Es sind die verschluckten Selbstlaute, die vereinzelt in der an sich hochdeutsch distanzierten Diplomatensprache dem Vortragenden ein Stück Heimat entlockten. Günther Knieß (75) Botschafter a.D., kommt aus einer Maßbacher Bauernfamilie und bekennt sich bis heute zu seinen unterfränkischen Wurzeln – nicht nur, weil sein Bruder dort lebt.
Da ist es kein Wunder, dass in der sehr gut besuchten Schönborn-Kolleg Veranstaltung im gleichnamigen Gymnasium auch wieder etliche Lauertaler waren, für die der fränkischer Akzent Alltag ist. Schulleiter Peter Rottmann gehört als gebürtiger Poppenläurer dazu, doch die Verbindung geschaffen hat Josef Reichert aus Weichtungen.
Ins kalte Wasser springen
Günther Knieß musste in seinem Berufsleben oft in das berühmt-berüchtigte „kalte Wasser“ springen. In Managua, der Hauptstadt von Nicaragua, wurden in den Revolutionswirren 1986 acht deutsche Entwicklungshelfer entführt. Der junge Botschaftssekretär Günther Knieß wurde dem schon damals legendären Politiker und Krisenmanager Hans-Jürgen Wischnewski als spanisch sprechender Begleiter zugeteilt und zu den Verhandlungen geschickt. Er beschreibt den Hubschrauberflug in das Gebiet der Rebellen als abenteuerlich. Nach wenigen Tagen waren die Deutschen wieder frei. So etwas lernt man nicht in der Schule.
In Maßbach in den Sechzigern gab es einen Volkschullehrer, Heinrich Kretschmer, der den bildungshungrigen Bauernjungen Günther förderte. Dazu musste er Vater Knieß die weiterführende Schule schmackhaft machen. Der hatte seinen Erstgeborenen eigentlich als Hofnachfolger im Sinn.
Günther Knieß schaffte die Aufnahmeprüfung für die Mittelschule (heute Realschule) in Schweinfurt und wurde dann, dank der energischen Fürsprache im Kuhstall des Vaters von seinem neuen Lehrer Rudolf Müller, der später lange Zeit Bundestagsabgeordneter (SPD) für Schweinfurt war, in die höhere Handelsschule aufgenommen.
Nach dem Abitur studierte Günther Knieß Wirtschaftsingenieurwesen in Karlsruhe. 1976 begann der Einstieg in die Attaché-Ausbildung in Bonn.
„Ich habe anfangs mit dem Beruf des Diplomaten gefremdelt. Es hat eine Weile gedauert bis ich angekommen war “, sagt Günther Knieß über den damals ungewöhnlichen Weg eines Maßbacher Bauernkindes in die Welt von Macht und Diplomatie.
Zunächst nach Jordanien
„Hauptsache raus!“. Es war ihm egal, wohin ihn der Weg führen würde. Es wurde 1976 Jordanien und das Land lernte er als Kulturreferent kennen. Die Botschaft dort war auch für die von Israel bis heute besetzte Westbank zuständig. Dort lernte er arabisch, so wie er vorher, noch in der Ausbildung, für eine kurze Zeit nach Madrid ging um spanisch zu lernen.
Portugiesisch stand später auf der Agenda. „Es geht in der Diplomatie sehr viel ums Zuhören, da ist es sehr von Vorteil die Landessprache zu beherrschen“. Normalerweise gehen Diplomaten nach einem Auslandsaufenthalt für einige Jahre zurück nach Deutschland. Günther Knieß nennt den Umstand „glücklich“, dass er vom Orient gleich nach Mittelamerika versetzt wurde.
Als „sportlich“, bezeichnetet Günther Knieß die Tatsache, dass der amtierende Botschafter ihm gleich nach seiner Ankunft in Nicaragua 1980 seine Abwesenheit für Wochen ankündigte. So war der junge Maßbacher faktisch Botschafter in einem von Revolution durchschüttelten Land.
Er fand es – wie die deutsche Regierung ebenso – durchaus sympathisch, dass nach der besiegten Diktatur, nun Bildung und medizinische und soziale Kompetenz im Land gestärkt wurde. Er hatte einen Polit-Tourismus aus Deutschland zu organisieren, unter anderen kam auch Kanzler Willy Brandt zum neuen Machthaber Daniel Ortega (der übrigens nach einer Pause das Land seit 2007 diktatorisch regiert). Günther Knieß begleitete und dolmetschte, obwohl der Kanzler spanisch beherrschte, es aber nicht preisgeben wollte.
Von 1984 bis 1987 war er dann Referent für deutsch-brasilianische Beziehungen in Bonn. Knieß sieht die Zeit als Rückschritt und Unterforderung.
Botschaftsrat in Indonesien
1987 bis 1990 ging er als Botschaftsrat dann nach Indonesien. Vor allem der Konflikt in Ost-Timor, einer ehemaligen portugiesischen Kolonie, die von Indonesien nach der Nelkenrevolution im Mutterland gewaltsam besetzt wurde, musste in der Botschaft bearbeitet werden.
1990, im Jahr der Wiedervereinigung war Günther Knieß stellvertretender Leiter des Südostasien-Referats. Die abgewickelte DDR war vorher sehr stark in Indochina vertreten gewesen. Somit war unter anderem deren Eigentum in den Besitz des neuen Deutschlands überzuführen. Auch hier gab es anekdotisch viel aus dem Referat zu erzählen.
Für seinen Aufenthalt in Mexiko findet Günther Knieß viele lobende Worte. Land und Leute seien dank ihrer mehrteiligen Kultur faszinierend. Ein Höhepunkt bei der Arbeit sei ein Besuch von Bundespräsident Roman Herzog gewesen.
Internationale Konferenzen
Zwischendurch war Günther Knieß Leiter des Referats für internationale Konferenzen. Es war die Zeit der großen Afghanistan-Konferenz in Bonn. Seine letzten beiden Stationen waren der Botschafter-Posten in Argentinien (2008 bis 2012) und in Kolumbiens Hauptstadt Bogota (2012 bis 2016).
Günther Knieß hat sich für den Rest seiner Berufsjahre und möglichst weit darüber hinaus noch vier Meilensteine gesetzt: 1. Tägliches Yoga, auch mit Anleitung für Andere, 2. eine Biografie schreiben und veröffentlichen, 3. Als Trauerredner Menschen auf ihrem letzten Weg begleiten, 4. Meditation in seiner konsequenten Weise.









