Obwohl die Grundsatzentscheidung über den geplanten Gewerbepark Saaletal IV in Westheim vertragt wurde, hat die Verwaltung in der Sitzung des Stadtrats die gesammelten Fakten zum Projekt vorgestellt. Die Meinungen zu dem Thema gehen auseinander.
Die Chronologie des Gewerbegebiets in Westheim
„Für Westheim I wurde 1988 der Bebauungsplan geändert“, erklärte Geschäftsleiter Florian Memmel die Chronologie. Anschließend wurde in den Jahren 1991 und 2000 der Aufstellungsbeschluss für Westheim II und Westheim III gefasst. Am 11. Mai 2023 sei dann der mögliche vierte Gewerbepark das erste Mal vorgestellt worden.
Knapp eineinhalb Jahre später – im November 2024 - folgte ein Bürgerantrag mit der Fragestellung „Soll die Stadt Hammelburg für die Flächen im Gewerbegebiet Westheim IV die Aufstellung eines Flächennutzungs- und Bebauungsplans zugunsten einer zukunftsorientierten Gewerbeentwicklung einleiten?“
Eine Woche später ging ein zweiter Bürgerantrag bei der Verwaltung ein. Die Forderung: „Zur Erhaltung der Natur- und Naherholungsgebiete soll in Verbindung mit der Flächensparoffensive der bayerischen Staatsregierung das im ISEK (Integriertes Stadtentwicklungskonzept) der Stadt Hammelburg genannte Entwicklungspotential des Gewerbeparks Saaletal ruhen gelassen werden.“
Beide Anträge wurden für zulässig erklärt und im März 2025 inhaltlich behandelt. „Der Beschluss lautete, dass der Stadtrat der Stadt Hammelburg den Inhalt im weiteren Verlauf des Vorgehens im Blick behält“, sagt Memmel. Zwischenzeitlich habe im Februar noch eine interne Informationsveranstaltung stattgefunden.
Außerdem beschloss der Stadtrat, dass mit dem bisherigen Investor in Verhandlung getreten und über eine mögliche Entwicklung des Gewerbegebietes durch die Stadt Hammelburg gesprochen werden soll. „Dieser Termin hat am 17. März stattgefunden.“
Es folgten zwei weitere Besprechungstermine, bis in der vergangenen Sitzung nun eigentlich die Grundsatzentscheidung fallen sollte.
Kämmerei begrüßt die Gewerbeentwicklung
„Aus Sicht der Kämmerei kann ich grundsätzlich bei der Frage nach Gewerbeentwicklung nur zu einem Ergebnis kommen“, sagt Kämmerer Tobias Fritzmann. Die Haushaltslage der Stadt sei allen bekannt. „Da brauchen wir über die Frage, ob wir Einnahmen generieren wollen, nicht groß Diskussionen führen.“ Geordnete Gewerbeentwicklung sei aus finanzieller Sicht auf jeden Fall zu begrüßen. „Durch den möglichen Projektträger wurden plausibel scheinende Investitionskosten grob dargelegt“, berichtet der Kämmerer. Ausgegangen werde von einem kleineren, zweistelligen Millionenbetrag.
„Projekte dieser Größenordnung können wir ohne gesicherte Gegenfinanzierung im Haushalt aktuell nicht darstellen.“ Und: Auch außerhalb des Haushalts sei das nicht so leicht. „Da bräuchten wir eine rechtsaufsichtliche Genehmigung, mit deren Erhalt wir zum heutigen Stand nicht rechnen können“, berichtet Fritzmann.
Die vorgebrachte Forderung einer kleingliedrigen Entwicklung würde höhere Erschließungskosten und Verkaufspreise sowie eine längere Vorfinanzierung bedeuten, „weil man vermutlich länger auf den Plätzen sitzen bleibt.“
Mittelfristig sei beim Thema Gewerbeentwicklung aber mit höheren städtischen Einnahmen zu rechnen, sagt er. Gleichzeitig könnten vertragliche und wirtschaftliche Risiken auf einen Investor abgewälzt werden. „Ich beleuchte nur die Finanzen, da kann ich natürlich niemals gegen Gewerbeentwicklung sein – das erlaubt schon die Position überhaupt nicht“, ergänzt der Kämmerer.
