Als Karoly Hajnal das erste Mal nach Geroda kam, überkam ihn zunächst Skepsis: So ein kleiner Ort. Und hier soll eine Gaststätte funktionieren? Doch dann sah der erfahrene Gastronom „Die Böll”. Ihre günstige Lage an der Bundesstraße 286, Dorfladen und Tankstelle gleich gegenüber. Dazu wenig bis keine Konkurrenz in den Dörfern rundherum (der Grieche im „Hirschen” in Geroda bietet nur Speisen zum Mitnehmen an).
Die großzügige Terrasse und der Biergarten der „Böll” stachen dem aus dem jugoslawischen Teil des Banats stammenden Ungarn mit donauschwäbischen Wurzeln ebenfalls ins Auge. Gastraum und Küche bestätigten den guten Eindruck. Und als der über 80-Jährige vom guten Ruf der „Böll” hörte, war es um ihn geschehen.
Vorher Landhotel in Ostheim geführt
Hajnal und seine Familie haben eher unerfreuliche eineinhalb Jahre als Betreiber des „Landhotel Rhönblick” in Ostheim (Landkreis Rhön-Grabfeld) hinter sich. Die „Böll” ist ein kleiner Neuanfang. Auf das Lokal wurden sie durch Bekannte aufmerksam, die in der Gegend wohnen.
Viel gastronomische Erfahrung
In gastronomischer Erfahrung stehen die neuen Betreiber ihren Vorgängern Hergenröder/Regus in nichts nach. Karoly Hajnal arbeitet seit 1968 als Selbstständiger in der Branche. Vor Ostheim führte er sechseinhalb Jahre ein Hotel im oberbayerischen Schongau. Davor war er jeweils elf Jahre in Bad Wörishofen und im Lipperland in Ostwestfalen.
Auch in einem Hotel in Duderstadt im südöstlichen Niedersachsen hinterließ er Spuren. In den 1980er- und 1990er-Jahren gehörte Hajnal gar der ungarischen Nationalmannschaft der Köche an.
Seine Frau Julianne kann rund 30 Jahre in der Gastronomie vorweisen. Die gebürtige Ungarin ist ausgebildete Köchin. Tochter Edina Pinter ist in der ungarischen Hauptstadt Budapest geboren und „war in der Gastronomie immer mit dabei”, wie Karoly Hajnal sagt. Angedacht ist, dass sie die „Böll” künftig leitet. Ihre Eltern werden ihr unter die Arme greifen, solange das nötig ist.
Derzeit betreibt Pinter noch einen Friseursalon mit Angestellten in einer Stadt zwischen Budapest und Györ. Sie kann noch nicht dauerhaft in Deutschland sein – zumal ihre Kinder schulpflichtig sind. Die künftige Chefin kommt derzeit wochenweise nach Geroda, arbeitet sich in die „Böll” ein. Bis zu den Sommerferien soll das so gehen – dann könnte der finale Umzug erfolgen.
Erfahrung und Beständigkeit
Das Gastronomiekonzept der Hajnals fürs Gerodaer Restaurant samt seiner zehn Gästezimmer baut auf Erfahrung und Beständigkeit. Der Gastraum mit seinen großflächigen Bildern von Geroda und der umliegenden Rhön sowie die Tischanordnung werden nicht verändert. Dafür verbreitet das historische Bild einer Pferderennbahn aus dem Budapest vor 1918 ungarisch-österreichisches Flair.
Eine Vitrine im Eingangsbereich ist gefüllt mit ungarischen Wein- und Likörflaschen, allen voran der berühmte Tokajer-Wein. Die Flure im Obergeschoss zieren Fotos bekannter Gebäude aus Budapest, darunter das Parlament und die Széchenyi-Kettenbrücke.
Hajnal setzt als erfahrener Gastronom und Hotelier auch bei den Speisen auf eine über viele Jahre erprobte Karte. Die Gerichte stehen auch in Ungarn für gutbürgerliche Küche. Paprikasteak „Balaton Art” ist darunter und ungarisches Rindersaftgulasch mit Spätzle und Salzkartoffeln.
Klassiker der Balkan-Küche
Cevapcici, gegrillte Hackfleisch-Röllchen, und Rasnjizi, traditionelle Fleischspieße, führen auf den Balkan. Sie werden jeweils serviert mit Djuvec-Gemüsereis, Krautsalat und Pommes. Gleiches gilt für den „Lustigen Bosniaken”, hinter dem sich Rumpsteak, gefüllt mit Schinken und Käse, versteckt.
Ergänzt wird das Angebot durch deutsche, bayerische und österreichische Standards: Schnitzel „Wiener Art”, Cordon Bleu, Schweinebraten, Pfannengyros, gebackener Leberkäs mit Kartoffelsalat und Spiegelei – um nur einige zu nennen.
Vegetarisches und Süßspeisen
Die vorherigen Pächter haben in ihren neun Jahren den guten Ruf der „Böll” vor allem durch hochwertige regionale und vegetarische Küche geformt. Die Hajnals haben zumindest ein paar klassische fleischlose Gerichte auf der Karte: Blumenkohl-Käse-Medaillons, Käsespätzle, Hirtenpfanne, ein Nudelgericht mit Weißkäse, Peperoni und Oliven.
Schleckermäuler können zwischen bekannten Mehlspeisen aus Österreich, Ungarn und Bayern wählen: Topfenstrudel, Apfelstrudel, Palatschinken und Kaiserschmarrn.
Volles Haus zum Start
Der Start der Hajnals in der „Böll“ verlief vielversprechend. 60 Gäste bedienten sie am Sonntag, 1. März – alles Menschen, die Tische vorbestellt hatten. Ab Mittwoch, 4. März ist die Gaststätte dann für alle, also auch Laufkundschaft, offen. Vorbestellungen gebe es auch für diesen Tag schon, sagt Karoly Hajnal.
Abläufe müssen sich einspielen
Er, seine Frau und die Tochter haben diesen Beginn in Raten gewählt, weil sich die Abläufe in ihrem Restaurant noch einspielen müssen. Der vergangene Sonntag sei hektisch gewesen; alles in allem habe es aber gut geklappt, so Hajnal. Als erfahrener Gastronom weiß der 80-Jährige, wie wichtig der erste Eindruck ist. Und natürlich hofft er, dass viele der jetzt zahlreichen Neugierigen bald wiederkommen.
Bleibt noch eine Frage: Wird in der deutsch-ungarischen „Böll“ auch Tokajer serviert? Karoly Hajnal sagt „selbstverständlich”. Ungarns berühmtester Wein darf einfach nicht fehlen.


















