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Üben für den Ernstfall
Wie Reservisten der Bundeswehr helfen
Heimatschutzkräfte aus Wildflecken üben Ernstfall
Drohnen helfen mit KI, Wärmebildkamera und Laserentfernungsmessung das Gelände exakt aufzuklären. // Anand Anders
Hammelburg – Der Heimatschutz wird in der Bundeswehr wichtiger. Aber wie unterstützen Reservisten bei der Landesverteidigung? Ein Training der 2. Kompanie aus Wildflecken gibt einen Überblick.

Schwerbewaffnete Soldaten sichern einen militärischen Checkpoint. Sie halten Fahrzeuge an, kontrollieren die Insassen und checken die Fahrzeuge auf Waffen, Peilsender und Gegenstände, die gefährlich oder illegal sind und zur Sabotage sowie Spionage verwendet werden können. Im Extremfall müssen sie schießen.

Aufklärungsdrohnen steigen auf; mit Laserentfernungsmessung, Infrarot- und Wärmebildkamera sowie KI-Unterstützung wird die Lage rund um den Checkpoint genau beobachtet.

Heimatschutzkräfte aus Wildflecken üben Ernstfall
Heimatschutzkräfte aus Wildflecken trainieren auf dem Lagerberg für den Einsatz: das Sichern eines Checkpoints, also eines Zugangs zu militärisch schützenswerten Einrichtungen. // Anand Anders

Bei den Uniformierten, die auch schwere Maschinengewehre, Granatwerfer und Scharfschützengewehre bedienen, handelt es sich allerdings nicht um aktive Berufssoldaten der Bundeswehr, sondern um Heimatschutzkräfte, also größtenteils um Reservedienstleistende.

Unterstützung für die Bundeswehr

Die Übung ist Teil der Ausbildung, die aktuell die 2. Kompanie des Heimatschutzregiments I. absolviert. Die Kompanie ist in der Rhön-Kaserne in Wildflecken beheimatet. Auf dem Truppenübungsplatz in Hammelburg üben sie den Ernstfall.

Die Soldaten der Reserve lernen laut dem stellvertretenden Kompaniechef, Hauptmann der Reserve Ullrich K., unter anderem, wie sie die Bundeswehr im Spannungsfall im Inland unterstützen.

Heimatschutzkräfte aus Wildflecken üben Ernstfall
Eine Heimatschützerin spiegelt die Unterseite des Lasters ab. Sie überwacht, dass nichts durch den Checkpoint durch geschmuggelt wird. // Anand Anders

Den Heimatschutz insgesamt und die Kompanie in Wildflecken gibt es in ihrer jetzigen Form noch nicht lange.

Doch was verbirgt sich dahinter? Wie ist der Heimatschutz aufgestellt? Was sind die Aufgaben des Heimatschutzes und wie trainieren die Reservedienstleistenden für den Einsatz? Die Redaktion hat die 2. Kompanie begleitet und gibt einen Überblick über wichtige Fragen und Antworten.

Seit wann gibt es den Heimatschutz?

Als Vorgänger wurden laut dem stellvertretenden Kompaniechef im Jahr 2013 regionale Sicherungs- und Unterstützungskompanien ins Leben gerufen. Seit 2019 gibt es ein bayerisches Landesregiment mit drei Kompanien.

Dieses wurde 2022 zum Heimatschutzregiment umgebaut und die Truppenstärke vergrößert. Seit April 2025 ist der Heimatschutz dem Deutschen Heer unterstellt und damit eine eigene Truppengattung: die Heimatschutzdivision mit Sitz in Berlin. Heute gibt es deutschlandweit sechs Regimenter.

Heimatschützer in der Rhön-Kaserne: Wer dient in der 2. Kompanie?

Das Heimatschutzregiment I. besteht aus 15 Kompanien. Der 2. Kompanie gehören rund 90 Personen aus ganz Bayern an, sie dienen alle als Soldaten der Reserve.

Die Altersspanne liegt zwischen 20 und 60 Jahren, das Durchschnittsalter beträgt etwa 40 Jahre. Die Truppe ist bunt gemischt, vom hauptberuflichen Hausmeister über Handwerker und Schulleiter bis zu Ingenieuren.

„Einige Kameraden waren vor Jahren als Zeitsoldaten bei der Bundeswehr, andere, junge Kameraden hatten vor kurzem ihren freiwilligen Grundwehrdienst geleistet“, erklärt der Offizier.

