0
Alte Quellen, neue Regeln
Burkardroth schließt seine Wasserzapfstellen
Wer in Zahlbach Wasser für den Garten oder die Landwirtschaft an der Zapfstelle holen möchte, geht mit leeren Gefäßen nach Hause. (Symbolfoto)
Wer in Zahlbach Wasser für den Garten oder die Landwirtschaft an der Zapfstelle holen möchte, geht mit leeren Gefäßen nach Hause. (Symbolfoto) // Marion Eckert
Burkardroth – Der Markt Burkardroth hat den Hahn zugedreht. Warum Landwirte und Gartenbesitzer jetzt leer ausgehen und warum der Gemeinde keine andere Wahl blieb.

Ein Schild, ein Schloss, kein Wasser mehr. Wer in diesen Tagen an eine der öffentlichen Zapfstellen in Waldfenster, Zahlbach und Gefäll tritt, steht vor verschlossenen Armaturen. Für viele Bürger ist das ein Einschnitt in den Alltag. Landwirte haben hier Wasser für ihre Tiere geholt, Gartenbesitzer für ihre Beete, Obstbauern für ihre Bäume.

Der Marktgemeinderat hatte in seiner jüngsten Sitzung beschlossen, alle kommunalen Wasserentnahmestellen zu schließen und zu verplomben. Die Entscheidung fiel schweren Herzens, war aber nach Einschätzung des Gremiums unausweichlich.

Vergessene Genehmigungen

Die Geschichte hinter dem Beschluss reicht Jahrzehnte zurück. In den 1980er-Jahren wurde die Wasserversorgung im Gemeindebereich grundlegend saniert. Die alten Quellen, die zuvor als Trinkwasserquellen genutzt worden waren, waren danach nicht mehr nötig, weil die Wasserqualität und -menge nicht den Anforderungen entsprachen. Die vorhandenen Leitungen blieben jedoch bestehen und wurden kurzerhand als kostenlose Zapfstellen für die Bevölkerung eingerichtet.

Dass für diese Wasserentnahme eine wasserrechtliche Erlaubnis notwendig ist, geriet mit der Zeit in Vergessenheit. Geschäftsleiter Heiko Schuhmann erklärte das so: „Es war kein Thema mehr für die Gemeinde, weil die Quellen nicht mehr für die Trinkwasserversorgung genutzt wurden. Es geriet einfach aus dem Blick.“

Push-Nachrichten aus Ihrer Region

Mit unseren Push-Nachrichten auf Smartphone, Tablet oder PC sind Sie kostenlos und aktuell über die wichtigsten Nachrichten, Ereignisse und Hintergründe in der Region informiert. (Abmeldung jederzeit möglich.)

Jahrzehnte unbemerkt

Als das Landratsamt Bad Kissingen die Gemeinde darauf aufmerksam machte, dass die Genehmigungen längst abgelaufen waren, teils seit 2011, war das Problem auf dem Tisch. Seitdem versucht die Verwaltung nach eigenen Angaben, eine Lösung zu finden, und führt Gespräche mit dem Wasserwirtschaftsamt. Bisher ohne Ergebnis.

Die Kosten dafür liegen laut Schuhmann pro Quelle im fünfstelligen Bereich, allein für die Antragstellung. Dass das nicht zum Erfolg führen muss, zeigt das Beispiel einer Nachbargemeinde im Landkreis: Sie habe genau diesen Weg versucht und sei gescheitert, ohne je zu einem Ergebnis zu kommen. Auch sie habe ihre Zapfstellen inzwischen geschlossen. In Burkardroth fehlten zudem die Grundlagen für einen Antrag: „Es wurden keine Messungen mehr vorgenommen, seit die Quellen nicht mehr für die Wasserversorgung genutzt wurden. Wofür auch?“

Missbrauch erschwert die Lage

Hinzu kommt ein weiterer Umstand: Das Landratsamt hatte festgestellt, dass das Wasser an den Zapfstellen nicht nur für Landwirtschaft und Gartennutzung verwendet wurde, sondern auch zum Befüllen privater Hauszisternen, also letztlich für die Toilettenspülung. Eine Nutzung, die rechtlich nicht gedeckt ist.

„Eine Duldung ist nicht möglich“, stellt Schuhmann klar. Solange keine gültige Wasserrechtserlaubnis vorliegt, drohen der Gemeinde und dem Bürgermeister persönlich Bußgelder.

Zahlbach: Wenn eine Quelle zwei Nutzer hat

Besonders verworren ist die Lage in Zahlbach. Dort versorgte dieselbe Quelle sowohl die Zapfstelle im Ort als auch die Teichanlage des Angel- und Freizeitvereins Zahlbach. Der Verein hat beim Landratsamt eine wasserrechtliche Erlaubnis für den Weiterbetrieb seiner Fischteiche beantragt.

Wasserwirtschaftsamt und Naturschutzbehörde sprechen sich klar für die Teichnutzung aus: Das Wasser fließe so in den Jakobsgraben zurück, erhalte ein wertvolles Biotop und komme der Allgemeinheit zugute, während die Zapfstelle im Ort nur wenigen Einzelpersonen nütze.

Antrag abgelehnt

Der Gemeinderat lehnte den Antrag des Vereins dennoch ab. „Es wurde grundsätzlich abgelehnt, um für die Bevölkerung ein Zeichen zu setzen“, sagte Schuhmann. Die letzte Entscheidung liegt nun beim Landratsamt als zuständiger Wasserrechtsbehörde.

Für die Gemeinde ist das Thema damit nicht erledigt. Sie will weiter nach einer Lösung suchen, die mit weniger bürokratischem Aufwand auskommt. Ob und wann die Zapfstellen wieder geöffnet werden könnten, ist offen.

Inhalt teilen
  • kopiert!