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Gewerbepark IV in Westheim
Drei Polizisten, eine Demo und die vertagte Entscheidung
Demo gegen geplantes Gewerbegebiet in Westheim
Über 100 Westheimerinnen und Westheimer gingen am Mittwoch, 16. Juli 2025, in Hammelburg auf die Straße. Der Grund: das geplante Gewerbegebiet am Längberg. // Milena Meder
Westheim – Eigentlich soll in der Stadtratssitzung der Beschluss über den Gewerbepark in Westheim fallen. Doch während draußen die Trillerpfeifen zu hören sind, wird drinnen um eine Entscheidung gerungen.

Vor dem Bürgerhaus wird gerufen und es sind Pfeifen zu hören. Um 18 Uhr beginnt im Bürgerhaus am Mittwoch, 16. Juli 2025, eine Sitzung des Stadtrates. „Ich kann mich nicht erinnern, dass wir jemals drei uniformierte Polizistinnen und Polizisten in einer Stadtratssitzung gehabt haben; und wir hatten auch noch nie eine so große Demo vorher“, fasst Florian Röthlein (Grüne) die Situation zu Beginn zusammen.

Die Anspannung im Saal ist deutlich zu spüren. Grund ist Tagesordnungspunkt vier: „Grundsatzentscheidungen über das Einleiten von weiteren Verfahrensschritten zum Darstellen und Festsetzen des im Gewerbepark Saaletal liegenden Gebietes ‚Saaletal IV‘ im Stadtteil Westheim als gewerbliche Baufläche“.

Über 100 Westheimer gehen auf die Straße

Mit einer Demo bringen viele Westheimerinnen und Westheim vor der Sitzung ihre Sorgen und Ängste, aber auch ihren Ärger über die anstehende Entscheidung zum Ausdruck. Sie befürchten eine Zukunft, in der Profit vor dem Schutz von Natur und Mensch stehen, wie auf Schildern zu lesen ist. Sie wollen neben einer stärker werdenden Lärm-, Verkehrs- und Geruchsbelästigung auch die Versiegelung der Natur rund um den Längberg verhindern.

Für viele Spaziergänger seien die Strecken nördlich der Kreisstraße, auf welcher der neue Gewerbepark geplant ist, ein beliebtes Ziel. Schon jetzt ist der Hammelburger Stadtteil mit seinen rund eineinhalb Kilometern Entfernung zur Autobahn ein beliebter Standort für viele Unternehmen. Die drei bestehenden Gewerbegebiete umfassen bereits mehr als 40 Hektar Fläche, während das Dorf nur rund 32 Hektar für Wohnbebauung hat.

Friedlich, aber klar bringen sie deshalb bereits eine Stunde vor Sitzungsbeginn auf dem Marktplatz in Hammelburg mit einer Demo ihre Meinung zum Ausdruck. Selbst der einsetzende Regen und ein Gewitter kann die mehr als 100 Demonstrierenden nicht vertreiben. Auch als die Sitzung längst begonnen hat, sind die vereinzelten Laute einer Trillerpfeife und die Rufe einiger Westheimerinnen und Westheim noch zu hören. 

Entscheidung über „Saaletal IV“ vertragt

Demo gegen geplantes Gewerbegebiet in Westheim
Um ihren Längberg zu schützen, gingen die Westheimerinnn und Westheimer auf die Straße. // Milena Meder

„Ich stelle hiermit einen Antrag zur Geschäftsordnung, dass heute keine Abstimmung über den genannten Beschluss stattfindet und wir damit auch keine Grundsatzentscheidung über den geplante Gewerbepark treffen“, unterbricht Florian Röthlein zu Beginn des Sitzungspunkts.

Im letzten Beschluss habe der Stadtrat festgelegt, dass die Verwaltung mit dem Investor über eine Übernahme und Durchführung des geplanten Projektes durch die Stadt Hammelburg spricht.

