Der Weinjahrgang 2025 wird ab Anfang September in die Keller der Winzer gebracht. Aktuell werden schon Trauben für den Federweißen, für Sekt-Grundweine und für alkoholfreie Weine gelesen. Die Grundweine sollten weniger Zucker haben, der bei der Gärung zu Alkohol wird, erklärt Ralf Schwarz, Leiter der Wein-Fachberatung beim Bezirk Unterfranken.
Keine Spätfröste, kein Hagel, keine Hitzewellen: Ralf Schwarz rechnet mit einem soliden Jahrgang. Zwar würden die Karten erst nach dem Spiel ausgezählt, sagt er. Doch die Voraussetzungen für einen guten Jahrgang seien gegeben. Allerdings habe es in weiten Teilen Frankens in diesem Sommer zu wenig geregnet. Das Frühjahr sei generell zu trocken gewesen.
Bilderbuchwetter für den Weinbau in Unterfranken
Aktuell könnten sich die Winzer über ein Bilderbuchwetter freuen, sagt Schwarz. Der sonnige Spätsommer mit kühlen Nächten sei eine gute Voraussetzung für den Weinjahrgang 2025. Kondensat an der Laubwand versorgt die Reben mit etwas Feuchtigkeit, die kühlen Nächte sind gut für die Aromabildung. Warme Nächte mit bis zu 20 Grad wären da wenig hilfreich.
Für einen Fernsehbeitrag hat das Weingut Artur Steinmann schon ein paar Trauben gelesen, sagt Artur Steinmann, der auch Präsident des Fränkischen Weinbauverbandes ist. Richtig gehe es in ihrem Weingut aber erst in der zweiten Septemberwoche los. „Die Trauben im Weinberg sind wie gemalt“, sagt Steinmann. Die Feuchtigkeit im Juli und die Trockenheit im August hätten dem Wein richtig gutgetan. Die Trauben würden vorzüglich schmecken. Jetzt noch ein ein paar kühle Nächte, das wäre perfekt, sagt er.
Konsumverhalten ändert sich beim Wein
Können die Winzer diesen Wein dann auch vermarkten? Derzeit geht der Weinkonsum zurück, die Preise geraten unter Druck. Das Kaufverhalten der Kunden habe sich geändert, sagt Ralf Schwarz von der Wein-Fachberatung. Wein werde zunehmend im Einzelhandel gekauft und konkurriere dort mit Billigprodukten. Das regionale Produkt werde weniger hoch eingeschätzt als der günstige Preis.
Die Lage sei angespannt und für alle Winzer eine Herausforderung. Viele Weingüter kämen mit den schnellen Veränderungen klar. Aber es gebe durchaus auch in Franken Weingüter, die mit starken Einbußen zu kämpfen hätten. Schwierig sei die Situation bei den Erzeugern von Basiswein und Trauben, so Schwarz. Der Preis- und Kostendruck sei immens.
„Wir haben eine weltweite Weinkrise, die vor Franken nicht haltmacht“, sagt Hermann Schmitt, der Geschäftsführer des fränkischen Weinbauverbandes. Die Verbraucher würden sich immer stärker zurückhalten, das merke die Gastronomie, das merke der Weinbau.
Beerenhäute der Trauben in Weinbergen platzen auf
Auch in den Versuchsweinbergen der Veitshöchheimer Landesanstalt für Wein- und Gartenbau starte Anfang September die Lese der früheren Sorten wie Bacchus, Müller-Thurgau oder Frühburgunder, sagt Daniel Heßdörfer, Forschungskoordinator bei der Landesanstalt. Die Lese beginne mittlerweile um mindestens drei Wochen früher als noch vor 20 Jahren.
Das sei ein Problem, weil reife Beerenhäute, die bei Regen aufplatzen, bei 25 Grad viel anfälliger für Fäulnis seien. In heißen Sommern fehlten die kühlen Nächte, die Weine würden weniger aromatisch und die Säure schneller abgebaut. Man forsche an Möglichkeiten, die Reife zu verzögern, sagt Heßdörfer. Kühle Nächte habe es 2025 gegeben. Der Jahrgang habe Potenzial, die Trauben schmeckten vorzüglich. Allerdings dürfe es jetzt nicht mehr viel regnen, weil sonst die Beerenhäute aufplatzen würden.
Auch Artur Steinmann will nicht zu optimistisch sein. 2010 sei es um diese Jahreszeit ähnlich gut gewesen, sagt der Präsident des Weinbauverbandes. Und dann hätten Dauerregen und Hagel zu einem weit unterdurchschnittlichen Jahrgang geführt.












