Eigentlich sollte schon in der Stadtratssitzung Mitte Juli die Grundsatzentscheidung über den geplanten Gewerbepark in Westheim fallen. Doch während draußen noch die Trillerpfeifen und Rufe der Westheimer zu hören waren, wurde drinnen um eine Entscheidung gerungen. Das Ergebnis: Die Abstimmung wurde erneut vertagt.
Bauunternehmer Patrick Bindrum, der die Entwicklung der Fläche am Längberg vor knapp drei Jahren angestoßen hat, sieht das kritisch. Er meint: „Die Entscheidung muss endlich fallen.“
Was ihm bei den aktuellen Diskussionen fehlt? Kompromissbereitschaft, Entschlossenheit und Dialog.
Herr Bindrum, Sie haben kürzlich zwei Online-Meetings gestartet, in denen Sie der Bevölkerung Fragen zum geplanten Gewerbegebiet in Westheim beantwortet haben. Was hat es damit auf sich?
Patrick Bindrum: Nach der nicht-öffentlichen Stadtratssitzung, in der ich meine Pläne zum ersten Mal vorgestellt habe, bin ich nach Westheim und wollte vor Ort zwei Tage hintereinander meine Pläne präsentieren. Dort bin ich dann stundenlang ausgebuht und ausgepfiffen worden. Sogar die Polizei ist gekommen und hat mich gefragt, ob ich Angst habe. Damit war der Dialog für mich nicht mehr gegeben. Mich auspfeifen, ja, das kann man tun, aber kein Dialog ist auch keine Lösung. Da auch alle anderen Kontaktversuche zu den Gegnern die letzten Jahre über gescheitert sind, habe ich mich kürzlich deshalb dazu entschieden, diese zwei Online-Dialoge zu starten.
Wenn Sie Dialog möchten: Warum konnte sich dann niemand äußern, außer sie selbst und der Moderator?
Ich habe über eineinhalb Stunden lang die Fragen, welche die Zuhörer live per Schrifteingabe stellen konnten, beantwortet. Ein Moderator hat alle gesammelt und mir gestellt. Hätte ich das im Meeting live oder direkt vor Ort gemacht, wäre ich vermutlich wieder nicht zu Wort gekommen. Wenn das Niveau einer Diskussion nicht respektvoll ist, dann stelle ich mich dem auch nicht. Aber: Als dann die Kritik kam, warum ich keine Live-Fragen zulassen würde, habe ich online eine Abstimmung gestartet, wer mir denn Fragen stellen soll. Insgesamt haben dann über 800 Leute abgestimmt. Zwei Drittel waren für den Ortssprecher, der Rest für die Bürgerinitiative. Der Ortssprecher spricht nicht mit mir darüber und auch die BI hat mit sehr deutlichen Worten abgelehnt. Das verstehe ich nicht, wenn ich vorher kritisiert werde, dass ich mit niemandem rede.
Warum fühlen Sie sich überhaupt dafür verantwortlich, die Gewerbeentwicklung der Stadt voranzubringen? Sie könnten das Thema doch auch einfach der Stadt überlassen.
Die letzte Gewerbeentwicklung ist in Hammelburg schon mindestens 15 Jahre her, seitdem ist nichts mehr vorangegangen. Das Einzige, was passiert ist: Leerstände wurden neu besetzt. Ich habe deshalb schon sehr früh das Gespräch mit Bürgermeister Armin Warmuth gesucht und ihn gefragt, ob die Stadt nicht noch die vorhandene Fläche in Westheim entwickeln möchte. Die Antwort: Ich soll das Thema selbst angehen.
Als wird dann im Stadtrat 2022 das GMA-Gutachten überarbeitet haben, war das mein Anlass, das Thema nun wirklich anzustoßen. Daraufhin war ich erneut beim Bürgermeister, der mir gesagt hat, ich müsse halt wegen der Grundstücke schauen. Der Tenor war also wieder, dass ich mich um die Entwicklung kümmern soll. Wenn man mich fragt, hätte die Stadt die Gewerbefläche eigentlich schon vor 20 Jahren weiterentwickeln müssen.
Jetzt wird doch gerade diskutiert, ob die Stadt das Projekt selbst angeht. Was haben Sie dann überhaupt noch damit zu tun?
