Bis Mitte Juli lief es bei dem Reiterswiesener Landwirt Dominik Kiesel mit der Ernte richtig gut. Dann kam die Schlechtwetterfront. Mehr als zwei Wochen Regen und Feuchtigkeit haben die positiven Ernteerwartungen getrübt. Was jetzt an Korn draußen steht, bekommt mit jedem weiteren Tag, an dem nicht gedroschen werden kann, eine schlechtere Qualität. Dominik Kiesel hofft, dass er ab dem Wochenende wieder mit dem Mähdrescher aufs Feld kam. Das letzte Mal war das ihm wetterbedingt am 24. Juli möglich.
Landwirte: Es sieht schlecht aus
Wie dem Reiterswiesener Landwirt geht es vielen Bauern in der Region, wissen der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), Edgar Thomas, und der Geschäftsführer der BBV-Kreisgeschäftsstelle in Oberthulba, Georg Scheuring. „Was jetzt draußen steht, ist sehr schlecht“, erklärt Edgar Thomas. Diese Ernte sei eine riesige Herausforderung für die Landwirtschaft. „Das Getreide muss dringend von den Feldern runter“, meint Georg Scheuring. Durch den Regen und die anhaltende Feuchtigkeit sei die Gefahr groß, dass das Getreide auswächst. Dieser Prozess habe teilweise begonnen. „Die Qualität wird ziemlich dahin sein“, meint Dominik Kiesel. Weizen und Roggen können dadurch ihre Backqualität verlieren, Sommergerste ihre Güte fürs Bierbrauen.
Backfähigkeit könnte verloren gehen
Während die wärmeren Regionen im Landkreis bereits vor der Schlechtwetterphase einen guten Teil ihrer Getreide,-Raps- oder Erbsenernte einfahren konnten, stehe in der Rhön noch viel auf den Feldern, hat Edgar Thomas festgestellt. Hier sieht er die Situation besonders problematisch.
Das Korn wächst aus
Reifes Getreide muss für eine gute Qualität zügig vom Feld. Doch der Regen hat das verhindert. Ausgewachsenes Getreide ist ab einem bestimmten Punkt nur noch als Viehfutter nutzbar; das gilt auch für die Sommergerste, die in der Regel zum Brauen verwendet wird. Futtergetreide bringt jedoch deutlich niedrigere Preise. Hinzu kommt, dass selbst für Viehfutter Qualitätsmaßstäbe gelten. Die Nässe erhöht auch hier die Gefahr, dass es minderwertig wird. Hinzu kommt: Je mehr Angebot vorhanden ist, desto geringer ist der Preis, der dafür bezahlt wird.
Absatzmöglichkeit als Viehfutter
Edgar Thomas ist froh, dass es diese Verwertungsmöglichkeit gibt, wenn kein Qualitätsgetreide geerntet werden kann. Doch gerade die Tierhaltung sei politisch in der Kritik, bedauert der BBV-Kreisobmann. Dabei sei diese so dringend notwendig für eine sinnvolle landwirtschaftliche Kreislaufwirtschaft.
Solches Wetter, sagt Dominik Kiesel, sei das Berufsrisiko. Dieses versucht er zu minimieren, in dem er sich im Anbau unterschiedlicher Feldfrüchte sehr breit aufstellt. So ist er mit der Wintergerste, die bereits vor dem Regen geerntet werden konnte, zufrieden. „Sie war die beste Kultur“.
Auf Extreme einstellen
„Die Extreme werden stärker, da muss man gucken, wie man zu Recht kommt“, sagt Edgar Thomas und sieht für seinen Betrieb die vielfältige Fruchtfolge ebenfalls als eine wichtige betriebswirtschaftliche Strategie.
Versicherung ist teuer
Zwar kann sich der Landwirt eine Mehrgefahrenversicherung zulegen, um vor Extremwetterereignissen geschützt zu sein. Diese sei sehr teuer, weiß Edgar Thomas. Er hat sie nicht. Und ob es sich bei dem Wetter der vergangenen Wochen überhaupt um Extremwetter handelt und eine Versicherung für den Ausfall aufkommen würde, bezweifelt er.
Weitere Aktuelle Berichte zum Thema Landwirtschaft finden Sie hier:












