Es ist keine acht Wochen her, da kannte Bianca Ditzel das „Hotel-Restaurant Krone” in Bad Brückenau gar nicht. Dennoch hängt die Frau aus der Großgemeinde Kolitzheim im Landkreis Schweinfurt ihre berufliche Existenz seit kurzem an das Traditionslokal am Marktplatz. Und verleiht ihm dank ihres sizilianischen Kochs eine italienische Note.
Erfahrung in Gastronomie und Zeitungsgeschäft
Ditzel bringt viel gastronomische Erfahrung mit: 20 Jahre lang führte sie ein Sportheim in ihrer Heimatgemeinde. Dann machte sie einen großen Schnitt, leitete die Zeitungszusteller des Axel-Springer-Verlages in Nürnberg an. Zuletzt kehrte die Unterfränkin aber wieder zu ihren Wurzeln zurück. Im Gemündener Stadtteil Langenprozelten betrieb sie – nur zwei Gehminuten vom Main entfernt – den Gasthof mit Pension „Goldener Anker”.
Doch als sich zu Jahresbeginn die Rahmenbedingungen dort verschärften, schaute sich Ditzel nach etwas Neuem um. Und entdeckte Anfang/Mitte März im Internet eine Anzeige: Die „Krone” stand zur Verpachtung.
Ditzel vom Gebäude fasziniert
Die Gastronomin schaute sich vor Ort um und erlebte „sofort einen Wow-Effekt”. Das ganze Haus habe sie fasziniert. Auch die rustikale Inneneinrichtung samt Pensionszimmer gefielen ihr, ebenso die komplett eingerichtete Küche. Ein großer Unterschied zum „Goldenen Anker” in den sie zuvor viel Geld und Arbeit stecken musste.
Ein gutes Gefühl vermittelte Bianca Ditzel auch die Familie Abersfelder, der die „Krone” gehört. Die Sympathie muss beiderseitig gewesen sein, denn die Abersfelders teilten ihr noch im März mit, dass sie „ihr Favorit als Pächter” sei.
Italienischer Koch kommt mit nach Bad Brückenau
Relativ zügig regelte die Kolitzheimerin ihre Belange in Langenprozelten. Mit ihr nach Bad Brückenau kam Sebastiano Linfazzi, ihr italienischer Koch. Ditzel hatte ihn vor zehn Jahren im Urlaub kennengelernt und mit ihm in Nürnberg zusammengearbeitet.
Am 13. April eröffneten die Beiden die „Krone” wieder, nachdem sie seit November 2024 leer gestanden hatte. Die Gastronomin wollte schon möglichst viel von der beginnenden Sommersaison mitnehmen. Und sie möchte die Gaststätte „intensiv betreiben”, nicht nur die Fremdenzimmer vermarkten. Deswegen hat sie täglich ab 11 Uhr bis Ultimo geöffnet; nur dienstags legt sie Ruhetage ein.
Gute Mischung aus deutscher und italienischer Küche
Die neue Speisekarte der „Krone” verrät eine Mischung aus gutbürgerlicher deutscher Küche und italienischen Gerichten zu durchschnittlichen Preisen. Schnitzel in allen Variationen sowie Frikadellen mit Kartoffelsalat und Bratwurst mit Kraut und Brot stehen drauf, dazu Fischgerichte. Später, wenn der Kundenzustrom sich verstetigt hat, will Ditzel auch Burgunderbraten und Fränkisches Hochzeitsessen anbieten.
Sebastiano Linfazzi bringt seine süditalienische Heimat ins Speisenangebot mit ein. Das Marsala-Schnitzel trägt den Geschmack des im Namen enthaltenen sizilianischen Likörweins. Das Pizza-Schnitzel wird mit Tomate und Mozzarella überbacken und mit Oregano und ein bisschen Knoblauch abgeschmeckt.
Tortellini-Bolognese mit Béchamelsauce
Selbsteingelegte Antipasti – angemacht mit nativem Olivenöl – gehören zum Standard, ebenso die Mascarponecreme. Hinter dem Bistecca ai Ferri verbirgt sich ein bei großer Hitze auf dem Grill oder in der Pfanne angebratenes Rindersteak, angemacht mit Zitrone oder Trauben- beziehungsweise Apfelessig. Dazu serviert werden Karotten, Erbsen und Pilze. Für deutsche Zungen eher ungewohnt sind die Tortellini mit Bolognese in Béchamelsauce.
Apropos gefüllte Nudeln: Die Conchiglioni con Ricotta, Spinaci e Besciamella (Große Muschelnudeln gefüllt mit Ricotta, Spinat und Béchamelsauce) kommen auch noch auf die Karte.
Getränke aus der Region
Bei den Getränken fällt auf, dass viele aus der Region stammen: Bad Brückenauer Wasser, Hoffmann-Fruchtsäfte aus Nüdlingen, Bionade aus Ostheim, Münnerstädter Kloster Urstoff und Rother Pils aus Roth/Hausen in der Rhön. Den Wein bezieht die neue Pächterin aus Fahr am Main.
Bianca Ditzel glaubt, dass die „Krone” mit ihrem Angebot künftig mehr ein gesetzteres Klientel ansprechen wird. Sie hofft aber auch auf Touristen und Ausflügler. Die Vermarktung der Pensionszimmer will die Unternehmerin dieser Tage auf dem Portal www.booking.com einrichten und das Traditionslokal auch in den sozialen Netzwerken bekannter machen.
Einige Bewohnerinnen des Kurstifts haben es bereits für sich (wieder-)entdeckt. Schließlich werden dort auch Kaffee, Tee und eine kleine Auswahl an Kuchen angeboten.
Wechselvolle Zeiten in der „Krone”
Das Ehepaar Kurt und Hannelore Abersfelder kaufte die „Krone” 2009 und betrieb den Gasthof am Marktplatz danach selbst für ein Jahr. Danach verpachtete sie ihn mehrfach. Die Betreiber blieben aber jeweils nur kurze Zeit. Bis kurz nach dem Jahreswechsel 2025/26 bot die Familie die „Krone” zum Verkauf an. Weil keiner der Interessenten passte, entstand die Idee, zumindest die Pension durch die Tochter wiederzubeleben. Glücklicherweise fand sich jetzt Bianca Ditzel als neue Pächterin.