„Für eine Grundsatzentscheidung ist es aus unserer Sicht, oder zumindest aus Sicht vieler Stadträtinnen und Stadträten, sehr essenziell zu wissen, was uns als Stadt die Grundstücke und anderweitige Verpflichtung kosten würden“, erklärt Röthlein die Gründe für seinen Antrag. Solche Informationen könnten allerdings nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit weitergegeben werden, heißt es dazu.

Über 100 Westheimerinnen und Westheimer demonstrierten in Hammelburg gegen das geplante Gewerbegebiet.
Über 100 Westheimerinnen und Westheimer demonstrierten in Hammelburg gegen das geplante Gewerbegebiet.  // FOTOGALERIE Anne Roider
Über 100 Westheimerinnen und Westheimer demonstrierten in Hammelburg gegen das geplante Gewerbegebiet.
Über 100 Westheimerinnen und Westheimer demonstrierten in Hammelburg gegen das geplante Gewerbegebiet.  // FOTOGALERIE Anne Roider
Über 100 Westheimerinnen und Westheimer demonstrierten in Hammelburg gegen das geplante Gewerbegebiet.
Über 100 Westheimerinnen und Westheimer demonstrierten in Hammelburg gegen das geplante Gewerbegebiet.  // FOTOGALERIE Anne Roider
Über 100 Westheimerinnen und Westheimer demonstrierten in Hammelburg gegen das geplante Gewerbegebiet.
Über 100 Westheimerinnen und Westheimer demonstrierten in Hammelburg gegen das geplante Gewerbegebiet.  // FOTOGALERIE Anne Roider
Über 100 Westheimerinnen und Westheimer demonstrierten in Hammelburg gegen das geplante Gewerbegebiet.
Über 100 Westheimerinnen und Westheimer demonstrierten in Hammelburg gegen das geplante Gewerbegebiet.  // FOTOGALERIE Anne Roider
Über 100 Westheimerinnen und Westheimer demonstrierten in Hammelburg gegen das geplante Gewerbegebiet.
Über 100 Westheimerinnen und Westheimer demonstrierten in Hammelburg gegen das geplante Gewerbegebiet.  // FOTOGALERIE Anne Roider

Am Montag (14. Juli 2025) hätten sich etwa zehn Stadträte fraktionsübergreifend auf Einladung der Bürgerinitiative (BI) getroffen. Die dort anwesende Mehrheit der Kolleginnen und Kolleginnen sei sich einig gewesen, dass die fehlenden Informationen wesentlich für eine Entscheidung seien. 

Entscheidung nach der Sommerpause?

Das Gespräch mit der BI sei äußerst konstruktiv gewesen, die Argumenten gegen das geplante Vorhaben seien klar und verständnisvoll dargelegt worden. Ganz entscheidend sei für Stadträte allerdings das persönliche Signal der Sprecherinnen und Sprecher zur Kompromissbereitschaft gewesen, so Röthlein. 

„Ich verstehe auch, dass jetzt viele Bürgerinnen und Bürger und vielleicht auch der eine oder andere Stadtrat sagt, wir verschleppen wieder. Wir trauen uns nicht, eine Entscheidung zu treffen“, ergänzt Röthlein. Diese Meinung verstehe und teile er.

Demo gegen geplantes Gewerbegebiet in Westheim
Mit einem großen Banner brachten sie ihre Meinung zum Ausdruck. // Milena Meder

„Ein großer Teil von uns ist allerdings der Ansicht, wenn hier die Möglichkeit besteht, einen Kompromiss zu finden, dann sollten wir diese Chance auch nutzen“, bittet er um Verständnis. Der Stadtrat müsse eine fundierte Entscheidung treffen und die könne nur gefällt werden, wenn alle Informationen vorliegen.

Nach einer nicht-öffentlichen Beratung noch vor der Sommerpause, könnte dann Ende September/Anfang Oktober eine Entscheidung fallen, schlägt Röthlein vor. „Wir wollen sie treffen. Wie auch immer sie dann aussieht.“

Ohne Gegenstimmen wird der Antrag schließlich angenommen, die Entscheidung ist vertagt.

 

 

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