Vom kleinen Start-up hat sich das Unternehmen Psilkon zu einer Größe auf dem Markt für Silikonteile für die Medizintechnik entwickelt. In Oberthulba entsteht ein neues Firmengebäude mit moderner Produktionshalle, für die die Firma jetzt Richtfest feierte.
Im Gespräch mit dieser Redaktion gibt Steffen Metz, einer der drei Psilkon-Geschäftsführer, Einblick in die Firmenstrategie für die kommenden Monate und Jahre.
Herr Metz, die Psilkon-Geschichte liest sich wie aus dem Film. Zwei Freunde gründen ein Unternehmen, ein dritter steigt ein. Ist für derlei Romantik überhaupt noch Platz in der Wirtschaftswelt?
Steffen Metz: Wir haben das große Glück, dass unsere Freundschaft es zulässt. Wir sind alle unterschiedliche Charaktere mit unterschiedlichen Schwerpunkten, aber wir vermischen Privates und Berufliches nicht und haben von Anfang an vereinbart, dass Entscheidungen für das Unternehmen an erster Stelle stehen. Die Freundschaft gibt uns dabei sogar Rückenwind: Wir kennen uns, vertrauen uns und ziehen konsequent an einem Strang.
Mit dem Neubau in Oberthulba geht Psilkon einen weiteren, großen Schritt. Was bedeutet der für Ihr Unternehmen?
Er ist ein Meilenstein für uns. In Motten waren wir zweckmäßig unterwegs. Jetzt bekommen wir die passende Hülle für unsere Technologie und zeigen somit auch unseren Kunden: Psilkon ist angekommen. Es ist der nächste logische Schritt aus dem Start-up-Status hin zu einem etablierten Medizintechnik-Spezialisten.
Expansion ist immer auch mit Risiko verbunden. Fühlen Sie sich, gerade in wackeligen wirtschaftlichen Zeiten, gewappnet?
Ein Restrisiko bleibt. Keiner hat Gewissheit, was die Zukunft bringt. Das haben die letzten Jahre auf der Welt gezeigt. Aber unsere Wachstumspläne sind konservativ und wir wachsen mit Augenmaß. Unsere Branche – hochwertige Silikonspritzgussteile für die Medizintechnik – hat einen stabilen, wachsenden Bedarf, denn die medizinische Versorgung wird immer wichtig sein, auch aufgrund des demografischen Wandels und stetig wachsender Ansprüche. Wir haben es geschafft, uns auf diesem Markt zu etablieren. Dafür haben wir viel Zeit, Know-how und Geld investiert. Deshalb sind wir überzeugt, dass wir auf einer soliden Basis den nächsten Schritt gehen.
Stehen schon weitere Vergrößerungen für die Zukunft im Raum?
Mit den aktuellen Projekten ist die Hälfte der Kapazität im neuen Gebäude genutzt. In den nächsten acht Monaten investieren wir rund drei Millionen Euro in neue Technologie, bis Ende 2027 wollen wir unseren Umsatz verdoppeln. Auf dem Grundstück in Oberthulba könnten wir das jetzt geplante Hallenschiff theoretisch viermal unterbringen. Wir erhalten uns also alle Möglichkeiten.
Auch personell?
Wir führen Gespräche in allen Bereichen. Über den Jahreswechsel werden fünf neue Stellen dazukommen. In den nächsten drei bis fünf Jahren wollen wir auf 30 oder 35 Mitarbeitende wachsen. Wir bleiben klar am Standort Deutschland, setzen auf hohe Technologietiefe und suchen Menschen, die Lust auf Hightech und Teamgeist haben.
Was bedeutet der bevorstehende Umzug nach Oberthulba für den Standort Motten?
Der wird geschlossen. Bis auf eine Person kommen unsere 15 Mitarbeitenden alle aus dem Raum um Bad Kissingen und Oberthulba beziehungsweise Hammelburg, es sind also fast alle näher dran künftig. Außerdem wird unser Tochterunternehmen Preox aus Limburg bei Frankfurt mit nach Oberthulba ziehen – das schafft Synergien und kurze Abstimmungswege.
Sie hatten die vage Hoffnung, schon im Sommer 2025 in die neuen Räumlichkeiten umziehen zu können. Jetzt wird im September erst Richtfest gefeiert. Wo hängt es?
Die bürokratischen und zeitlichen Hürden sind tatsächlich immens. Das haben wir uns zielstrebiger vorgestellt und die Hilfestellungen könnten hier umsetzungsgetriebener sein, um auch zukünftig anderen besser unter die Arme greifen zu können. Der Umzug der Produktion ist jetzt für Dezember geplant. Das ist auch wichtig, weil wir in Motten schlicht an der Kapazitätsgrenze sind.
Das Gespräch führte Simon Snaschel.
Zum Unternehmen:
Die Firma Psilkon wurde 2017 von Patrick Buberl und Philipp Metz gegründet. Seit 2022 gehört auch Steffen Metz (40) zur Geschäftsführung. Mit seinen 15 Mitarbeitenden produziert das Unternehmen Silikon-Kleinteile für den Medizinsektor.
Im Jahr 2018 erzielte Psilkon einen Jahresumsatz von rund 50.000 Euro, 2024 lag er laut Steffen Metz bei 2,4 Millionen Euro. Für 2025 rechnet das Unternehmen mit drei Millionen Euro Umsatz. In Oberthulba entsteht derzeit ein neuer, knapp fünf Millionen Euro teurer Firmensitz mit modernen Büros und Produktionshallen.