Die Stadt muss in meine Verträge einsteigen. Ich habe eine notarielle Vereinbarung für die Grundstücke. Die Vereinbarung ist einseitig und ich kann sie irgendwann annehmen. In jedem Jahr, in dem ich sie nicht annehme, zahle ich eine Optionsgebühr. Wissen Sie, wie lange die Stadt schon überlegt zu entwickeln? Ich zahle jedes Jahr Geld, der Betrag steigt von Jahr zu Jahr an – am Ende bin ich auch einfach nur ein Unternehmer. Trotzdem geht es mir vorrangig eigentlich überhaupt nicht um das Geld. Die Stadt braucht einfach dringend diese Entwicklung.
Sie sagen, die Stadt braucht dringend Gewebeentwicklung. Es gibt das Gerücht, dass Sie sich – trotz ihres Versprechens zurückzutreten – nie komplett heraushalten würden.
Wenn die Stadt das selbst entwickeln will, dann bin ich da auf jeden Fall dafür – auch wenn ich das kleingliedrige Gewerbe, dass aktuell zur Diskussion steht – als Investor nicht befürworten würde. Die Stadt müsste das auf viele Jahre vorfinanzieren und die Kosten für eine Entwicklung wären immens hoch. Schon alleine die Infrastruktur für die gesamte Fläche, die aktuell ausgewiesen ist, auf die andere Straßenseite zu bringen, ist sehr teuer. Anders wäre es natürlich, wenn die Stadt sagt, sie erschließt für immer nur die aktuell diskutierten fünf Hektar. Das wäre natürlich günstiger. Dann machen wir aber alles falsch. Es kann nicht sein, dass wir in zehn Jahren wieder komplett von vorne beginnen müssen, wenn wir feststellen, dass wir Gewerbeentwicklung brauchen – das kann sich die Stadt nicht leisten. Als Stadtrat und Investor halte ich die Kleingliedrigkeit also für den falschen Weg. Sogar der Kämmerer hat das ziemlich deutlich gemacht. Je kleingliedriger wir entwickeln, desto teuer wird es.
Sie würden also dafür stimmen, obwohl Sie eigentlich dagegen sind?
Ja, ich möchte mir am Ende einfach nicht vorwerfen lassen, dass ich geizig bin und die Entwicklung blockiere.
Und Sie treten auch komplett von Ihren Plänen zurück?
Sollte die Stadt die Entwicklung übernehmen wollen, würde ich das machen, ja. Ich hätte aber zwei Bedingungen: Die Verwaltung müsste in meine Verträge für die 17 Hektar einsteigen und meine Aufwendungen bezahlen. Noch wichtiger ist für mich aber etwas anderes. Wenn ich von meinen Plänen zurücktrete, müsste die Kleingliedrigkeit kommen. Ich lasse nicht zu, dass ich großflächig entwickeln möchte, das nicht darf, nur dass es die Stadt dann selbst tut.
Sie äußerten bereits den Wunsch, dass das Projekt nun endlich vorangebracht werden soll. Warum soll es jetzt auf einmal so „schnell“ gehen?
Ich habe dem Bürgermeister mehrmals deutlich gemacht: Wenn die Stadt das Gewerbegebiet nicht möchte, dann soll sie mir das mitteilen. Nur wenn man mich mehrerer Jahre im Prozess hält und mich so natürlich auch in die Kosten bringt, dann muss ich halt irgendwann mal Druck machen. Ich bezahle dafür, dass ich die Flächen juristisch gesichert habe – am Ende bin ich trotz allem Verständnis auch nur Unternehmer.
Haben Sie also mit Blick auf die kommende Kommunalwahl einen Bürgerentscheid im Blick?
Wir machen seit drei Jahren nichts. Das kostet alle Geld und Zeit. Wenn die Stadt keine Entscheidung trifft, dann wird es einen Bürgerentscheid geben müssen. Sollte das kommen, halte ich es auch für richtig, die Abstimmung mit in die Kommunalwahl zu integrieren. Je mehr Leute zur Wahl gehen, desto demokratischer wird die Entscheidung am Endes sein. Demokratie lebt doch davon, dass viele Leute daran teilnehmen.
Sie sind also der Meinung, es muss eine Entscheidung geben. Wie geht es dann jetzt weiter?
Wir müssen anfangen, miteinander zu reden und endlich eine Entscheidung treffen. Ich wäre sehr dankbar, wenn wir gemeinsam mit allen Parteien ein Gespräch führen und sachlich unsere Argumente austauschen könnten.












