Am 13. August waren es genau 65 Jahre, dass die DDR in Berlin mit dem Bau einer Mauer begann. Bis dahin gab es an der 1394 Kilometer langen Grenze, wie zum Beispiel in Rhön-Grabfeld und den Haßbergen, einen zehn Meter breiten, umgepflügten Streifen, den man nicht betreten durfte und einen Stacheldrahtzaun. Diese wurden von Volkspolizisten bewacht. Hinzu kamen die ersten Wachtürme, damals noch in Holzbauweisen.
Kreisheimat- und Archivpfleger Reinhold Albert hat die Entwicklung und Aufbau der Grenze zur DDR im Landkreis Rhön-Grabfeld in vielen seiner Vorträge anschaulich geschildert und weiß, dass bereits ein Jahr nach Kriegsende in den Altlandkreisen Mellrichstadt und Königshofen zwei Grenzpolizei-stellen eingerichtet waren.
Diesen unterstanden 21 Grenzpolizei-Posten von Leubach in der Rhön bis Zimmerau im südöstlichen Grabfeld. Am 30. Juni 1946 wurde die Zonengrenze für den Reiseverkehr gesperrt. Illegale Grenzgänger wurden streng bestraft. Im kleinen Grenzverkehr war es allerdings damals noch möglich, dass Bauern oder Arbeiter mit einer Arbeits- oder Flurbescheinigung ihre Felder bewirtschaften oder zu ihren Arbeitsplätzen konnten.
Gelb-weiß markiert
Damals wurde der Grenzverlauf von der US-Grenzeinheit zwischen der russischen und der amerikanischen Besatzungszone mit gelb-weißer Farbe markiert. Einige dieser Grenzpfähle gibt es noch, wie hier bei Eicha.
1947 wurde zwischen Eußenhausen und Henneberg ein Grenzübergang eröffnet, der jedoch am 30. April 1948 wieder geschlossen wurde. Damals begann die östliche Seite erstmals damit, an besonders unübersichtlichen Stellen im sowjetzonalen Grenzraum unmittelbar an der Demarkationslinie erste einfache Stacheldrahtzäune zu errichten. An Straßen und Wegen wurden Sperren aufgebaut. 1949 kamen die ersten Holzwachtürme.
Schon damals wurde auf Flüchtlinge aus der DDR geschossen. Zwischen 1946 und 1952 flüchteten etwa 3000 Personen aus Thüringen nach Unterfranken. Das führte letztendlich zum Stacheldrahtzaun mit einem zehn Meter breiten Kontrollstreifen. Dem schloss sich ein 500 Meter Schutzstreifen und eine fünf Kilometer tiefe Sperrzone an. Reinhold Albert: Der Zehnmeter-Streifen wurde auch „Todesstreifen“ genannt, weil bei Betreten dieses Streifens von östlicher Seite sofort geschossen wurde.
Am 19. Juli 1952 wurde der 27-jährige Zollassistent, Gerhard Palzer in der Nähe der Wegesperre Willmars-Stedtlingen von drei Volkspolizisten auf bayerischem Gebiet erschossen. Palzer befand sich allein auf Dienstgang. Ab 1957 erhielt die Bayerische Grenzpolizei die Aufgabe, der Grenzüberwachung. Oftmals mußten Grenzbeamte mit ansehen, wie Flüchtlinge, tot oder verletzt, von den Grenzsoldaten abtransportiert wurden.
Nach dem Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961 kam es erneut zu Zwangsevakuierungen. Die Sperranlagen auf östlicher Seite wurden immer weiter perfektioniert. 1962 wurde ein zweireihiger Stacheldrahtzaun entlang der Demarkationslinie auf einem 100 bis 150 Meter breiten Geländestreifen gezogen. Zwischen den Zäunen wurden Holzkastenminen verlegt, die bereits auf Druck von einem Kilogramm explodierten.
Verkrüppelt und verblutet
Menschen verbluteten im Minengürtel, andere wurden durch Mineneinwirkung zu Krüppeln, wieder andere wurden ganz einfach erschossen. Nicht zu Unrecht wurde dieser Sperrgürtel als unmenschlichste aller Grenzen bezeichnet.
Ab 1971 baute die DDR mit der „Aktion moderne Grenze“ einen neuen, einreihigen, 3,20 Meter hohen Metallgitterzaun, der zusätzlich einen halben Meter im Erdreich steckt, um ein Untergraben zu verhindern. Später wurden dort sogenannte Todesschuss Automaten angebracht. Beim Berühren der Kontaktdrähte am Metallgitterzaun wurden aus Trichtern etwa 120 scharfkantige Metall- oder Plastiksplitter verschossen.
Nach Abschluss des Grundlagenvertrages zwischen den beiden deutschen Staaten, wurde am 21. Juni 1973 der Grenzübergang Mellrichstadt-Eußenhausen/Meiningen eröffnet, um den Bewohnern grenznaher Kreise die Möglichkeit zu Tagesaufenthalten in grenznahen Kreisen der DDR zu geben.
In den kommenden Jahren wurde die Grenze zum Besuchermagnet. Vor allem die Volkshochschule Sambachshof organisierte gemeinsame Seminare mit der Konrad Adenauer Stiftung. Es gab dazu Fahrten an die Zonengrenze bei Breitensee, Trappstadt und Gompertshausen. Einzelpersonen und Familien, die als politisch unzuverlässig galten, wurden aus dem sowjetzonalen Grenzgebiet zwangsausgesiedelt. Immer wieder kam es zu dramatischen Szenen. In Breitensee wollte ein Kaufmann aus Coburg nach Milz, wo seine Mutter beerdigt wurde. Alles Flehen bei den Volkspolizisten war zwecklos.
Plötzlich läuteten drüben die Glocken. Im Archiv des Bote vom Grabfeld heißt es dazu: „Plötzlich läuteten die Glocken in Milz. Mit einem Aufschrei: „Mutter“ heftete der Mann seinen Blumenstrauß an den Stacheldrahtzaun und ging schluchzend davon. Es sind solche Erinnerungen, die unter anderem bei Vorträgen und Führungen an der einstigen deutsch-deutschen Grenze lebendig werden.














