Im späten 17. und 18. Jahrhundert wurden zwei Drittel der Wälder in Deutschland als Mittel- oder Niederwälder genutzt. Heute nehmen sie nur noch ungefähr 0,1 Prozent der deutschen Waldfläche ein, heißt es in einer Pressemitteilung der Regierung von Unterfranken.
Die kürzlich erschienene Broschüre „Mittel- und Niederwälder in Bayern“ zeigt auf 88 Seiten, warum es sich lohnt, die letzten Bestände dieser besonderen Waldnutzungsformen zu erhalten. Herausgegeben wurde sie vom Biodiversitätszentrum Rhön (BioZ) mit Sitz in Bischofsheim, dem Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) und der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF).
Zahlreiche Initiativen zum Erhalt
„Knapp die Hälfte der deutschen Mittel- und Niederwälder befindet sich in Franken“, stellt Jochen Lange, Regierungsvizepräsident von Unterfranken, fest. Dabei sind die Landkreise Rhön-Grabfeld und Bad Kissingen Hotspots der seltenen Waldformen: Sie beherbergen zusammen 30 Prozent der bayerischen Flächen. Die Fortführung dieser arbeitsintensiven Bewirtschaftungsformen wird mit zahlreichen Initiativen unterstützt. Darunter das gemeinsame Projekt „Lichte Wälder in Franken“ des BioZ und der LWF, in dessen Rahmen die neue Veröffentlichung erarbeitet wurde.
„Die Broschüre ist ein wichtiger Baustein der begleitenden Öffentlichkeitsarbeit und lädt dazu ein, diese besondere Form der Waldbewirtschaftung kennen und schätzen zu lernen“, so Dr. Peter Pröbstle, Präsident der LWF. Die bayerischen Forst- und Umweltverwaltungen fördern die Bewirtschaftung von Mittel- und Niederwäldern zudem mit dem Vertragsnaturschutzprogramm Wald (VNP Wald).
Wertschätzung stärken
Ziel der Publikation ist es, die Wahrnehmung und Wertschätzung von Mittel- und Niederwäldern zu stärken. Entsprechend liegt der Fokus auf ihrem kulturellen und ökologischen Wert sowie auf den Menschen, die diese Wälder bewirtschaften und pflegen. Interviews mit Bewirtschaftern und Menschen aus den Forst- und Umweltverwaltungen geben unter anderem Einblicke in die seit Jahrhunderten angewandten Bewirtschaftungsregeln und -techniken.
Diese gelebte Tradition hat einigen Wäldern sogar die Auszeichnung als Immaterielles Kulturerbe eingebracht. Gleichzeitig zeigen sie die persönliche Motivation der Akteure, sich für den Erhalt dieser besonderen Waldformen einzusetzen. Gestützt auf aktuelle Monitoring-Ergebnisse verdeutlicht die Broschüre zudem die immense Artenvielfalt dieser Lebensräume. „Mittel- und Niederwälder zählen zu den artenreichsten Lebensräumen Bayerns. Allein in den Mittelwäldern Frankens konnten ungefähr 80 Tagfalterarten und rund 550 Arten holzbewohnender Käfer nachgewiesen werden“, erklärt Dr. Monika Kratzer, Präsidentin des LfU.
Die Broschüre ist über den Bestellshop der Bayerischen Staatsregierung kostenfrei erhältlich.













