Von grauem Muschelkalk über Porphyr, einem vulkanischen Naturstein, bis hin zu rotem Granit: Der Marktplatz in Hammelburg und sein Umfeld weisen einen „bunten“ Belag auf. An einigen Stellen fehlen Pflastersteine; die Lücken wurden mit dunkelgrauem Asphalt verfüllt. Immer mal wieder sind Steine locker.
Schon länger ist deshalb die Umgestaltung des Marktplatzes und Buttenmarktes in der Altstadt ein Gesprächsthema. Am 11. September 2024 hatte Hartmut Holl vom Würzburger Planungsbüro Holl Wieden Partnerschaft einen ersten Vorentwurf zur Umgestaltung in einer Stadtratssitzung vorgestellt, Ende September 2025 sollte der Zuwendungsantrag für die Städtebauförderung bei der Regierung vorgelegt werden. Doch: Kann/Sollte sich Hammelburg das 2,8 Millionen Euro teure Projekt überhaupt noch leisten? Die CBB-Fraktion reichte dazu einen Antrag ein.
„So eine Belastung hatten wir im Haushalt noch nie“
„Wir haben uns die Frage gestellt, ob es wirklich sinnvoll ist, beide Bereiche gleichzeitig zu sanieren“, berichtet Reimar Glückler (CBB). Nach Aussage des Kämmerers könnte die Verschuldung der Stadt in den nächsten Jahren auf über 21 Millionen Euro ansteigen. Das wäre, je nachdem welcher Zinssatz zugrunde gelegt wird, eine Zinsbelastung von bis zu 700.000 Euro pro Jahr, vermutet Glückler und mahnt: „So eine Belastung hatten wir im Haushalt noch nie.“
Zusätzlich gehe die Fraktion davon aus, dass auch die Schlüsselzuweisungen des Staates in Zukunft sinken werden; gleichzeitig sei wahrscheinlich, dass die Kreisumlage weiter steigen wird. „Vermutlich werden auch die Gewerbesteuereinnahmen und Einkommenssteueranteile sinken. Alles keine rosigen Aussichten für den Haushalt.“ Reimar Glückler schaut mit Sorge in die Zukunft: „Das wäre ein Haushalt, der vermutlich von der Aufsichtsbehörde im Landratsamt kaum akzeptiert werden könnte.“
Sanierung Marktplatz Hammelburg nicht zwingend notwendig
Aktuell erstreckt sich das Gebiet für die geplante Umgestaltung bis in die Kirchgasse, zur Einfahrt der Polizei im Roten Schloss und der Frobeniusstraße. „In unserem Antrag haben wir deshalb den Vorschlag gemacht, erstmal nur den Buttenmarkt und die zwei kleinen Gassen, die zum Marktplatz führen, zu sanieren“, berichtet Glückler weiter.
Die Sanierung des Marktplatzes sei zwar wünschenswert, aber nach Meinung des CBB nicht dringend erforderlich. „Auch viele Bürger unterstützen unsere Einschätzung. Obwohl wir keine repräsentative Umfrage haben, zeigen die uns abgefragten Stimmen eine eindeutige Tendenz“, ergänzt er. Die Entscheidung, ob und wann der Marktplatz umgebaut werde, solle nach der Kommunalwahl 2026 der neue Stadtrat entscheiden.
„Der Vollständigkeit halber muss ich darauf hinweisen, dass es für die Darlehensaufnahme einer Genehmigung des jeweiligen Haushalts durch die Rechtsaufsichtsbehörde bedarf“, bestätigt Kämmerer Tobias Fritzmann das Gesagte. Seitens der Verwaltung sei bereits bei der Haushaltsberatung 2025 darauf hingewiesen worden, dass der Erhalt dieser Genehmigung(en) mehr als fraglich ist. Und: Auch der mögliche Anstieg der Verschuldung in den nächsten Jahren sei korrekt, „das entspricht schließlich dem, was in der mittelfristigen Finanzplanung dargestellt ist und auch so vom Stadtrat beschlossen wurde.“ Wie über den Antrag abgestimmt werde, sei am Ende eine Entscheidung des Stadtrates.
Wann der Antrag behandelt wird
Unterstützt haben den Mitte September eingereichten Antrag nicht nur die Mitglieder der CBB-Fraktion (Reimar Glückler, Alexander Stolz, Reinhard Schaupp und Dominik Sitter). Auch Rita Schaupp (SPD), Norbert Schaub (SPD), Thomas Reuter (Bürgerliste Obereschenbach) und Edmund Schaupp (H.A.B.) teilen die Meinung ihrer Stadtratskollegen. „Laut Gemeindeordnung muss der Antrag nun innerhalb von drei Monaten behandelt werden“, sagt Glückler.
Wann das sein wird, weiß Heike Gnerlich, Pressesprecherin der Stadt Hammelburg: „Nach aktuellem Stand wird das Thema im November behandelt.“














