Vorfälle mit Drohnen haben sich in Deutschland und europaweit massiv gehäuft, wie zuletzt an zwei Tagen hintereinander am Flughafen München. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder kündigte bereits ein Gesetz zur Drohnenabwehr an.
Mit der Formulierung „Abschießen statt Abwarten“ verdeutlichte der CSU-Chef seine Pläne. Doch es gibt auch Alternativen zum Abschuss von Drohnen, wie ein Forschungsprojekt mit Beteiligung der Universität Würzburg zeigt.
Innovatives Drohnenabfangsystem
Seit 2017 forscht der Informatiker Julian Rothe unter anderem im Projekt „IDAS PRO“ an einem „innovativen Drohnenabfangsystem“, das potenziell bedrohliche Drohnen einfängt. Das funktioniert so: Sensoren am Boden erkennen, dass ein unbemanntes Luftfahrzeug in einen festgelegten Sicherheitsbereich eindringt.
Wird die Drohne als Gefahr identifiziert, kann ein Entscheider einen Störsender aktivieren. Dieser kappt die Verbindung der Drohne zur Steuereinheit, was meist dazu führt, dass die Drohne auf der Stelle schwebt.
Hier kommt die Entwicklung der Uni Würzburg zum Zuge: Auf Knopfdruck fliegt eine Abfangdrohne dem Eindringling entgegen und verfolgt diesen eigenständig. Sobald sich die Drohnen nahe genug sind, rollt die Abfangdrohne ein rechteckiges Netz unter sich aus und fliegt weiter auf den Eindringling zu, bis sich dieser im Netz verheddert. Mit dem gefangenen Objekt im Netz fliegt die Abfangdrohne zu einem vorher festgelegten, sicheren Ablageort.
An abgefangenen Drohnen können Beweise gesichert werden
Die Methode hat Rothe zufolge gleich mehrere Vorteile gegenüber einem Abschuss. Allen voran: Die Drohne fällt nicht einfach vom Himmel. Über Menschengruppen oder auch an Flughäfen reduziert sich dadurch das Risiko von Kollateralschäden.
Außerdem wird das Objekt nicht zerstört, dadurch können mögliche Beweise gesichert werden, wer hinter dem Flug steckt. Zudem werde kein fremdes Eigentum beschädigt, falls doch eine zulässige Drohne abgefangen werden sollte, sagt der Würzburger Informatiker.
Das Bundesforschungsministerium förderte im Rahmen der zivilen Sicherheitsforschung die Projektpartner mit insgesamt 2,5 Millionen Euro. Davon gingen 300.000 Euro an die Universität Würzburg. Mit den mutmaßlich russischen Spionagedrohnen hat das Forschungsfeld an Brisanz gewonnen. Das spüren auch Forschungsgruppenleiter Rothe und sein Team: „Es gab einige Rückfragen aus der Industrie“, sagt der Informatiker.
Mögliche spätere Anwendungsbereiche sieht Rothe in den Bereichen der kritischen Infrastruktur wie Flughäfen oder Kraftwerke. Auch im Umfeld von Gefängnissen könnten illegale Überflüge verhindert werden, etwa um den Schmuggel von Waffen oder Drogen über eine Mauer zu unterbinden.
Wie es nach Projektende nun weitergeht
In diesem Sommer wurde das Forschungsprojekt „IDAS-PRO“ abgeschlossen, sagt Rothe. „Unser System funktioniert unter idealen Bedingungen.“ In einem fiktiven Szenario hatte sich das Abfangsystem auch vor Experten aus Polizei- und Sicherheitskreisen bewiesen: Bei der Präsentation tauchte bei einer Wahlkampfveranstaltung eine Drohne auf und flog auf Politiker zu. In wenigen Sekunden muss die Drohne unschädlich gemacht werden. Mit Erfolg: Der Eindringling ging ins Netz.
„Als zivile Sicherheitsforschung war es unser Ziel zu zeigen, was machbar ist. Das haben wir mit dem Prototyp getan“, sagt Forscher Julian Rothe. Wie geht es jetzt weiter? Dazu will der 35-Jährige nur so viel sagen: Es werde daran gearbeitet, wie aus dem Prototyp ein einsatzfähiges Produkt werden kann.