Risiko bei Saaletal III auf Nutzer abgewälzt
Auf Nachfrage von Florian Röthlein (Grüne) ergänzt Michael Hammer aus der Verwaltung: „Es gibt natürlich Nachfrage nach kleineren Gewerbeflächen, die allermeisten sind aber nur bereit, bis zu einem gewissen Quadratmeterpreis zu zahlen.“ Vor allem im Bereich von 3000 bis 5000 Quadratmeter gebe es immer wieder Anfragen.
Investor Patrick Bindrum ergänzt dazu: Sein erster Ansprechpartner beim Thema Gewerbeentwicklung in Westheim sei die Verwaltung gewesen. Seine Bitte damals: Die Stadt soll das Projekt selbst in die Hand nehmen. „Ich stehe einer Lösung, dass die Stadt Hammelburg das entwickelt, in keinster Weise entgegen – eher im Gegenteil.“ Er fügt hinzu: Saaletal III sei mit einem Einzelnutzer belegt, der das gesamte Grundstück gekauft und so das Risiko übernommen habe.
“Ich glaube, es ist an allen Parteien gut gelegen, dass mal wieder auf ein objektives Level zu holen.
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„Deswegen glaube ich, haben wir es uns damals erst leisten können, das so umzusetzen.“ Der Nutzer sei von vorneherein klar gewesen, das Vermarktungsrisiko nicht vorhanden.
„In Saaletal I und II haben wir mehrere Betriebe gehabt, die es heute nicht mehr gibt“, sagt Bindrum. Zur Klarheit und Wahrheit gehöre: Reifen Müller habe diese Betriebe übernommen und so ein belebtes Gewerbegebiet entwickelt. „Ich weiß natürlich auch, wie kritisch der in Westheim gesehen wird.“ Rein finanziell betrachtet habe das der Stadt aber große Vorteile gebracht.
„Das ist alles ein sehr dynamischer Prozess“
„Kleinteiligkeit hat sich in der Vergangenheit schonmal als Hemmschuh erwiesen“, erinnert sich auch Stadtbaumeister Detlef Mohr und ergänzt: Baurecht sei auf der Fläche noch nicht vorhanden. Das Landschaftsschutzgebiet beginne erst oberhalb des Kapellenwegs, ein Biotop sei nicht vorhanden. „Das ist alles ein sehr dynamischer Prozess. Da kann man nicht davon ausgehen, dass es in einem Jahr funktioniert.“
Es gebe drei Möglichkeiten, was in Westheim passieren kann, sagt Stadtrat Martin Wende (CSU). Entweder entwickle die Stadt das Gebiet, der Investor übernehme oder es passiere nichts. „Und für alle drei Optionen – das ist das, was ich wahrnehme – gibt es Befürworter und Gegner, Argumente dafür und welche dagegen.“
Die Wahrheit sei: Das Ratsgremium habe über die Möglichkeit der Eigenentwicklung bisher zu wenig diskutiert. Deshalb brauche es den Zeitaufschub. „Ich glaube, es ist allen Parteien gut gelegen, das wieder auf ein objektives Level zu holen.“
Der sehr lange Prozess der vergangenen Jahre habe gezeigt, dass das Vertrauen in die Stadt Hammelburg etwas größer sei, als in den Investor, schlussfolgert Stadtrat Fabian Hamák (Grüne). „Ich finde, dass das eine Überlegung ist, die wir als Stadtrat abwägen müssen“, sagt er.
Bürgermeister plädiert für Gewerbe
Bürgermeister Armin Warmuth (CSU) fügt zum Abschluss hinzu: „Wir sehen alle die Haushaltssituation und die Herausforderungen, welche die Stadt Hammelburg noch vor der Brust hat.“ Der Stadtrat ringe mit sich. Es zeige sich allerdings, dass die Stadt von den Entwicklungen der vorhandenen Gewerbegebiete profitiere – vor allem was die Gewerbesteuer und die Arbeitsplätze angehe.
„Wir müssen der demografischen Entwicklung ein Stück weit entgegenwirken“, plädiert der Bürgermeister für das Projekt.
Die Grundsatzentscheidung „Ja oder Nein“ müsse nun getroffen werden und „dann müssen wir über das Wie sprechen“, so Warmuth.
Hinweis: Der Antrag zur Vertagung des Beschlusses wurde ohne Gegenstimmen angenommen. Nach einer nicht-öffentlichen Beratung noch vor der Sommerpause könnte dann Ende September/Anfang Oktober eine Entscheidung fallen.















