Die Hoffnung - sie stirbt bekanntlich zuletzt. Nun ist die Hoffnung vieler Menschen im Markt Zeitlofs und in Wartmannsroth gestorben, dass die Fulda-Main-Leitung (P43) sie verschonen möge. Die Bundesnetzagentur hat über den Trassenkorridor der oberirdischen 380-Kilovolt-Starkstromleitung befunden - und sich für die Vorzugsvariante des Übertragungsnetzbetreibers Tennet entschieden.
Trassenführung entlang der A7 vom Tisch
Dieser ein Kilometer breite Korridor der P43 zwischen dem hessischen Dipperz und Bergrheinfeld im Landkreis Schweinfurt führt mitten durch Zeitlofser und Wartmannsrother Gemarkung. Die Entscheidung der Bundesnetzagentur für ihn schließt gleichzeitig andere Vorschläge aus, unter anderem eine zunächst von Tennet favorisierte Trasse entlang der A7 durchs Römershager Wasserschutzgebiet, aber auch eine Variante, die Burkardrother Gemarkung und den mittleren Landkreis Bad Kissingen tangiert hätte.
Für Zeitlofs' Bürgermeister Matthias Hauke (Gemeinsam für den Markt Zeitlofs), auch Vorsitzender des stromtrassenkritischen Vereins Rhönlink, kommt die Entscheidung nicht überraschend: „Die ganze Planung und Ausarbeitung hat den Anschein gemacht, dass es diese Variante wird.“
Hauke findet Entscheidung ernüchternd
Gleichwohl findet er das Ganze ernüchternd. Als Betroffener habe man ja immer gehofft „dass es noch an uns vorübergeht. Jetzt haben wir es schwarz auf weiß und man muss damit umgehen. Bei uns wird sich viel ändern."
Scharfe Kritik äußert Hauke an der Infopolitik von Tennet und der Bundesnetzagentur. Bereits am Mittwochabend habe man aus dem Radio hören und im Internet nachlesen können, wie die Behörde sich entschieden habe. Das offizielle Schreiben des Netzbetreibers lag erst am Donnerstag bei ihm auf dem Tisch, das der Bundesnetzagentur noch einen Tag später. „Es ist eine Sauerei, dass man das als betroffene Gemeinde so erfahren muss.“
Atzmüller sieht rechtliche Möglichkeiten in der Planfeststellung
Wartmannsroths Bürgermeister Florian Atzmüller (CSU) steckt in einer ähnlichen Gefühlslage. „Die Entscheidung ist jetzt da. Die müssen wir so hinnehmen.“ Zwar habe er beim Erörterungstermin der Bundesnetzagentur vor ein paar Wochen in Bad Kissingen den Eindruck gewonnen, als Betroffener gehört und die befürchteten Eingriffe wahrgenommen worden seien. Doch in der Gesamtbewertung der Problemstellungen hab das wohl nicht die entscheidende Rolle gespielt.
Atzmüller will nun die weitere Entwicklung „kritisch begleiten und nach Möglichkeiten suchen, die Interessen der Menschen, die hier leben, zu wahren". Er verweist darauf, dass im nun folgenden Planfeststellungsverfahren rechtliche Schritte zugelassen sind. „Wir werden alles mit angucken müssen und uns mit Zeitlofs abstimmen.“
Kampf um den detaillierten Trassenverlauf
Dessen Bürgermeiister wartet ebenfalls gespannt auf die Planfeststellung. „Jetzt wird es interessant; jetzt geht es um den Kilometer. Man kann Sachen herausholen, wieder um etwas kämpfen, versuchen, den genauen Trassenverlauf innerhalb des Korridors zu beeinflussen.“ Matthias Hauke will den Betroffenen beistehen: Waldbesitzern, Landwirten, Hauseigentümern.
Auch Landrat Thomas Bold (CSU) äußert sich zur Sache. Schon länger habe sich abgezeichnet, dass der Landkreis Bad Kissingen von der P43 stark betroffen sein werde. Diese Vermutung habe die Bundesnetzagentur nun leider bestätigt.
Landrat Bold: Betroffene und Kommunen einbeziehen
Als Hauptleidtragende sieht der Landrat die Gemeinden Zeitlofs und Wartmannsroth. „Für die dort lebenden Menschen sowie für die Natur und die Umwelt bedeutet der Verlauf eine große Beeinträchtigung, denn für den Bau der Trasse müssen breite Schneisen in Wald und Flur geschlagen werden.“ Dazu komme, dass eine Gasleitung durch diesen Teil des Landkreises führe, und auch die Vorschlagskorridore der geplanten Gleichstromtrassen Nordwestlink sowie Südwestlink dort verliefen.
Um die Belastungen so gering wie möglich zu halten, müssten als Nächstes betroffene Kommunen und Grundstückseigentümer einbezogen werden. Sie sollten finanziell teilhaben können. „Nur so kann es gelingen, dass die Bürgerinnen und Bürger die Infrastrukturprojekte akzeptieren, die für das Gelingen der Energiewende notwendig sind.“ Das Landratsamt werde das Planungsverfahren mit den betroffenen Kommunen weiter kritisch-konstruktiv begleiten.
Infomärkte zu feststehendem P43-Korridor
Zunächst aber informiert Tennet bei sogenannten Infomärkten erneut über den nun feststehenden Trassenkorridor. Die für den Landkreis Bad Kissingen relevanten sind am 17. September, voraussichtlich von 11 bis 14 Uhr in der Schulturnhalle Zeitlofs und von 17 bis 20 Uhr im Feuerwehrhaus in Wartmannsroth.
Die Fulda-Main-Leitung
- Bauherr: Tennet
- Länder: Bayern, Hessen
- Technische Daten: Wechselstrom, 380 kV
- Bauweise: Freileitung; abschnittsweise Erdkabel
- Typ: Neubau in neuer Trasse; Parallelneubau
- Länge: rund 102 Kilometer
- Nächste Schritte: Planfeststellung; Bau; Inbetriebnahme (vorgesehen für 2031)
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