Am Montag kam die freudige Nachricht: Das Landratsamt hat den Haushalt 2025 genehmigt. Zwar war in diesem Jahr die Haushaltsdebatte besonders schwierig, doch auch in den vorherigen Jahren sah es bei diesem Thema nicht rosig aus.
Doch warum sind die Kassen in der Stadt immer so klamm? Bürgermeister Michael Kastl (CSU) wagt einen Erklärungsversuch und macht dabei verschiedene Punkte aus.
Dabei betont er: „Die Stadt Münnerstadt ist etwas Besonderes. Das zeigt sich an verschiedenen Merkmalen. Jedes Merkmal an sich macht es vielleicht noch nicht so ganz besonders, aber die Kombination der Merkmale eben schon“.
1. Die Größe mit 93 Quadratkilometern
Mit 93 Quadratkilometern ist Münnerstadt nach Hammelburg und gemeindefreiem Gebiet der Ort mit der größten Fläche. Und Fläche bedeutet: Kosten für Straßenbau, die Wasser- und Abwasserinfrastruktur sowie deren Unterhalt und die gesamte Grünpflege.
2. Die Anzahl der Stadtteile
Münnerstadt hat neben der Kernstadt zehn Stadtteile. Heißt: Alle Aufgaben sind mal elf zu rechnen. Das bedeutet etwa Kosten für elf Feuerwehrhäuser sowie die Ausstattung mit Autos und Gerät. Zudem gibt es elf Friedhöfe, von denen die die Stadt neun unterhält. Bei den 14 Kirchen im Stadtgebiet müsse die Stadt vermehrt Zuschüsse geben. Dazu kommen die vielen Dorfplätze, Vereine, Spielplätze.
„Wir haben von allem immer sehr viel“, fasst der Bürgermeister zusammen. Diese Tatsache sieht er keinesfalls als negativ, doch wäre seine Arbeit einfacher, wenn Förderungen sich nicht nur nach Bevölkerungszahl, sondern auch nach Anzahl der Stadtteile richten würde.
3. Städtische Aufgaben als Kleinstadt
Dieser Punkt fasst die ersten beiden zusammen: Münnerstadt hat – verglichen mit anderen Städten – im Verhältnis zu ihrer Größe relativ wenige Einwohner. Nachdem viele kommunale Einnahmen von der Einwohnerzahl abhängen, ist dies eine wichtige Einnahmequelle. Andere Städte könnten ihre städtischen Aufgaben mit mehr Einwohnern pro Fläche besser schultern.
4. Die historische Altstadt
„Alles innerhalb der Stadtmauern ist ein Ensembledenkmal. Damit kommen auf uns auch immer wieder Kosten zu“, sagt Michael Kastl. So musste die Stadt zuletzt das Jörgentor sanieren, was rund eine Million Euro kostete. „Diese Denkmäler kommen aus einer Zeit, in der Münnerstadt noch eine zentralörtliche Funktion hatte“, ordnet er ein.
5. Münnerstadt als Schulstandort
Münnerstadt hat neben seiner Grundschule die Montessori-Schule, das Gymnasium, das Berufsbildungszentrum und die Bestatterschule. „Das bringt viele kulturell Interessierte in die Stadt, weshalb wir ein kulturelles Angebot bieten müssen, das Gemeinden gleicher Größe meist nicht vorhalten.“ Dazu gehören etwa die Bücherei, Musikschule mit Orchester oder Zuschüsse zum kulturellen Leben in der Stadt.
6. Die Lage zwischen zwei großen Städten
Ein struktureller Grund, der sich auf die Stadtentwicklung und damit indirekt den Haushalt auswirkt, ist die Lage der Stadt zwischen Bad Neustadt und Bad Kissingen. „Vergleichbare Städte liegen meist etwas weiter entfernt von größeren Städten und übernehmen daher selbst eine Art Zentrumsfunktion.“
Das sei in Münnerstadt nicht der Fall. „Wäre Münnerstadt nicht da und man würde am Reißbrett eine neue Siedlung planen, würde man an dieser Stelle nicht wieder eine Stadt bauen, sondern eher eine große Wohnsiedlung im Speckgürtel der beiden größeren Städte Bad Neustadt und Bad Kissingen.“
Doch historisch gewachsen habe Münnerstadt all die Aufgaben als Stadt, hat die Schullandschaft, historische Bauten, kulturelle Einrichtungen und sei in diesen Bereichen noch immer relevant.
7. Keine großen Gewerbegebiete möglich
Bei den Arbeitsplätzen sehe es dank Nipro, Thoraxzentrum und weiterer Betriebe gar rosig aus, sagt Kastl. Im Vergleich der Arbeitsplätze im Ort pro Einwohner wird sichtbar: Münnerstadt liegt landkreisweit im oberen Drittel. Dennoch würde ein großes Gewerbegebiet der Stadt durch Gewerbesteuereinnahmen sehr helfen, Michael Kastl sieht dies aber nicht realistisch.
„Die Topografie mit den Hügeln, Wasserschutz- und Naturschutzgebieten, Autobahn und Bahnlinie geben nicht diese günstig zu erschließenden Top-Lagen für ein Gewerbegebiet her“, sagt er. Die Stadt hätte im Rahmen des Autobahnbaus dort oben billig eines erschließen können. Diese Gelegenheit habe man leider nicht genutzt.
Stadtnah sieht der Bürgermeister derzeit keine großen Möglichkeiten, in den Dörfern fehle die erforderliche Infrastruktur für ein großes Gewerbegebiet.
8. Leerstand von Wohnungen und Geschäften
Beim Wohnraum gebe es zwar ungenutzte Potenziale, aber das größere Problem sieht Kastl bei den Geschäften. „Was den Handel angeht, ist das unglaublich schwierig. Hier sehe ich keine allzu gute Prognose.“ Zwar würden mehr Geschäfte mehr Gewerbeeinnahmen bringen und weniger Wohnungsleerstand die Bevölkerungszahl steigern, aber auf die Haushaltslage wirke sich das weniger aus. Es würde jedoch die Altstadt beleben und bedeute einen Attraktivitätsgewinn der Stadt.
Dies war Teil 1 von drei Teilen. Im nächsten wird es um ein weiteres strukturelles Problem der Stadt gehen, das sich eher auf die Entwicklung als auf die Finanzlage auswirkt und im dritten Teil geht es um Lösungsansätze, wie eine positive Entwicklung in der Zukunft möglich ist.













