bedarfs gesichert und entwickelt werden. Dazu gehören weiterführende Schulen, stationäre medizinische Versorgung, Theater und Konzertsäle sowie höherrangige Rechts- und Verwaltungseinrichtungen.

Münnerstadt als Grenzfall

Städte, die zur Region Main-Rhön gehören und Grundzentren sind, haben durchschnittlich 4680 Einwohnerinnen und Einwohner. Münnerstadt hat darunter mit rund 7600 die meisten. Städte, die hier als Mittelzentren gelten, sind im Schnitt 8100 Einwohnerinnen und Einwohner stark – die kleinste Stadt hat 5500.

In Münnerstadt hat Michael Kastl nicht die Absicht, nach einer Amtszeit als Bürgermeister aufzuhören.
In Münnerstadt hat Michael Kastl nicht die Absicht, nach einer Amtszeit als Bürgermeister aufzuhören. // René Ruprecht (Archiv)

 „Die meisten Städte unserer Kragenweite in der Region sind Mittelzentren“, beschreibt Kastl. Er sieht Münnerstadt eigentlich falsch eingeordnet. Doch er weiß auch: „Ähnliche Städte wie Münnerstadt liegen meist etwas weiter entfernt von den größeren Zentren wie Bad Neustadt oder Bad Kissingen und übernehmen daher selbst eine Art Zentrumsfunktion für ihr Umland.“

Lage zwischen zwei Städten 

Münnerstadt sei jeweils nur 15 Minuten von der nächstgrößeren Stadt entfernt. „Und damit ist die große Frage, wo die Entwicklungsziele Münnerstadts liegen und wo übergeordnete Behörden sie sehen“, so Michael Kastl. Wäre Münnerstadt nicht da und man würde dort eine neue Siedlung planen, würde man dem Regionalplan folgend nicht wieder eine Stadt bauen, sondern eher eine große Wohnsiedlung, schätzt Michael Kastl. 

„Aber die Stadt ist seit 1250 Jahren da, auch als großes Zentrum: Wir haben die historische Altstadt, die historische Schullandschaft und städtische Strukturen.“ Sogar eine Fachklinik und eine wachsende Industrie seien vorhanden. 

„Downgrade“ ist keine Alternative

Nur die Vorgaben eines Grundzentrums zu erfüllen, ist für den Bürgermeister aus diesen Gründen „unmöglich und auch inakzeptabel“. Ein „Downgrade“ sei nicht das Ziel der Stadt.

Auf der anderen Seite steht: Alle öffentlichen Stellen und bestimmte private Firmen müssen sich an den Regionalplan halten, wenn sie etwas planen oder bauen. Unter diesen Bedingungen würde sich wohl nicht wieder eine Fachklinik oder eine neue weiterführende Schule hier ansiedeln. 

Die unsichtbare Wand

Münnerstadt sei als Stadt mit diesen Bedingungen „eine Exotin“, so Kastl. Die Wahrnehmung von außen als kleine Stadt zwischen zwei großen gegen die eigene Wahrnehmung als historisches Zentrum mit Schulen, Industrie, Altstadt und einem kulturellen Leben treffe oft gegeneinander: „Es ist eine Art unsichtbare Wand, gegen die die Stadt Münnerstadt seit Jahrzehnten immer wieder stößt.“

Ziel des Bürgermeisters und des Stadtrates sei es, dass der Stadt perspektivisch wieder die Entwicklungsmöglichkeiten eingeräumt werden, die ihrer Struktur und ihrer Bedeutsamkeit für die Region entsprechen. 

Dies war Teil 2 von drei Teilen. In Teil 1 ging es um strukturelle Probleme, die sich auf den Haushalt auswirken. Im dritten Teil geht es um Lösungsansätze, wie eine positive Entwicklung in der Zukunft möglich ist. 

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