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Gewerbegebiet IV in Westheim?
Demo, hitzige Debatten und ein gefallener Entschluss
Die Diskussionen um den geplanten Gewerbepark in Westheim gehen weiter. Zu einer Entscheidung kommt es vor der Sommerpause nicht mehr.
Am 6. Oktober hat der Stadtrat in Hammelburg über das weitere Vorgehen in Westheim diskutiert. // Milena Meder
Westheim – Ausgiebig wurde in den letzten Monaten über das mögliche vierte Gewerbegebiet in Westheim gesprochen. Nach einer Demo am Marktplatz fiel am Montag nun eine Entscheidung. Die Diskussion zum Nachlesen.

Begleitet von Trillerpfeifen, Plakaten und Rufen ging es für die Hammelburger Stadträtinnen und Stadträte am Montagabend (6. Oktober) in den Sitzungssaal des Bürgerhauses. Die anstehende Entscheidung: sicherlich keine leichte.

Bereits seit Monaten sorgt der dritte Tagesordnungspunkt – „Antrag mehrerer Stadtratsmitglieder vom 25. Juli 2025 zur weiteren Entwicklung des Gewerbegebietes Westheim“ – unter den Ratsmitgliedern, aber auch in der Bevölkerung für Diskussionen. Die Meinungen dazu: auch nach dem Beschluss gespalten. 

160 Demonstrierende auf dem Marktplatz in Hammelburg

„Wollt ihr uns das wirklich antun? Nur wegen Konsum? Lasst den Längberg ruh'n, lasst es bitte sein: Sagt zu 17 Hektar Gewerbe Nein“, schallt es ab 17 Uhr über den Marktplatz. Etwa 160 Demonstrierende bringen so eine Stunde vor der Sitzung ihre Sorgen und Ängste, aber auch ihren Ärger über die anstehende Entscheidung noch einmal zum Ausdruck. Sie befürchten eine Zukunft, in der Profit vor dem Schutz von Natur und Mensch stehen. Die Vorteile für die Stadt Hammelburg: zu klein und zu wenig vorhersehbar, um die stärker werdenden Lärm-, Verkehrs- und Geruchsbelästigung, aber auch die Versiegelung der Natur rund um den Längberg in Kauf zu nehmen.

Vor der Stadtratssitzung am Montag, 6. Oktober, gab es eine Demo gegen das geplante Gewerbegebiet Westheim.
Vor der Stadtratssitzung am Montag, 6. Oktober, gab es eine Demo gegen das geplante Gewerbegebiet Westheim. // Milena Meder

„Finger weg vom Längberg“, rufen die Teilnehmenden, denen das Gelände nördlich der Kreisstraße, auf welchem das Gewerbegebiet weiterentwickelt werden soll, am Herzen liegt. Schon jetzt ist der Hammelburger Stadtteil mit seinen rund eineinhalb Kilometern Entfernung zur Autobahn ein beliebter Standort für viele Unternehmen. Die drei bestehenden Gewerbegebiete in Westheim umfassen mehr als 40 Hektar Fläche, während das Dorf nur rund 32 Hektar für Wohnbebauung hat.

Friedlich, aber ausdrucksstark bringen sie deshalb auf dem Marktplatz in Hammelburg mit einer Demo ihre Meinung zum Ausdruck – und das bereits zum zweiten Mal. Selbst das regnerische Wetter kann die Demonstrierenden – unter den sich nicht nur Westheimerinnen und Westheimer befinden – nicht vertreiben. Unter anderem machen auch Langendorferinnen und Langendorfer, die ebenso von der Entwicklung betroffen, aufgrund der Gemarkungsgrenzen aber nicht mit einbezogen sind, ihren Standpunkt deutlich. 

Ein Kompromissvorschlag für Westheim?

„In dem Thema findet sich eine hohe emotionale Triggerung“, eröffnet Reinhard Schaupp (CBB) schließlich die Debatte im Stadtrat. Stellvertretend für Reimar Glückler (CBB), Alexander Stolz (CBB), Dominic Sitter (CBB), Rita Schaupp (SPD), Thomas Reuter (Bürgerliste Obereschenbach) und Edmund Schaub (H.A.B.) stellt er den zum Beschluss vorgelegten Antrag noch einmal vor.

Vor der Stadtratssitzung demonstrierten 160 Bürgerinnen und Bürger gegen das diskutierte Gewerbegebiet IV.
Vor der Stadtratssitzung demonstrierten 160 Bürgerinnen und Bürger gegen das diskutierte Gewerbegebiet IV. // Milena Meder

Der Inhalt: Die genannten Stadträte sprechen sich gegen eine großflächige Erschließung des Längbergs in Westheim durch einen privaten Investor aus. Stattdessen befürworten sie die Entwicklung eines kleinteiligen, flächenschonenden Gewerbegebietes unter städtischer Trägerschaft. „Darin sehen wir eine Chance, den seit zwei Jahren schwelenden Konflikt durch einen tragfähigen Kompromiss zu befriedigen.“

Der Vorschlag: Fünf Hektar Gewerbe 

Damit einher gehen für die Ratsmitglieder allerdings zwei Aufträge an die Verwaltung: „Das eine ist die planerische Entwicklung eines kleinteiligen Gewerbegebietes mit einer Größe von etwa fünf Hektar“, berichtet Schaupp. Wünschenswert sei es, dass hier in Zukunft insbesondere die regionale Wirtschaft gefördert werde. Das Gegenargument der Bauverwaltung, kleinteiliges Gewerbe sei heute nicht mehr angebracht, können die Unterzeichner nicht nachvollziehen, denn: In Hammelburg gebe es einige Beispiele, die das Gegenteil beweisen, argumentiert der CBBler. 