Heimatschutzkräfte aus Wildflecken üben Ernstfall
Obwohl der Großteil der Heimatschutzkräfte aus Reservedienstleistenden und nicht aus aktiven Soldaten besteht, lernen sie den Umgang auch an schweren Waffen. // Anand Anders

Sie hatten zum Teil über Jahre keinen Kontakt mehr zur Bundeswehr und werden deshalb in verschiedenen Bereichen ausgebildet, vom Training an der Waffe bis hin zu Taktik. Alle Reservisten müssen, wie aktive Soldaten auch, vorab eine Sicherheitsüberprüfung sowie einen medizinischen Check bestehen.

„Die Tauglichkeit muss gegeben sein“, sagt er. Zum Dienst gehört auch, sich regelmäßig vom Arbeitgeber für Übungen freistellen zu lassen.

Welche Aufgaben haben die Heimatschutzkräfte? 

Wie der stellvertretende Kompaniechef erläutert, ist der Heimatschutz nicht für den Einsatz in Kriegsgebieten vorgesehen, sondern – der Name sagt es – mit Schutzaufgaben in Deutschland betraut. Er könne zum Beispiel im Katastrophenfall eingesetzt werden, etwa um Feuerwehren und THW bei Hochwasser zu unterstützen.

Heimatschutzkräfte aus Wildflecken üben Ernstfall
Die Soldaten der Reserve halten einen Militärlaster an. // Anand Anders

Originärer Auftrag sei es, die Bundeswehr im Spannungsfall zu entlasten, damit möglichst viele Kräfte für die Landesverteidigung frei sind.

Der Verband in Wildflecken könne beispielsweise eingesetzt werden, um kritische und militärisch relevante Infrastruktur zu schützen und er könne dabei helfen, große Militärkonvois abzusichern, die durch Deutschland verlegt werden.

Was ist die Drehscheibe Deutschland?

Im Verteidigungs- oder Bündnisfall fungiert Deutschland aufgrund seiner zentralen Lage in Europa als logistische Drehscheibe für Nato-Partner. „Wir sind ein potenziell gigantischer Umschlagplatz mit viel wichtiger Infrastruktur wie Hochseehäfen, Flughäfen und auch der Bahn“, sagt er.

Wenn militärische Konvois mit Truppen, Waffen, Munition und Material durch das Land verlegt werden, „kommt logistisch einiges zusammen, das bewerkstelligt werden muss“.

Heimatschutzkräfte aus Wildflecken üben Ernstfall
Ein Heimatschützer durchsucht den Fahrer eines Kleinbusses auf Waffen. // Anand Anders

Zum Beispiel benötigen diese Konvois „Rastplätze“, sogenannte Convoi Support Center, auf denen die Truppen verpflegt und die Fahrzeuge betankt und bei Bedarf Reparaturen gemacht werden. Aufgabe der Heimatschutzkräfte könne es sein, dafür zu sorgen, dass kein Unbefugter diese Rastplätze betreten darf.

Was wurde in Hammelburg trainiert?

Um das Sichern von militärischen Rastplätzen ging es bei der Übung in Hammelburg: Der Checkpoint, den die Soldaten überwachen und sichern, ist im Szenario der Zugang zu einem Militärkonvoi.

„Wir simulieren eine hybride Bedrohungslage, mit vereinzelten feindlichen Kräften“, erläutert der Offizier. Unterstützt wird die Übung von Militärpolizisten.

Zur Übung gehört alltägliches Polizeigeschäft wie Personenkontrollen und das Feststellen der Identität, es wird das Abspiegeln der Fahrzeuge geübt, also eine genaue Sichtkontrolle und auch das Abwehren von bewaffneten Versuchen, einzudringen. Das Aufklären mit Drohnen ist seit diesem Jahr ebenfalls ein Ausbildungsschwerpunkt.

Betrifft die aktuelle Wehrdiskussion den Heimatschutz?

„Wir nehmen eine starke Aufwertung des Heimatschutzes wahr“, sagt der Hauptmann der Reserve. Die Milliardeninvestitionen bei der Bundeswehr machen sich auch in der Ausrüstung und Ausbildung der Reservisten bemerkbar.

Sie würden gleichbehandelt wie aktive Soldaten. „Das ganze unterliegt einer großen Ernsthaftigkeit“, betont er. Steigende Bewerberzahlen würden diese Entwicklung untermauern.

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