Trockenheit von Februar bis Mai, viel Regen im Juli: Vor allem wegen der Wetter-Kapriolen rechnet die Landwirtschaft in Unterfranken in diesem Jahr mit einer unterdurchschnittlichen Ernte. Das wurde am Dienstag in Gramschatz (Lkr. Würzburg) beim regionalen Jahrespressegespräch des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) deutlich.
Neben den Folgen des Wetters plagen die Bäuerinnen und Bauern in der Region weitere Sorgen, wenngleich es auch Lichtblicke gibt. Die wichtigsten Aspekte im Überblick.
Wie fällt die Ernte beim Getreide aus?
In Unterfranken ist die Getreideernte dem BBV zufolge zu 70 Prozent abgeschlossen. Verlierer sind der Winterraps mit einer wetterbedingt „deutlich unterschiedlichen Ernte“ und die Sommergerste, die „in diesem Jahr das Problemkind in der Vermarktung“ werden könnte. Grund: Aus dem vergangenen Jahr seien auf dem Markt noch große Mengen übrig.
Sorgen macht den Landwirten auch der Dinkel. Bis zu 25 Prozent weniger Ertrag als im Vorjahr gebe es diesmal, sagte Landwirt Thomas Zehnter aus Gaukönigshofen (Lkr. Würzburg), der auch Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaften in Würzburg ist. Grund für die Einbußen: Es sei in den vergangenen Monaten zu trocken gewesen.
Regen kam gerade noch rechtzeitig
Positiv sieht es laut Zehnter beim Hartweizen (Durum) aus, der in diesem Jahr eine gute Qualität habe. Ähnlich sei es beim Silomais, denn der Regen im Juli „ist gerade noch rechtzeitig gekommen“. Das gelte auch für die Zuckerrüben. Ihnen mache heuer aber die Schilf-Glasflügelzikade zu schaffen. Zu welchen Einbußen der Schädling führe, sei noch offen.
Die Zikade gefährde auch Gemüsekulturen in Unterfranken, warnte Behördenleiter Gerd Düll vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (ALF) Kitzingen-Würzburg. Mancher Bauer habe in diesem Jahr den Anbau zum Beispiel von Roter Beete einstellen müssen, hieß es auf dem Treffen in Gramschatz.
Getreideernte 2025: Was heißt das für die Preise von Brot und Backwaren?
Getreide habe am Preis für Brot und Brötchen nur einen geringen Anteil, betonten die Landwirte am Dienstag. Weil in jüngster Zeit aus Bulgarien, Rumänien und der Ukraine viel Getreide auf den heimischen Markt gekommen sei, führe die Übermenge zu fallenden Preisen und damit zu Einbußen für die Getreideanbauer in der Region.
Brötchen „müssten aus Sicht der Landwirte eigentlich günstiger werden“, sagte Geschäftsführer Zehnter von den Erzeugergemeinschaften. Ob das wirklich so komme, bleibe aber offen.
Welche Folgen hat die Erhöhung des Mindestlohns für die Landwirtschaft in der Region?
Bis Januar 2027 wird der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland von aktuell 12,82 auf 14,60 Euro erhöht. Das bringe die Landwirte in Unterfranken insbesondere bei den Sonderkulturen immer mehr in Bedrängnis, war eine Kernaussage in Gramschatz. Unter Sonderkulturen sind zum Beispiel der Anbau von Spargel oder Erdbeeren zu verstehen. Gerade dort setzen die Bauern Hilfskräfte ein, die den Mindestlohn bekommen. Geht er nach oben, wird das für die Betriebe teuer.
Landwirt Michael Stolzenberger aus Oesfeld (Lkr. Würzburg) hat darauf bereits reagiert. Erdbeeren biete er der Kundschaft nur noch zum Selbstpflücken auf den Feldern an. „Die Verbraucher akzeptieren die steigenden Preise nicht mehr“, sagte Stolzenberger in Gramschatz mit Blick auf die wegen des Mindestlohns erhöhten Betriebskosten.
Mancher Hof komme mittlerweile an den Rand der Wirtschaftlichkeit, ergänzte Behördenleiter Düll vom ALF. Bei Erdbeeren und Spargel habe es in der Region aktuell die geringste Ernte seit 30 Jahren gegeben, weil immer mehr Betriebe aus Kostengründen aus dem Anbau ausgestiegen seien. Meerrettich zum Beispiel werde im ALF-Gebiet bald gar nicht mehr angebaut.
Welche Alternativen bei den Einkünften nutzen die Landwirte mittlerweile?
Das ist vor allem die Erzeugung von Energie zu nennen. Bio-Landwirt Bernhard Krückel aus Gramschatz erwähnte bei dem Pressetreffen am Dienstag, dass auf seinen Feldern bald eine sogenannte Agri-PV-Anlage gebaut werde. Solche Solarparks sind so angelegt, dass der Boden unter den Solarstrommodulen landwirtschaftlich genutzt werden kann. Bei herkömmlichen Solarparks ist das nicht der Fall.
Für die Landwirte sind Agri-PV-Anlagen finanziell eine interessante Sache: Krückel bekommt nach eigenen Worten 2000 Euro Pacht pro Jahr und Hektar - und kann zusätzliches Geld verdienen mit der Bewirtschaftung des Ackers. Die Erzeugung von Energie und Lebensmitteln sei für die Landwirtschaft zwar „noch kein Königsweg“, aber auf lange Sicht und als zusätzliches Standbein durchaus erstrebenswert, zog Bauernverband-Direktor Wilhelm Böhmer ein Fazit.




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