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Energiewende
Stromautobahn P43 – wie gefährlich ist sie?
Vor allem in Zeitlofs im Landkreis Bad Kissingen regt sich Widerstand gegen die Stromautobahn P43. Das Bild entstand 2023 bei einer Infoveranstaltung für Einwohnerinnen und Einwohner.
Vor allem in Zeitlofs im Landkreis Bad Kissingen regt sich Widerstand gegen die Stromautobahn P43. Das Bild entstand 2023 bei einer Infoveranstaltung für Einwohnerinnen und Einwohner. // Steffen Standke (Archivfoto)
Signet des Fränkischen Tags von Jürgen Haug-Peichl
Zeitlofs – Regionale Bürgerinitiativen gegen die geplante Stromtrasse kritisieren die Bundesnetzagentur und befeuern den jahrelangen Streit.

Die als „Monstertrasse“ kritisierte Stromleitung P43 sorgt in Teilen Mainfrankens seit Jahren für Aufregung. Jetzt hat ein Bündnis aus Bürgerinitiativen nach einem Erörterungstermin zu dem Vorhaben in Schweinfurt der Bundesnetzagentur einige Versäumnisse vorgeworfen. Worum geht es und was sagt die Bundesnetzagentur?

Strom- und Gasleitung übereinander: Wie sicher ist P43?

Die Bürgerinitiative Bergrheinfeld, der Bund Naturschutz Schweinfurt, der Ökokreis Gemünden sowie die Bürgerinitiativen „Pro Sinntal gegen die Stromtrasse“ (Zeitlofs) und „A7 Stromtrasse Nein“ (Wasserlosen bei Schweinfurt) befürchten, dass bei einem Blitzschlag in Strommasten von P43 auch eine nahe Gasleitung getroffen werden könnte. Das sei bislang unberücksichtigt geblieben, schreiben sie in einer gemeinsamen Mitteilung an diese Redaktion. Nach den Plänen von P43-Betreiber Tennet und Bundesnetzagentur befindet sich tatsächlich auf einer Länge von 33 Kilometern zwischen dem hessischen Mottgers und Höllrich im Landkreis Main-Spessart eine unterirdische Ferngasleitung genau in jenem Korridor, in dem die Stromleitung einmal verlaufen soll. Demnach lägen die Strommasten stellenweise direkt über der Gasleitung oder nur wenige Meter davon entfernt. Die Bundesnetzagentur legte sich auf Anfrage nicht fest, wie gefährlich ein Blitzschlag wäre. Das P43-Verfahren stehe am Anfang. Hinweise der Öffentlichkeit würden aufgenommen. Tennet halte „in jedem Fall in seiner Planung alle gesetzlichen Vorgaben, Richtlinien und Grenzwerte ein“, so die Behörde.

Wie stark werden die P43-Höchstspannungsleitungen zum Beispiel Navigationsgeräte stören?

Den Bürgerinitiativen zufolge hätten Landwirte im Raum Schweinfurt die Erfahrung gemacht, dass es unter bestehenden 110- und 380-Kilovolt-Stromleitungen zu Störungen ihrer GPS-Geräte komme. Das beeinträchtige die Arbeit auf den Feldern. Der Bundesnetzagentur ist nach eigenen Angaben ein solcher Zusammenhang nicht bekannt. Die elektrischen und magnetischen Felder von Höchstspannungsleitungen „führen nach bislang vorliegenden Erkenntnissen nicht zu einer grundsätzlich eingeschränkten Funktionalität“ von satellitengesteuerten Navigationsgeräten.

Seit 2019 ist per Gesetz die schnellere Genehmigung von Stromautobahnen möglich: Fällt jetzt der Artenschutz unter den Tisch?

Das Netzausbaubeschleunigungsgesetz des Bundes hat das bisherige Genehmigungsverfahren entschlackt. Die P43-Gegner befürchten, dass damit vor allem schützenswerte Tiere und Pflanzen nicht mehr berücksichtigt werden. Die Bundesnetzagentur räumt in ihrer Stellungnahme ein, dass Betreiber Tennet für P43 im Planfeststellungsverfahren keine Artenschutz- und Umweltverträglichkeitsprüfung machen müsse. Trotzdem werde dem Öko-Gedanken Rechnung getragen: Bei dem Erörterungstermin im Oktober in Schweinfurt sei es unter anderem um eine Natura-2000-Verträglichkeitsstudie zu P43 gegangen. Natura 2000 ist ein EU-weites Netz von Schutzgebieten für die Tier- und Pflanzenwelt. Dazu zählen auch sogenannte FFH-Gebiete (Fauna-Flora-Habitat).

Nach Angaben des Bayerischen Umweltministeriums gibt es südlich von Zeitlofs bis nahe Gräfendorf (Lkr. Main-Spessart) ein solches FFH-Areal. Dort soll auch P43 verlaufen. Die Bundesnetzagentur teilt dazu mit: „Die Einhaltung des geltenden Rechts wird von der Bundesnetzagentur als Genehmigungsbehörde überwacht.“

Betreiber Tennet muss Geld dafür zahlen, dass es für P43 keine Artenschutzprüfung gibt – was heißt das?

Das Gesetz schreibt vor, dass Tennet für die P43-Leitung pro angefangenen Kilometer 25.000 Euro zu zahlen hat – als Ausgleich dafür, dass für das Vorhaben keine Artenschutzprüfung vorgelegt werden muss. Für die 102 Kilometer lange Strecke zwischen Dipperz bei Fulda und Bergrheinfeld kämen also einmalig 2,55 Millionen Euro zusammen.

Der Bundesnetzagentur zufolge ist das Geld zweckgebunden: Es geht an das Nationale Artenhilfsprogramm des Bundesumweltministeriums. Mit diesem Fonds, 2022 vom Bundestag beschlossen, sollen laut Ministerium „durch den Ausbau der Erneuerbaren Energien betroffene Arten einschließlich derer Lebensstätten dauerhaft geschützt“ und die Energiewende vorangebracht werden.

Hintergrund: Die wichtigsten Infos zu P43

Was der Zweck ist: Die geplante Wechselstromleitung P43 soll das Stromnetz zwischen Frankfurt, Fulda und dem Raum Schweinfurt entlasten. Wegen des stark gestiegenen Anteils von Öko-Strom und dessen starken, wetterbedingten Schwankungen gilt das Stromnetz in Deutschland als überlastet. Im Gegensatz zur großen Trasse SuedLink wird P43 nicht unter-, sondern oberirdisch verlegt. Bislang ist für den Abschnitt zwischen Dipperz und Bergrheinfeld von 250 Masten die Rede. Die Fulda-Main-Leitung ist unter dem behördeninternen Kürzel P43 bekannt geworden. Die Bundesnetzagentur wird nach eigener Darstellung Ende 2027 den metergenauen Verlauf der P43-Leitung festlegen. Dann erfolge der Bau. 2031 sei die Inbetriebnahme durch Tennet geplant.

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