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Strukturelle Probleme (3)
So kann es mit Münnerstadt bergauf gehen
Münnerstadt setzt auf erneuerbare Energien - dies ist eine Möglichkeit, um in eine bessere Zukunft blicken zu können.
Münnerstadt setzt auf erneuerbare Energien - dies ist eine Möglichkeit, um in eine bessere Zukunft blicken zu können. // Tom Weller/dpa/dpa-tmn
Münnerstadt – Die Kleinstadt ist notorisch pleite und kämpft um eine gewisse Daseinsberechtigung als Stadt. Der Bürgermeister nennt fünf Handlungsmöglichkeiten, wie sich die Situation ändern kann.

In zwei Teilen wurden bisher strukturelle Umstände beschrieben, die sich zum einen auf den Haushalt der Stadt, zum anderen auf die Außenwahrnehmung und damit Relevanz und Entwicklungsmöglichkeiten auswirken. In einem dritten Teil geht es darum, wie Münnerstadt dagegenwirken kann.

„Derzeit ist es sehr schwierig, dass Münnerstadt wieder auf den grünen Zweig kommt“, sagt Bürgermeister Michael Kastl (CSU). Doch hoffnungslos ist er nicht. Einiges könne die Stadt aus eigener Kraft schaffen, anderes müsse sich durch andere Rahmenbedingungen ändern.

1.  Investition in erneuerbare Energien

Münnerstadt müsse seine „eigene Nische finden“. Michael Kastl hofft, dass dies der eingeschlagene Weg ist: die Energiewende unterstützen und davon profitieren. Die Stadt plant mit anderen Kommunen einen Windpark, steht der geplanten Stromleitung P540 mit Energieknotenpunkt offen gegenüber und unterstützt den Bau eines Wasserstoff-Elektrolyseurs. 

Der geplante Windpark Bildhäuser Forst werde die Stadt finanziell entlasten. „Allein die EEG-Förderung ist ein kleiner, sechsstelliger Betrag“, weiß Kastl. Diese Gelder bekommt die Stadt, weil auf oder nahe ihrer Gemarkung Windräder stehen. 

Dazu kommt: Entweder kann die Stadt ihre festgelegten Anteile halten und erhält einen Gewinnanteil durch den Verkauf des Stroms, oder sie gibt die Anteile weiter und erhält hierfür einen Gewinn. „Wie viel genau die Stadt profitiert, ist noch nicht sicher, aber es wird merkbar sein.“

Der geplante Elektrolyseur produziert Wasserstoff. „Wir wollen über ein privates Konsortium einen Elektrolyseur errichten, um heimische Firmen mit grünem Wasserstoff zu versorgen und auch andere Betriebe nach Münnerstadt zu ziehen.“ Eine Förderzusage für den Elektrolyseur gibt es bereits – und freie Gewerbegrundstücke. 

2. Bereich Bildung und Kultur stärken

Den Bereich Bildung und Kultur zu stärken, sei wichtig, damit sich Schulen halten oder gar vergrößern. Dies bringe Leben in die Stadt und unterstreicht die Relevanz als Schulstandort. 

Dazu gehört, dass die Stadt die Montessori-Schule aktiv anwarb, aber auch der Plan des Bildungscampus am ehemaligen BBZ mit Schülerhort und Montessori-Schule. Auch versuche die Stadt in ihren Möglichkeiten, ein infrastrukturelles und kulturelles Angebot für Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler vorzuhalten – etwa Bücherei, Musikschule, Gastronomie oder einfach Parkplätze. 

3. Investition in die Stadt und die Stadtteile

Eine attraktive Stadt zu sein, sei wichtig, um weiterhin Bedeutung zu haben und um Einwohnerinnen und Einwohner zu halten und anzuziehen – die hier Steuern zahlen, konsumieren und gleichzeitig Arbeitskräfte sind. Die Attraktivität sei auch wichtig, um für die Schulen interessant zu bleiben. 

Dazu gehören beispielsweise die vier großen städtebaulichen Projekte der Stadt: Treibhaus-Areal als Wohnquartier, Jörgentorpark, Lache-Parkplatz und der Durchweg am Alten Anger (am Dicken Turm). Beim Treibhaus-Quartier seien beispielsweise auch Arbeitgeber am Wohnungsbau für Fachkräfte interessiert. 

Zudem investiert die Stadt in die hausärztliche Versorgung, indem ein MVZ mit Gemeinden der NES-Allianz entstehen soll. Auch die Bemühungen um das Fachmarktzentrum sollen die Stadt attraktiver machen und Auswärtige anziehen. 

Gleichzeitig solle die Innenstadt revitalisiert werden, etwa indem die Stadt ungenutzte Räume anmietete und in neue Hände gab, zwischen Geschäftsleuten und Immobilienbesitzern vermittelt oder sich wie bei Tante Enso intensiv für die Ansiedlung einsetzte.

Die Stadt investiert auch in die Ortsteile, um das Leben dort attraktiv zu halten. „Wir erneuern Straßen und Ortsdurchfahrten, investieren in Gebäude und Plätze“, so Michael Kastl. Bald starte der Glasfaserausbau.

4. Außenwahrnehmung verändern/stärken

Um nicht immer gegen eine unsichtbare Wand zu laufen, müsse Münnerstadt als das wahrgenommen und akzeptiert werden, was es ist: „eine Kleinstadt – mit zentraler Funktion in den Bereichen Bildung und Arbeitsplätze.“

Die Stadt sei durch die Kombination ihrer Merkmale „eine Exotin“, die in diesen Bereichen noch immer bedeutend sei und müsse diese Wahrnehmung auch so nach außen tragen. 

5. Verbesserte Rahmenbedingungen 

Der Bürgermeister würde sich auch freuen, wenn sich gewisse Rahmenbedingungen ändern würden. Finanziell würde der Stadt helfen, wenn Förderungen mehr auf die Anzahl an Stadtteilen ausgerichtet wären. Das mehr an Kosten für Feuerwehren, Straßen oder Dorfplätzen würde damit leichter finanzierbar. 

Gelder für den Erhalt der historischen Gebäude oder für Kinderbetreuungsangebote spielten ebenfalls eine Rolle, doch es ginge auch einfacher: „Ein paar mehr Experimentierklauseln wären hilfreich, um Lösungen zu finden, die von den Standards abweichen.“

Auch die Wahrnehmung der Stadt von außen, vor allem durch die höhere Politik und höhergestellte Behörden, als das, was die Stadt besonders mache, sei wichtig, um sich in Zukunft gut entwickeln zu können. 

Fazit 

Zum Ende fasst Michael Kastl zusammen, wie die Stadt eine bessere Entwicklung für ihre Finanzlage und Relevanz erzielen kann: „Die Stadt muss sich ihrer selbst bewusst werden, ihrer Stärken und Schwächen – und eine entsprechende Handlungsstrategie entwickeln und umsetzen. Hier sind wir bereits gut unterwegs. Gleichzeitig muss sie von außen als das wahrgenommen werden, was sie ist, und dementsprechend behandelt und unterstützt werden. Daran arbeiten wir noch.“

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