Mit einer nachgebauten Kapelle brachten die Demonstrierenden ihre Meinung zum Ausdruck.
Mit einer nachgebauten Kapelle brachten die Demonstrierenden ihre Meinung zum Ausdruck. // Milena Meder

Der zweite Auftrag, der mit dem Antrag einhergehe: „Mit den Grundstücksbesitzern verhandeln. Es soll ein Grundstückspreis erzielt werden, der mit den städtischen finanziellen Möglichkeiten in Einklang gebracht werden kann“, erklärt Schaupp. Der Idealfall: Die Stadt bezahle vorerst einen Einstiegspreis, sobald das Grundstück dann veräußert wurde, wird der Aufschlag an die Besitzer weitergegeben.

„Um Kosten zu sparen, schlagen wir außerdem vor, erst einmal nur eine Kernerschließung stattfinden zu lassen.“ Der CBBler betont allerdings: Alles hänge davon ab, ob die Stadt mit den Grundstücksbesitzern zu einer tragbaren Einigung komme. „Und wenn es nicht dazu kommt, dann findet dort auch keine Entwicklung statt.“ 

„Zustände, die sich keiner wünscht“

Norbert Schaub (SPD) und sieben weitere Ratsmitglieder sind damit nicht einverstanden; sie stimmen gegen den Vorschlag. Die Gewerbesteuereinnahmen seien nicht wirklich prognostizierbar, die erwartbaren Einnahmen der Stadt höchst spekulativ. Die Versiegelung der Natur spreche gegen das Leitbild „Älteste Weinstadt Frankens“, der Kämmerer habe klar von einer Eigenentwicklung abgeraten. Zudem seien im Stadtgebiet noch einige ungenutzte Gewerbeflächen vorhanden, argumentiert Norbert Schaub und meint: „Die eigentliche Aufgabe der Stadt ist es also, diese freien Flächen zu aktivieren.“

Der Westheimer weiß aus eigener Erfahrung: Schon jetzt herrschen vor Ort „Zustände, die sich keiner wünscht.“ Dass eine Erweiterung die Situation verbessern würde, bezweifelt er. „Ich sehe darin keinen nachhaltigen Beitrag zur wirtschaftlichen, ökologischen oder gesellschaftlichen Weiterentwicklung unserer Stadt“, schließt er ab. 

Florian Röthlein und Fabian Hamák von den Grünen sehen das ähnlich: „Das ist kein echter Kompromiss, weil er aus unserer Sicht so nicht durchführbar und ohne finanzielle Einbußen darstellbar ist“, sagt Florian Röthlein stellvertretenden für die gesamte Fraktion. Der Kompromiss sei an viele „Best-Case-Situationen gekoppelt“, ergänzt auch Christian Fenn, stellvertretend für die Junge-Liste. „Ich bin mir nicht sicher, ob aktuell der richtige Zeitpunkt für eine solche Entscheidung ist“, kündigt er seine Gegenstimme an. 

Sind fünf Hektar ein guter Kompromiss?

Alexander Stolz (CBB) sieht das anders, er argumentiert dagegen: „Die Idee dahinter war, etwas vorzuschlagen, womit sich die Mehrheit anfreunden kann.“ Auch ihm persönlich falle das als Westheimer schwer, bei der Idee des Antrags könne allerdings „kein Logistik-Monster entstehen“, betont er. Es müsse klar verdeutlicht werden, dass nach fünf Hektar Schluss ist. 

Martin Wende, der stellvertretend für die CSU-Fraktion spricht, ist ebenfalls dankbar: Aus seiner Sicht habe die Stadt so eine Chance gewonnen. „Wir können Gewerbegebiet erweitern, müssen aber nicht.“ Der Vorschlag sei seiner Ansicht nach aus allen Sichtweisen ein guter Kompromiss. „Ich weiß gar nicht, ob wir uns als Stadt die Chance nehmen lassen können“, verdeutlicht Wende. Eine Bitte hat allerdings auch er: konsequent dranbleiben. „Wenn sich das jetzt wieder alles hinzieht, glaube ich nicht, dass dadurch jemand etwas gewonnen hat“, meint er.

Weichen für eine Gewerbeentwicklung gestellt

„Ich kann als Bürgermeister nicht gegen Gewerbeentwicklung sein, wenn sie sich denn bietet“, fügt Bürgermeister Armin Warmuth (CSU) abschließend hinzu. Mittlerweile sei er dankbar für den Kompromissvorschlag, „den ich am Anfang als schwierig umsetzbar gesehen habe.“ Er habe immer noch einiges an Tücken, dennoch hofft der Bürgermeister nun, dass der Vorschlag zur Befriedung beitrage. „Wir müssen in die Verhandlungen einsteigen und dann schauen, wie und ob wir das finanziell stemmen können.“ 

Am Ende wird der Antrag mit 14 zu 8 Stimmen angenommen. Damit sind die „Weichen für eine Gewerbeentwicklung gestellt“, fasst Warmuth zusammen. Die Verwaltung müsse nun in Grundstücksverhandlungen gehen. Patrick Bindrum hat sich an der Diskussion und abschließenden Abstimmung nicht beteiligt. 

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