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Betrieb in Münnerstadt
Warum die Metzgerei Glasauer seit Jahren nicht ausbildet
Warum die Metzgerei Glasauer in Münnerstadt seit Jahren nicht mehr ausbildet
Stephan Glasauer am 19.08.2025 bei der Arbeit in der Metzgerei Glasauer in Münnerstadt. // Heiko Becker (HMB Media/ Heiko Becker)
Münnerstadt – Über 40 Jahre wurden in der Traditionsmetzgerei Lehrlinge herangezogen, seit 2018 ist Schluss damit. Das Image der Branche müsse sich wandeln, sagen die Betreiber.

Die Metzgerei Glasauer in Münnerstadt gibt es seit 1974. Teil der Firmengeschichte war immer auch die Ausbildung: Inhaber Stephan Glasauer hat einst bei seinem Vater, Firmengründer Ernst Glasauer, gelernt. Und später wiederum seinen Sohn Dominik, mit dem zusammen er heute den Betrieb führt, ausgebildet. Heute könnte der Junior als Metzgermeister selbst ausbilden.

Aber: Schon seit 2018 gibt es keine Auszubildenden mehr im Traditionsunternehmen, in dem über 40 Jahre lang neue Generationen von Metzgern sowie Fleischereifachverkäuferinnen und -verkäufern herangezogen wurden.

Immer wieder Anläufe genommen, immer wieder gescheitert

Ein Thema, bei dem Stephan und Dominik Glasauer emotional und nachdenklich werden: „Wir haben gewissermaßen aufgegeben“, sagt der Vater. Immer wieder habe man Anläufe genommen, immer wieder sei man gescheitert. Die Metzgerbranche, teilweise gar der Handwerksbereich in Gänze, stecke in einer Spirale, die schwer zu durchbrechen sei. „Leider“, so der 58-Jährige.

„Wenn jemand auf uns zukommt und eine Lehre machen will, würden wir das natürlich auch machen. Aber wir gehen nicht mehr aktiv nach draußen, weil das Resultat über Jahre einfach ernüchternd war.“ Berufsinformationstage, Schulbesuche, Praktika – all das habe man immer wieder versucht. Aber: „Es gab kaum Bewerbungen und wenn, hat es sich leider nicht auf Dauer etabliert.“

Warum die Metzgerei Glasauer in Münnerstadt seit Jahren nicht mehr ausbildet
Dominik Glasauer am 19.08.2025 bei der Arbeit in der Metzgerei Glasauer in Münnerstadt. // Heiko Becker (HMB Media/ Heiko Becker)

Auch der 35-jährige Dominik Glasauer, der den Betrieb eines Tages übernehmen wird, spricht von „teilweise verschwendeter Energie“. Es gebe schlicht zu wenige Menschen, die sich für eine Lehre beim Metzger interessieren. Dabei sei der Beruf sehr vielseitig. „Kein Tag ist wie der andere. Es geht viel um Kreativität, man kann sich mit eigenen Ideen immer wieder einbringen.“ Doch leider, so der Metzgermeister, werde ein solcher Berufsweg oft kategorisch von vornherein ausgeschlossen. „Natürlich wäre es auch unsere Aufgabe, mehr auf die Leute zuzugehen“, räumt er ein. „Aber irgendwann resigniert man.“ Und habe im Alltag als Unternehmer unmittelbare Herausforderungen, die er priorisieren müsse.

„Die Branche entwickelt sich gefühlt viele Jahre zu spät“

Das große Problem aus Sicht der Münnerstädter: das Image der Branche. „Das ist leider Gottes sehr viel schlechter als die Realität. Natürlich zahlen wir keine Löhne wie in der Industrie“, erklärt Stephan Glasauer, „aber es hat sich so vieles weiterentwickelt.“ Mitarbeiterangebote, digitale Zeiterfassung, moderne und kreative Kulinarik – mit dem Bild des Metzgers, der den ganzen Tag Schweine schlachtet, hat der Alltag inzwischen wenig zu tun. „Die eigene Schlachtung ist nicht mal mehr verpflichtender Teil der Ausbildung, wir machen das schon fast zehn Jahre nicht mehr.“

Nur: Nach außen nehme das kaum jemand wahr. „Das Bild hätte über Generationen anders geprägt werden müssen“, räumt der 58-Jährige ein. Tatsächlich sei das Image des groben Schlachters über Jahrzehnte zu sehr bedient und der spätere Wandel zu wenig sichtbar gemacht worden. Das werde nun nachgeholt. „Die Innung und das Handwerk allgemein tun viel, das ist elementar für uns. Natürlich müssen die Betriebe dabei auch mitgehen, was wir machen. Die Branche entwickelt sich, gefühlt nur leider viele Jahre zu spät“, so Dominik Glasauer.

Er mache sich „definitiv Gedanken“. Um seine Zukunft und die des Betriebs. „Meine Eltern scheiden irgendwann aus, auch verdiente Verkäuferinnen fallen irgendwann weg. Aber Fachkräfte werde ich immer brauchen, um einen gewissen Anspruch auch zu erfüllen.“

Warum die Metzgerei Glasauer in Münnerstadt seit Jahren nicht mehr ausbildet
Stephan und Dominik Glasauer am 19.08.2025 in der Metzgerei Glasauer in Münnerstadt. // Heiko Becker (HMB Media/ Heiko Becker)

Probleme in der Großindustrie

Die logische Folge: Pragmatismus statt Idealismus. Anstatt sich mit aller Energie der Imageaufpolierung des Metzgerhandwerks zu widmen und auf Biegen und Brechen um Azubis zu werben, setzen die Glasauers auf Quereinsteiger und ausländische Fachkräfte. „So kommen wir gut zurecht, haben aktuell auch keine Personalprobleme. Aber grundsätzlich wäre es natürlich besser, das Handwerk jemandem schon ab jungen Jahren beizubringen.“

Eine unglückliche Spirale. „Aber was willst du machen? Du kannst nur versuchen, deinen Betrieb positiv darzustellen. Und du musst da sein, wenn sich eine Chance auftut“, sagt Stephan Glasauer – und schielt dabei auf die Probleme in der Großindustrie. „Dort werden künftig sicher weniger Leute abgegriffen. Vielleicht führt das zu einem Umdenken, dass das Handwerk doch nicht so unattraktiv ist.“

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